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23-Tore-Terodde steht nur noch im Schatten


Man stelle sich vor, ein Torjäger erzielt in 21 Ligaspielen 23 Tore und ist in der gefühlten Wahrnehmung trotzdem nur noch Stürmer Nummer drei. Simon Terodde dürfte es beim 1. FC Köln aktuell so oder so ähnlich gehen. Geredet wird nur noch über seine beiden Sturmpartner. Dabei hat der Effzeh dem 30-Jährigen in dieser Saison fast alles zu verdanken.

Köln – Zwischen dem dritten und achten Spieltag traf Terodde in sechs Spielen zwölf Mal. Zwischen dem 13. und 18. Spieltag traf Terodde in sechs Spielen neun Mal. Nur in sieben seiner bislang 21 Ligaspiele konnte Terodde kein Tor erzielen. Eine überragende Quote, an die kein Stürmer in dieser Saison aus der ersten oder zweiten Liga herankommt.

Sollte alles normal laufen, wird Simon Terodde in dieser Saison der Torschützenkönig der Zweiten Liga. Das erscheint schon jetzt klar. Mit seinen 23 Treffern liegt Terodde satte elf Tore vor Lukas Hinterseer (12) und zwölf Tore vor den weiteren Verfolgern, darunter sein Teamkollege Jhon Cordoba (11). Selbst, wenn Terodde von nun an überhaupt nicht mehr treffen sollte, dürfte der Stürmer wohl am Ende der Saison die Trophäe mit der Torjägerkanone in Empfang nehmen. So groß war Teroddes Dominanz bislang.

Der Moment, auf den alles hinauslief

Doch diese außergewöhnliche Leistung scheint aktuell keine Rolle mehr zu spielen. Seit dem 17. November 2018, der Bekanntgabe der Rückkehr von Anthony Modeste, schien alles nur noch auf den Moment hinauszulaufen, der am Samstagmittag in Müngersdorf wahr wurde. Der FC, spielschwach und in Not, benötigte einen neuen Impuls. Markus Anfang nahm Terodde vom Feld, brachte Modeste – und dieser erzielte die entscheidenden Tore zum Sieg der Geissböcke.

Schon in den Wochen zuvor war Terodde kaum mehr gefeiert worden. Jhon Cordoba wurde immer mehr zum Gesprächsthema, der Kolumbianer, der neun seiner elf Saisontore in den letzten zehn Spielen erzielt hat und auf dem besten Wege ist, einer der Publikumslieblinge beim FC zu werden. Und das nach dieser vernichtenden Vorsaison mit dem Abstieg und der Last der 17-Millionen-Euro-Ablöse. Markus Anfangs größter Erfolg bislang beim FC ist wohl, Cordoba nicht nur wieder das nötige Selbstvertrauen eingeflößt und die offenbar passende Taktik für dessen Spiel mitgegeben zu haben, sondern damit auch dem Spieler wieder einen Marktwert gegeben zu haben, der zuvor fast auf die Null-Marke gesunken war. Plötzlich ist Cordoba ein Topstürmer, dessen Potential über die Zweite Liga hinauszugehen scheint. Dem Kolumbianer könnte die Zukunft beim FC gehören.

Gibt Terodde die passende Antwort?

Diese Zukunft erscheint für Terodde hingegen immer fraglicher. Schon häufiger wurde ihm unterstellt, kein Stürmer von Bundesliga-Format zu sein. Und das, obwohl der 30-Jährige erst eine einzige (!) Saison im Oberhaus spielen durfte – die Saison 2017/18, in der er in Stuttgart und Köln für zwei Teams mit gleichermaßen großen Problemen spielte. Dass er in dieser Saison trotzdem immerhin sieben Treffer erzielte, ging in der Bewertung Teroddes unter. Auch in Köln schien Terodde nur dafür da, den FC wieder nach oben zu schießen. Dann sollte Modeste wiederkommen und mit Cordoba das künftige Traumduo im Sturm bilden. Der 23-Tore-Stürmer Terodde steht plötzlich nur noch im Schatten und wundert sich.

Wie sehr er sich zu wundern scheint, war am Samstag gegen Sandhausen zu erleben. Terodde stand völlig neben sich, spielte schwach, wurde zurecht ausgewechselt. Torhüter Timo Horn erklärte später über Anthony Modeste, dieser sei dafür bekannt, „fast alles vor dem Tor wegzumachen“ und er hoffe, dass „Tony uns – mit den anderen Jungs – zum Aufstieg schießt“. Ob Terodde nun in den kommenden Spielen eine passende Antwort gibt? Sicher ist: Es ist genau das eingetreten, was alle erwartet hatten. In dem Moment, in dem Modeste spielberechtigt ist, hat der FC ein echtes Luxusproblem – und muss zusehen, dass alle Stürmer bei Laune bleiben. Auch und gerade Terodde, ohne den der FC in der Hinrunde vor großen Problemen gestanden hätte.

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