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FC-Kapitän Hector: Kein Kommentar in Krisenzeiten


Im vergangenen Sommer blieb lange unklar, ob Jonas Hector oder Marco Höger den 1. FC Köln als Kapitän in die Saison führen würden. Schließlich wurde der Nationalspieler von der Mannschaft zum Spielführer gewählt. Das Sprachrohr des Teams ist jedoch längst Höger. Das zeigt sich auch in der jetzigen Krise wieder.

Köln – Der April macht bekanntlich, was er will. Auch der 1. FC Köln hat im April gemacht, was er wollte. Erst wollte er gewinnen (in Heidenheim), dann folgten zwei Unentschieden und schließlich gab es zwei Niederlagen inklusive Trainerentlassung. Von himmelhoch jauchzend und praktisch schon aufgestiegen bis zu Tode betrübt und einem doch wieder gefährdeten Saisonziel war alles dabei.

Am Mittwoch stellte nun der 1. FC Köln das monatliche Voting für den Spieler des Vormonats online. Zur Wahl stehen Jhon Cordoba, Dominick Drexler und Jonas Hector. Der Kolumbianer traf in den fünf Spielen im April viermal, kam passenderweise bei der Blamage in Dresden erst als Einwechselspieler in die Partie und gilt seit Monaten als Vorbild für Einsatz, Wille und Energie im FC-Spiel. Drexler trug sich in der gleichen Zeit zweimal in die Torschützenliste ein, bereitete drei weitere Treffer vor und demonstrierte auf und neben dem Platz, dass er auch in den schlechten Spielen zu jenen FC-Profis gehörte, denen diese Pleiten sichtlich etwas ausmachten. Hector konnte sich in den fünf Partien nicht in die Scorerliste eintragen, spielte auf drei verschiedenen Positionen und „zeichnete sich im April durch Übersicht, Laufbereitschaft und Einsatzwillen aus“ – so die Begründung des FC, warum Hector es unter die besten Drei für den April geschafft hatte.

Nach Niederlagen: Kein Kommentar!

Hector zeichnete sich allerdings auch dadurch aus, dass er neben dem Platz nicht in Erscheinung trat – weder in den Wochen vor noch in den Tagen nach der Entlassung von Trainer Markus Anfang. Dass der Nationalspieler nicht gerne öffentlich spricht, ist bekannt. In der Mixed Zone läuft er deshalb allzu gerne an den wartenden Journalisten vorbei. In dieser Saison stellte er sich den Fragen der Reporter, wenn überhaupt, nach Spielen wie dem 8:1 gegen Dynamo Dresden, nach dem 4:1 gegen den FC St. Pauli oder nach dem 4:0 gegen Holstein Kiel.

Nach dem 0:3 in Dresden sprach Hector hingegen genauso wenig wie nach dem 1:2 gegen Darmstadt oder überhaupt im Laufe der Saison nach einer der Niederlagen. Nicht gegen Paderborn, in Hamburg, gegen Duisburg, Bochum oder in Union Berlin. Während sich Spieler wie Höger, Horn, Czichos oder Drexler regelmäßig stellten, war vom Kapitän, wenn überhaupt, nur nach Siegen etwas zu vernehmen. So überraschte es auch nicht, dass nach der Demission von Markus Anfang nicht der Kapitän, sondern sein Stellvertreter Marco Höger bei Sky die Entlassung kommentierte. „Ein Trainerwechsel ist immer ein Zeichen dafür, dass es im gesamten Team – Trainerteam und Mannschaft – nicht geklappt hat. Daher würde ich es auch als unser Scheitern ansehen“, sagte Höger mit Blick auf seine Teamkollegen und beschrieb das Verhältnis des Übungsleiters zum Mannschaft als „ein Stück weit distanziert“, die Entlassung als „ein Stück weit folgerichtig“.

Die Kapitänsbinde beinhaltet auch Pflichten

Deutliche Worte des Vize-Kapitäns also, der schon häufiger in dieser Saison den Weg in die Öffentlichkeit gesucht hatte, um mit klaren Ansagen eine Richtung vorzugeben. Hector jedoch tauchte zuletzt einmal mehr unter, was auch den Fans nicht verborgen geblieben ist. Dass dem unnahbaren 28-Jährigen die Arbeit mit der Öffentlichkeit nicht liegt, kann ihm niemand verübeln. Dass dies aber auch zu seiner Jobbeschreibung als Kapitän des 1. FC Köln gehört, wird er irgendwann akzeptieren müssen. Und tendenziell dürften die Anforderungen in der Bundesliga nicht weniger werden. Im Gegenteil.

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