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Vincent Koziello: Kleiner Mann endlich ganz groß?

Seinen Auftritt beim BFC Dynamo sehen seine Unterstützer und Forderer als Beweis dafür, dass Vincent Koziello beim 1. FC Köln eigentlich gesetzt sein müsste. Der kleine Franzose weckt seit seinem Winter-Wechsel im Januar die Hoffnungen, einen neuen Spielmacher gefunden zu haben. Startet der 22-Jährige nun durch?

Köln/Berlin – Die Flanke von Louis Schaub segelte in den Strafraum. Zwischen zwei Berliner Verteidigern lief Vincent Koziello ein, sprang in die Höhe und köpfte technisch sauber und unhaltbar zum 6:1 für den Effzeh ein. „Dass Vincent ein Kopfballtor macht, passiert halt mal“, sagte später Trainer Markus Anfang lachend. „Mir ist das auch mal passiert.“

Drei Zentimeter trennen Anfang (1,71m) und Koziello (1,68m) voneinander. Der FC-Coach weiß also, wie sich Koziello auf dem Platz fühlt. Kleiner als die anderen, aber giftig, nicht so robust, dafür wendig, eigentlich nicht kopfballstark, dafür aber mit einem guten Auge für die Räume, mit einer feinen Technik und dem Gefühl für Mitspieler und Passwege. Einige FC-Fans sehen ein gutes Omen darin, dass Koziello genauso groß ist wie Kölns einstiger Regisseur Pierre Littbarski. Technisch gehört Koziello fraglos zu den besten Fußballern im FC-Team, läuferisch zu den stärksten, nur körperlich eben nicht. Doch das war schon bei Littbarski und Anfang so. Vielleicht auch deswegen sehen viele in ihm den neuen Spielgestalter, Taktgeber, Techniker, Vorlagengeber – ein Mann von besonderer Statur für besondere Momente.

Dennoch hatte Koziello in den ersten beiden Ligaspielen auf der Bank gesessen. Kein Platz für den spielerisch so starken Franzosen, der schon unter Stefan Ruthenbeck in der Rückrunde nicht sofort seinen Platz gefunden hatte. Koziello eilt das Problem voraus, sich aufgrund seiner schmächtigen Statur noch mehr beweisen zu müssen, noch stärker zeigen zu müssen, dass er körperlich in der Lage ist, in Deutschlands Top-Ligen mitzuhalten. „Wenn Armin Veh gedacht hätte, ich könnte keine Zweite Liga spielen, hätte er mich nicht geholt“, sagte Koziello in Kitzbühel im Gespräch mit dieser Onlinezeitung. „Ich habe vor niemandem Angst auf dem Fußballplatz.“

Das bewies er am Sonntag beim BFC Dynamo. Die Berliner waren mit der schnellen, wendigen und offensiven Spielweise des Franzosen völlig überfordert, bekamen den Kölner Taktgeber nie in den Griff. Koziello war an vier der neun Treffer direkt beteiligt. Und auch sonst verkörperte er das, was dem FC zuvor gegen Bochum und Union Berlin gefehlt hatte: Der 22-Jährige marschierte mit dem Ball nicht nur auf die gegnerische Kette zu, sondern fand immer wieder die Lücken, um Pässe hinter die Abwehr zu spielen, Bälle in Gassen zu stecken oder selbst in den Strafraum zu ziehen. Davon profitierte alle Offensivspieler, insbesondere Schaub, mit dem der Franzose sich bestens verstand.

Ich möchte die entscheidenden Pässe spielen und selbst Tore schießen

Nun muss Koziello dieses Niveau auch in die Zweite Liga übertragen. In einer Position unter Markus Anfang, die er zunächst noch erlernen musste, da er in der neuen Kölner Spielidee offensiver spielt als zuvor in seiner Karriere. „Ich spiele jetzt höher. Der Trainer möchte, dass ich offensiver stehe und die Bälle zwischen der gegnerischen Abwehr- und Mittelfeldreihe bekomme“, hatte Koziello bereits in Kitzbühel erklärt und seine Ansprüche sprichwörtlich offensiv formuliert. „Ich möchte, dass mein Spiel zwingender wird, dass ich die entscheidenden Pässe spiele und auch selbst Tore schieße.“

Das Tor gegen den BFC war sein zweiter Pflichtspieltreffer im FC-Trikot. Nach seinem Debüttreffer in der vergangenen Saison bei RB Leipzig bewies Koziello am Sonntag, dass er den Auftrag verstanden hat, künftig noch häufiger in die Spitze vorzustoßen und auch aus dem Strafraum heraus gefährlich zu werden. Anfang fordert, dass seine Mittelfeldspieler zu Abschlüssen kommen und den direkten Weg in die Box suchen. Das setzte Koziello nebst vielen anderen Dingen beim BFC Dynamo gut um. Gegen Erzgebirge Aue am kommenden Samstag gehört er daher zu den heißesten Kandidaten für die Startformation. Viele Fans würden es begrüßen – noch mehr, sollte er die Nominierung dann mit einer neuerlich guten Leistung rechtfertigen.

12 Kommentare
  1. unbedacht says:

    Koziellos größtes Problem hat so gar nichts mit ihm selbst zu tun, sondern liegt viel eher an den (noch nicht?) so gut mit-denken oder spielenden Nebenleuten. Ist mir im Pokalspiel extrem aufgefallen, wie da Ideen und Möglichkeiten verschleppt oder verschlafen wurden. Ich hoffe er wird sich durchsetzen, denn auch die Mitspieler würden extrem profitieren …

  2. Anti Raute says:

    Bitte nicht einen Spieler als Messias hoch stufen, das bringt doch nichts. Ich sehe Koziello auch gerne spielen, aber andere Spieler haben auch ihre Qualitäten und der Trainer muss sich entscheiden, welche im kommenden Spiel mehr benötigt werden. Fußball ist immer noch ein Mannschaftssport. Der Fan neigt immer dazu, sich einen „Heiligen“ Spieler zu schaffen, warum eigentlich? Koziello ist nicht so viel besser als einige andere Spieler auch, deshalb ist dies auch nicht angebracht.

  3. Boom77 says:

    Grundsätzlich passt mir die Überschrift des Artikels nicht. Er klingt danach, als hätte Koziello bisher nur Mist gespielt und man würde nun hoffen, dass er endlich „zündet“. Typisch Klatschpresseniveau. Für mich war Koziello gut, wenn er letzte Saison gespielt hat. Klar, waren auch ein paar Spiele dabei, wo man ihn nicht so gesehen hat. Aber in einem Mannschaftssport, in dem es darauf ankommt, dass eigentlich all 11 Spieler „funktionieren“, „funktioniert“ in dem einen oder anderen Spiel eben auch der Einzelne nicht, wenn es bei den anderen so überhaupt nicht läuft. Und das war letzte Saison bei unserer Mannschaft ja leider oft der Fall. Ich bin jetzt kein Koziello-Anhänger, aber ich habe ihn oft als besten Mann auf dem Platz gesehen, wenn er denn letzte Saison gespielt hat, der sich auch trotz seiner geringen Körpergröße (das ist für mich ohnehin sowas von Wuppe) durchzusetzen wusste.

    Es geht auch nicht darum, dass wir in ihm einen neunen Litti oder Icke haben. Koziello ist Koziello… nicht Litti… nicht Icke…. oder sonst wer. Er soll einfach in Ruhe seine Leistung bringen und sein (jetzt aufgrund des Systems wohl neues) Spiel zeigen dürfen… Dann wird das schon.

  4. OlliW says:

    Die Sehnsucht nach einem besonderen Spielmacher und Regisseur ist schon sehr groß. Und da besteht auch eine Art Vakuum, das der FC Fan gerne schnell füllen will. Sobald einer geeignet scheint, muss er dafür herhalten. Dass dann schnell wieder Enttäusching und auch Kritik ins Spiel kommen, sobald es sich als Fehleinschätzung herausstellt oder es nicht so genial läuft wie erhofft, ist auch klar.
    Es gibt halt keine Mannschaft, die immer, die gesamte Saison über, heim- wie auswärts gegen jeden Gegner immer gleich gut funktioniert. Das wissen doch alle. Die Aufstellungen müssen daher logisch variieren. Mal wird es Koziello, mal vielleicht ein anderer richten müssen. Und da geht es nur um eine Position! Der Franzose gehört für mich auch zu den 11 Stammspielern. Trotzdem sei auch ihm gegönnt, dass er mal schlechte oder schwächere Spiele machen wird. Ich rate zu Gelassenheit, denn der Kader gibt es definitiv her, dass man variiert und rotiert. Er ist überall gut positioniert. Die Bank- und Tribünendrücker muss man dann nur irgendwie bei Laune halten, sollten sie mal länger nicht zum Einsatz kommen (Momentan wohl Hauptmann, J. Horn, ggf. Özcan…)

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