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Außenbahnen als Schlüssel? „Mut auch in der Aufstellung“


Der FC Bayern München empfängt am Samstag den 1. FC Köln. Mit Kingsley Coman, Ivan Perisic oder Serge Gnabry über die Außen. Und im Zentrum wartet Robert Lewandowski, gerne auch aus dem Halbfeld gefüttert von Philippe Coutinho. Wie will der FC diese Offensive stoppen? Mit Mut, sagt Achim Beierlorzer – auch in der Aufstellung. Aber auch mit starken Außenbahnen, was zuletzt beim FC nicht der Fall war.

Köln – In Sachen Aufstellung muss Achim Beierlorzer einen Ausfall verkraften. Birger Verstraete wird fehlen. „Wie wir Birger ersetzen, müssen wir sehen. Wir haben etliche Sechser im Kader, die das sofort machen könnten. Vielleicht gibt es auch andere Ideen für noch mehr Kompaktheit.“ Eine Umstellung auf Fünferkette wäre nach den Eindrücken der Vorbereitung und nach den bisherigen Aussagen Beierlorzers in den ersten Monaten seiner Amtszeit durchaus überraschend. Eigentlich ist der FC-Coach davon überzeugt, im 4-4-2 jene Kompaktheit erzeugen zu können, die nötig ist, um auch gegen Mannschaften wie den FC Bayern zu überraschen. Voraussetzung dafür: Lauf- und Zweikampfstärke.

„Es ist unheimlich schwierig, gegen den FC Bayern die richtige Balance zu finden“, sagte Beierlorzer am Donnerstag. „Man hat bei Roter Stern Belgrad am Mittwoch gesehen, dass es eine Mannschaft versucht hat, indem sie tief gestanden hat, und trotzdem kam ein 0:3 bei raus.“ Die Mauertaktik mit Fünferkette und tief stehender Mannschaft würde auch nicht dem Gedanken entsprechen, mit dem Beierlorzer in Köln angetreten war. Aktives, nach vorne gerichtetes Spiel, ob in der Defensive oder der Offensive. Als sich der FC ab Mitte der zweiten Halbzeit gegen Dortmund hinten reindrängen ließ, gefiel Beierlorzer dies gar nicht. Er hätte seine Mannschaft lieber einige Meter weiter vorne agieren lassen, letztlich war dies aber dem starken Gegner und den schwindenden Kräften geschuldet gewesen.

Das ist nicht mein Ding, das kann ich nicht vermitteln

Deswegen gab Beierlorzer auch für das Spiel gegen die Bayern die Marschroute aus: „Wir wollen nach vorne verteidigen.“ Er gestand allerdings ein, dass man abwarten müsse, was möglich ist. „In welcher Höhe wir das tun, müssen wir immer wieder entscheiden. Wir dürfen ihnen wenig Raum geben, um sich durchzukombinieren.“ Dass Beierlorzer keine Mauertaktik wünscht, machte er auch deutlich, indem er den Begriff „Schadensbegrenzung“ ablehnte. „Das ist nicht mein Ding. Das kann ich der Mannschaft nicht vermitteln. Dafür bin ich nicht der Richtige.“ Beierlorzer will deshalb den Mut, den er von seiner Mannschaft erwartet, selbst auch vorleben – indem er von außen ein klares Zeichen setzt. „Die Frage ist: Wie können wir mutig sein und auch den Mut in der Aufstellung zeigen?“

Mit einer Fünferkette würde er keinen solchen Mut vermitteln, sondern Beton anrühren. Daher ist es kaum vorstellbar, dass der Ausfall von Birger Verstraete dazu führt, dass Jorge Meré als zusätzlicher Innenverteidiger in die Defensive rückt. Wenn überhaupt, käme der Spanier als umfunktionierter Sechser in Frage, ähnlich wie es Dominique Heintz unter Peter Stöger schon einmal gegen den FC Bayern gespielt hat. Doch eigentlich ist Marco Höger der logische Ersatz für den verletzten Belgier.

Ich möchte unsere Außenverteidiger sehr ungern alleine lassen

Dass Verstraete ausfällt, hat durchaus große Relevanz für den FC. Neben Ellyes Skhiri sollte der Neuzugang die Zentrale des FC bilden und durch seine Laufstärke und Schnelligkeit am Samstag auch die Außenbahnen unterstützen gegen die Wucht der bayrischen Flügelspieler. „Wenn es um das Spiel der Bayern über außen geht, dann möchte ich unsere Außenverteidiger im Eins gegen Eins sehr ungern alleine lassen“, sagte Beierlorzer. „Da muss ein Sechser hinzukommen. Wir werden also richtig gute Verschiebe-Bewegungen in unserer Ordnung brauchen.“

Gute Verschiebe-Bewegungen, aber auch gute Einzelleistungen der Außenverteidiger: Kingsley Ehizibue wird es wohl mit seinem Namensvetter Kingsley Coman zu tun bekommen. Nach guten Leistungen in den ersten Spielen erwischte Ehizibue gegen Freiburg und Gladbach zwei schwarze Tage. Der schnelle, aber mitunter zappelig wirkende Außenverteidiger muss sich wieder stabilisieren, dann kann er auch dank seines Tempos ein würdiger Gegenspieler für Coman und Co. sein. Auf der anderen Seite hat auch Jonas Hector noch nicht zu seiner Topform gefunden. Auch er wird gefragt sein, sich auf höchstem Niveau in München zu präsentieren.

Mithelfen müssen neben den Sechsern freilich auch die äußeren Mittelfeldspieler des FC. Beierlorzer hat hier noch keine klaren Favoriten gefunden. Dominick Drexler spielte bislang zwar in allen Partien von Beginn an, konnte aber nicht immer überzeugen. Kingsley Schindler konnte seine drei Startelf-Einsätze nicht für Eigenwerbung nutzen. Florian Kainz saß zuletzt überraschend nur auf der Bank, nachdem er eine starke Vorbereitung gespielt und in Wiesbaden im DFB-Pokal eine starke Partie abgeliefert hatte. Louis Schaub ist noch nicht wieder in der Form der Hinserie der Zweiten Liga, Marcel Risse nach seiner Verletzung längst noch nicht wieder auf dem Niveau, das er in der Vorbereitung angedeutet hatte. Beierlorzer hat für das Duell beim FC Bayern also noch einige offene Fragen zu klären.

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