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„Kein brutaler Zweikämpfer“: Kann Geis die Solo-Sechs?


Jetzt wird es ernst: Der 1. FC Köln startet am Samstag um 10 Uhr den letzten Teil der Winter-Vorbereitung auf den Wiederbeginn der Zweiten Liga am 31. Januar in Berlin. Für Neuzugang Johannes Geis gilt es, nach dem Kennenlernen auf Mallorca die taktischen Abläufe zu verinnerlichen. Vorgesehen ist der Ex-Schalker als alleiniger Sechser.

Köln – Der Transfer von Johannes Geis zum 1. FC Köln kann aus Sicht eines Zweitligisten durchaus als Coup verstanden werden. Der FC Schalke 04 hatte für den Mittelfeldspieler noch über zehn Millionen Euro an den 1. FSV Mainz 05 überwiesen. Zwischenzeitlich sicherte sich der FC Sevilla, auch nicht gerade ein unbedeutender Klub in Europa, die Spielgenehmigung für Geis. Nun also ist es der Effzeh – in der Zweiten Liga.

Doch Geis ist ein komplexer Fall. Hochgejubelt in der Zeit unter Thomas Tuchel in Mainz. Mit guten Werten auf Schalke zu Beginn seiner Zeit im Revier. Dann der Absturz. Zuletzt zwar noch in der Trainingsgruppe, aber praktisch aussortiert. Das Überraschende in dieser Phase: Kein anderer Klub schien sich so recht zu trauen, Geis zu sich zu nehmen und dort wieder aufzupäppeln. Der FC will es in den kommenden vier Monaten versuchen. Doch woran lag die Skepsis bei Geis, die offenbar in vielen Teilen der Bundesliga herrschte?

Eher zu langsam und manchmal etwas behäbig

Der Reviersport beschrieb Geis im Oktober 2018 in einem Portrait als „Präzisionsspieler“ mit „gestochen scharfen Pässen“, ein Spieler, der im Ballbesitz über fast alle Qualitäten verfügt, die es für die gehobene Bundesliga braucht. Doch ein schweres Foul an André Hahn mit einer verbundenen Vier-Spiele-Sperre hatte ihn in seiner guten Phase auf Schalke zurückgeworfen. Geis habe in der Zeit nach der Sperre den Anschluss verloren. Auch, weil nicht nur in dieser Szene aufgefallen sei, dass Geis freilich kein Treter, „sondern eher zu langsam ist und manchmal in seinen Aktionen etwas behäbig wirkt“. Weiter heißt es, schon bei der Verpflichtung des ehemaligen Mainzers habe Schalke 04 von dem „Tempo-Defizit“ des Mittelfeldspielers gewusst, war aber dennoch die für damalige Verhältnisse enorme Ablöse an Mainz zu zahlen.

Nun also kommt Geis nach Köln. Die Tempodefizite hat er nicht ablegen können, das war schon auf Mallorca zu sehen. Doch der FC hofft, dass Geis dank seiner anderen Qualitäten dem FC einen entscheidenden Schritt weiterhilft. Doch nicht nur in der Zweiten Liga im Aufstiegskampf, sondern auch über den Sommer hinaus, betonte Sportchef Armin Veh. „Wenn wir nicht davon überzeugt wären, dass er uns auch über die Saison hinaus weiterhelfen könnte, dann hätten wir ihn nicht geholt. Er kann uns weiterhelfen. Vielleicht nicht nur jetzt, sondern auch später. Er hat bewiesen, dass er Bundesliga spielen kann.“

Über Spielpraxis zurück zu alter Stärke?

Die Zweifel an Geis, so ist auf Schalke noch immer zu hören, lagen aber vor allem an der Herausforderung, auf der Position vor der Abwehr jene Arbeit zu leisten, die auch beim FC nötig sein wird. Vor allem als alleiniger Sechser, der Geis sein soll. Räume schließen, Lücken zulaufen, in der Rückwärtsbewegung der Abfangjäger vor der Dreierkette sein, wichtige Zweikämpfe gewinnen, Bälle zurückerobern. Doch genau darin sieht Geis selbst seine eigenen Schwächen. „Meine Stärken sind mit dem Ball. Ich bin kein brutaler Zweikämpfer, der überall herumrennt“, sagte Geis auf Mallorca und bestätigte damit auch indirekt, dass er eigentlich eher ein zweiter Sechser neben einem Abräumer ist.

Doch beim FC erwartet man anderes von ihm. „Der Trainer hat mir ganz klar gesagt, dass er von mir Ballbesitz-Fußball erwartet. Das ist für Köln in der 2. Liga auch logisch“, sagte Geis. In der Zweiten Liga könnte dies funktionieren, wie man schon am ebenfalls nicht wendigen und schnellen Marco Höger in der Hinrunde gesehen hat. Eine Laufmaschine jedoch sind Geis und Höger beide nicht. In dieser Hinsicht wird sich der FC also mit Blick auf einen möglichen Aufstieg und die Rückkehr in die Bundesliga noch einige Gedanken machen müssen. Was man bei Geis‘ Vita allerdings auch gerne vergisst: Der feine Techniker ist noch immer erst 25 Jahre alt. Kein Alter also, in dem man gewisse Schwächen wenn nicht beheben, dann aber doch reduzieren kann. Ein Sprinter wird aus Geis zwar nicht mehr. Aber die Zweite Liga dürfte für ihn das richtige Terrain sein, um über Spielpraxis wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Und mit dieser hatte er in Mainz und auch auf Schalke durchaus beeindruckt.

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