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„Das Trainerteam ist gefragt“: Veh erhöht Druck auf Anfang


Die Aussage war unmissverständlich: Armin Veh sieht nach dem 2:3 des 1. FC Köln beim SC Paderborn das Saisonziel der Geissböcke in Gefahr (mehr dazu hier). Der Sportchef sah sich genötigt, zum zweiten Mal in dieser Saison scharfe Kritik an der sportlichen Situation der Geissböcke zu äußern. Dieses Mal erhöhte er auch vernehmlich den Druck auf Trainer Markus Anfang.

Köln – Es war der 5. November 2018. Der 1. FC Köln hatte gerade saft- und kraftlos beim Hamburger SV mit 0:1 verloren. Eine schauderhafte Vorstellung der Geissböcke, die über die gesamte Spielzeit unterlegen gewesen waren und verdient verloren hatten. Armin Veh resümierte an jenem zwölften Spieltag, er habe eine „Nicht-Leistung“ des FC gesehen. Der Sportchef stellte vor allem die Spieler in den Senkel, erklärte, er habe nicht gesehen, dass sie den Sieg unbedingt gewollt hätten.

Schon damals wollte er „nichts mehr davon hören, dass der Druck zu groß ist. Denn trotz des Drucks kann man eine andere Leistung bringen“. Wenn der FC aufsteigen wolle, so Veh, müsse sich etwas ändern. Tatsächlich änderte sich in der Folge eine ganze Menge. Die Umstellung auf ein 3-5-2 erfolgte, mit ihr kam die Leistungsexplosion von Jhon Cordoba, die deutliche Steigerung anderer Spieler wie Dominick Drexler, Louis Schaub oder Jorge Meré. Deutlich mehr Spieler schienen sich in der Favoritenrolle wohler zu fühlen, hatten offensichtliche Freude am offensiven Spielstil.

Veh fordert: die richtigen Schlüsse ziehen!

Doch nur drei Monate später hat sich die Situation der Geissböcke erneut verändert. Vier Rückrundenspiele, drei Niederlagen. Von der Freude ist nicht mehr viel übrig. Insgesamt schon sechs Pleiten in 21 Spielen. Dazu nur neun Punkte aus den bislang neun direkten Duellen gegen die aktuellen Top-7 der Tabelle und damit gegen die Konkurrenz um die Aufstiegsränge. Es war alleine der überraschenden Heimpleite des FC St. Pauli gegen Aue geschuldet, dass der FC an diesem Wochenende nicht aus den Aufstiegsrängen gespült wurde, sondern lediglich auf den Reglegationsplatz zurückfiel. Dennoch: „Unser Ziel ist gefährdet“, stellte Veh unmissverständlich klar.

Genauso unmissverständlich erklärte der 58-Jährige, was er nun von der Mannschaft, vor allem aber von seinem Trainerteam um Markus Anfang erwartet: „Wichtig ist, dass man es jetzt richtig analysiert. Das ist wichtig. Wenn man es falsch analysiert, hat man den falschen Ansatz. Ich hoffe, dass wir das richtig machen.“ Für die Analyse ist bekanntlich vor allem Anfang zuständig, genauso wie für die richtigen Schlüsse aus der Analyse. „Da ist das Trainerteam gefragt, um Lösungen zu finden“, stellte auch Veh klar.

Ich bin ja kein Frühstücksdirektor

Erstmals seit der gemeinsamen Zusammenarbeit, die im Sommer 2018 begann, erhöhte Veh damit den Druck auf seinem Trainer auch öffentlich. Bislang hatte der Sportchef unverbrüchlich zu dem von Holstein Kiel verpflichteten Coach gestanden. Auch am Samstag betonte Veh noch einmal, dass er zu keiner Zeit in Anfangs taktische oder personelle Entscheidungen hereingeredet habe oder dies in Zukunft vorhabe. Doch Veh stellte auch klar, er tausche sich intensiv mit Anfang aus, um zumindest die eigene Perspektive und Erfahrungen weiterzugeben. „Ich bin ja kein Frühstücksdirektor. Wir reden viel. Dass ich dann auch ein paar Dinge sage, dafür bin ich auch da“, betonte der Sportchef. „Aber am Schluss stellt das Trainerteam auf. Das mache ich nicht.“

Nach 21 Spieltagen ist allerdings auch klar: Weder die Mannschaft noch Markus Anfang und sein Co-Trainer Tom Cichon haben noch viel Zeit, um das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Veh muss als Sport-Geschäftsführer genau beobachten, ob das gesteckte Ziel der Bundesliga-Rückkehr weiter in Gefahr bleibt oder der Effzeh die Kurve bekommt. Auf die Trainerfrage angesprochen, blieb Veh am Samstag wohl auch deswegen vage: „Wir arbeiten daran, Lösungen zu finden, damit sich das nicht wiederholt und wir Spiele gewinnen“, sagte der Sportchef nur. „Das ist mir jetzt das Wichtigste. Wir müssen uns dem stellen, dass unser Ziel gefährdet ist.“ Nach acht Monaten im Amt ist Markus Anfang also nicht mehr unantastbar.

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