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Der Nartey-Abschied und die schwierige Wette auf Talente


Mit Nikolas Nartey hat am Donnerstag ein hoffnungsvolles Talent den 1. FC Köln verlassen. Der Abschied hatte sich in den letzten Wochen angedeutet, da der Däne beim FC nicht mehr das Gefühl hatte, eine echte Chance zu bekommen. In diesem Transfersommer hat man in Köln diverse Talente gehen sehen. Ob sie es anderswo zu einer erfolgreichen Profikarriere schaffen, wird man wohl erst in einigen Jahren wissen. Derweil setzt man beim FC für die Zukunft auf andere Youngster.

Köln – Transfers junger Spieler sind immer auch Wetten. Ein Verein wettet darauf, für eine gewisse Summe ein Talent zu verpflichten, das dann bei seinem neuen Klub durchstartet. Aber auch die Spieler wetten darauf, dass sie es bei ihrem neuen Klub eher schaffen als bei ihrem alten. So geschehen bei Nikolas Nartey. Im Januar 2017 kam der erst 16-jährige Däne nach Köln, weil der FC sicher war, in ihm einen Rohdiamanten gefunden zu haben. Im August 2019 verließ Nartey den FC wieder, weil er sich in Köln nicht wertgeschätzt fühlte und er dieses Gefühl beim VfB Stuttgart vorfindet. Dieser verleiht ihn nun zwar direkt weiter, wohl in die Dritte Liga, doch versprechen sich die Schwaben genauso wie der Spieler perspektivisch einen gelungenen Deal.

Narteys Abschied ist das Ende eines Traums. Was mit großen Vorschusslorbeeren und einer starken Profi-Vorbereitung im Sommer 2017 begann (inklusive seinem viral gegangenen Kabinettstückchen gegen Bologna – siehe Video), schien in einem frühen Durchbruch des Dänen beim FC zu münden. Stattdessen verletzte sich Nartey immer wieder, musste teils monatelang pausieren und wurde so immer wieder zurückgeworfen. Am Geißbockheim nahm man die Verletzungsanfälligkeit mit Sorge zur Kenntnis. Doch als Nartey in der Rückrunde 2019 in der U21 aufdrehte, erhoffte sich der Spieler seine Chance bei den Profis. Sie blieb aus, selbst als der Aufstieg bereits in trockenen Tüchern war.

Das Ausbleiben von Einsätzen in der Zweiten Liga war letztlich auch der Grund für den Spieler und dessen Berater, das Kölner Angebot einer Vertragsverlängerung abzulehnen. Der FC wollte Nartey eigentlich langfristig binden und ihn in die Dritte Liga ausleihen – also genau das, was jetzt der VfB Stuttgart macht -, doch der inzwischen 19-Jährige glaubte nicht mehr an eine ernsthafte Chance in Köln. Dass er in der Sommer-Vorbereitung wegen den geplatzten Vertragsgesprächen noch nicht einmal mehr bei den Profis mittrainieren durfte, machte den Deckel auf die Personalie. Nartey sah sich nach einem anderen Klub um und wurde in Stuttgart fündig.

Özcan und Handwerker zur U21 des DFB

Er ist damit der vierte Spieler von 21 Jahren oder jünger, der den 1. FC Köln in diesem Sommer verlassen hat und eigentlich Hoffnungen auf eine Profi-Karriere beim FC gemacht hatte. Nur sechs Tage vorher hatte sich Salih Özcan Holstein Kiel angeschlossen. Die Geschichte des FC-Eigengewächses ist bekannt, auch dessen Aufs und Abs als noch junger Spieler im FC-Dress. In Kiel will sich der zentrale Mittelfeldspieler nun jene Spielpraxis holen, die ihm in Köln nicht mehr möglich gewesen wäre, die ihm in der Vorsaison allerdings auch verwehrt worden war. Dass sich Kiel darüber hinaus eine Kaufoption gesichert hat, macht eine Rückkehr des Talents zumindest für den Fall unwahrscheinlich, dass Özcan beim KSV durchstartet und jene Entwicklung nimmt, die die Ausleihe bewirken soll. Dass aber nicht nur Kiel eine Menge Potential in dem 21-Jährigen sieht, zeigt seine Nominierung in dieser Woche für die deutsche U21-Nationalmannschaft.

Für die deutsche U21-Nationalmannschaft wurde auch ein anderer Spieler mit jüngster FC-Vergangenheit nominiert: Tim Handwerker. Der Linksverteidiger wechselte nach einem starken Jahr beim FC Groningen zunächst zurück zum FC, wo ihm aber auch aufgrund des Überangebots im Kader auf der linken Seite keine Chancen eingeräumt wurden. So zog er weiter zum 1. FC Nürnberg, wo er nun beim Zweitligisten und Bundesliga-Absteiger zum Stammpersonal gehört und in den ersten vier Spielen zur ersten Elf gehörte. Die Belohnung: eine Nominierung durch den DFB für die U21 von Europameister-Trainer Stefan Kuntz.

U19- und U21-Talente wandern ab

Ein anderer Youngster verließ den 1. FC Köln schon vor der Saison ablösefrei. Hikmet Ciftci wollte keine weitere Saison in der U21 spielen, weil auf seiner Position im zentralen Mittelfeld bei den FC-Profis ein Überangebot herrscht. Daher schlug er ein Angebot auf eine Vertragsverlängerung aus und wechselte zum FC Erzgebirge Aue. Dort kam er bislang zwar nur zu zwei Kurzeinsätzen, doch Ciftci hätten die FC-Bosse gerne behalten. Der türkische U21-Nationalspieler wurde von den Kölner Verantwortlichen aber als zu verletzungsanfällig eingestuft, weshalb man am Geißbockheim keine Versprechungen in Richtung Profi-Mannschaft abgegeben hatte. Besonders Armin Veh gilt als Ciftci-Fan, der Abgang war letztlich jedoch für alle Seiten folgerichtig.

Anders sah dies bei zwei U19-Talenten aus: Dass Can Bozdogan vom FC Schalke 04 abgeworben wurde, ärgert die Verantwortlichen im Kölner Nachwuchsleistungszentrum noch immer. Zwar erhielt man von den Königsblauen eine Ablösesumme von knapp unter einer halben Million Euro für die U19-Mittelfeldspieler. Doch die Geissböcke hatten dem hochveranlagten Bozgodan, der seit der U8 beim FC spielte, eine Perspektive zu den Profis aufgezeigt, die man gerne mit dem Talent weitergegangen wäre. Doch Bozdogan, ähnlich wie Nartey, sah seine Chancen bei einem anderen Klub größer, um den Sprung zum Profi zu schaffen, und entschied sich für einen Wechsel. Gleiches galt für Dominik Becker, den letztjährigen Innenverteidiger der U19, der sich dem SV Werder Bremen anschloss.

Der nächste Anlauf: FC setzt auf neue Talente

Derweil hofft der 1. FC Köln, in anderen Talenten jene Hoffnungsträger zu finden, die bei den Geissböcken durchstarten. Sebastiaan Bornauw ist mit seinen 20 Jahren zwar schon Erstliga-erfahren und war mit rund sieben Millionen Euro kein Schnäppchen, doch in ihm sehen die Verantwortlichen den künftigen Abwehrchef mit großem Marktwert-Potential. Spieler wie Julian Krahl, Darko Churlinov, Noah Katterbach oder die verliehenen Yann Aurel Bisseck und Tomas Ostrak sollen in einigen Jahren einer neuen Generation an FC-Spielern angehören, die den Weg aus dem eigenen Nachwuchs, über die zweite Mannschaft oder über eine Ausleihe zu den FC-Profis geschafft haben.

Mit ihnen will der FC möglichst auch das Bild wieder gerade rücken, das durch die vergangene Saison merklich gestört wurde. Die Abgänge von Özcan, Nartey und Co. waren auch eine Folge der 2018/19 nicht vorhandenen Durchlässigkeit aus dem Nachwuchsbereich zu den Profis. Allerdings gilt auch hier: Gesichert ist nicht, dass eines der abgewanderten Talente tatsächlich eine erfolgreiche Profi-Karriere auf einem Niveau hinlegen wird, sodass sie dem FC in der Zukunft tatsächlich weitergeholfen hätten. Denn am Ende bleiben Transfers junger Spieler vor allem immer eines: eine Wette, wie sie der FC am gleichen Tag einging, als Nartey den Klub verließ: Philipp Wydra wechselt von Rapid Wien zum FC. Der österreichische U17-Nationalspieler ist 16 Jahre alt. So alt wie Nartey, als er zum FC kam.


* Der GEISSBLOG.KOELN hatte in einer früheren Geschichte über den Özcan-Wechsel berichtet, der Spieler werde nach seiner Leihe zu Kiel wieder zum FC zurückkehren. Das ist nicht korrekt, da Holstein Kiel eine Kaufoption besitzt. Diese Information fehlte in dem vorherigen Bericht.

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