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Aufstiegsheld Terodde und die schwierige Jokerrolle


Simon Terodde befindet sich beim 1. FC Köln im Wartestand. Oder anders: Terodde ist der Edeljoker, den sich die Geissböcke im Angriff gönnen. Zwar konnte der 31-Jährige bislang lediglich beim VfL Wolfsburg das nicht mehr spielentscheidende 1:2 in der Nachspielzeit erzielen, doch war der Angreifer in fast allen Spielen schnell eingebunden und kam zu seinen Chancen. Dennoch bleibt für ihn zur Zeit nur die Bank.

Köln – Auch am Samstag beim FC Bayern München wird Simon Terodde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zunächst auf der Ersatzbank des 1. FC Köln Platz nehmen. Der 29-Tore-Stürmer der Zweiten Liga muss sich aktuell hinter Jhon Cordoba und Anthony Modeste einreihen. Selbst als Cordoba zweimal ausfiel, blieb Terodde nur der Platz auf der Bank. Gemeinsam mit Modeste will ihn Trainer Achim Beierlorzer offenbar nicht in der Startformation sehen – und der Franzose ist trotz wechselhafter Leistungen bislang gesetzt.

So blieben lediglich vier Einwechslungen mit insgesamt knapp 90 Minuten Spielzeit in der Bundesliga: Gegen Wolfsburg traf Terodde in der Nachspielzeit, gegen Dortmund verlieft die zweite Hälfte für „T-Rod“ unglücklich wie für den Rest der Mannschaft auch, gegen Freiburg verpasste er in der 90. Minute aus einem Meter den Siegtreffer, gegen Gladbach erarbeitete er sich in der Schlussviertelstunde zwei gute Chancen, scheiterte aber beide Male an Yann Sommer. In drei der vier Partien war Terodde sofort aktiv, eingebunden und torgefährlich, also das, was Beierlorzer sich von ihm erhoffte.

Simon bleibt immer positiv und ist da, wenn er gebraucht wird

Und noch mehr. Denn dass Terodde am Sieg in Freiburg trotz seiner vergebenen Großchance doch noch entscheidend beteiligt war, ging durch das Super-Solo von Ellyes Skhiri in der Nachspielzeit unter. Es war Terodde gewesen, der sich an der Strafraumgrenze im Moment von Skhiris Antritt von seinem Gegenspieler absetzte und einen Laufweg wählte, der den Freiburger Nico Schlotterbeck dazu verleitete, sich in Richtung des Stürmers zu orientieren und dafür die Tür für Skhiri in den Strafraum und damit zum Tor aufzumachen. Zwar bekam Terodde dafür keinen Assist gutgeschrieben, ohne seinen Laufweg hätte sich Schlotterbeck jedoch Skhiri in den Weg stellen und das 2:1 verhindern können.

Beierlorzer ist deswegen dieser Tage bemüht, den 31-Jährigen bei Laune zu halten und mit seiner Jokerrolle vertraut zu machen. „Simon ist ein absolut wichtiger Spieler für unsere Mannschaft, egal, ob er startet oder reinkommt“, sagte der FC-Coach am Donnerstag. „Er haut sich immer sofort rein, hat immer gleich gute Aktionen. Das Wichtigste, was Simon verkörpert, ist der Teamgedanke. Er sagt: ‚Coach, wenn du mich von Anfang an bringst, bin ich da, wenn du mich einwechselst, bin ich auch da, und ich werde immer alles geben.’ Simon versteht, dass er mit Tony und Jhon gute Kollegen hat. Er bleibt immer positiv und ist da, wenn er gebraucht wird.“

Teroddes schwieriger Weg als verkannter Aufstiegsheld

Als der FC im Herbst 2018 mit Anthony Modeste einen Rückkehrer im FC-Kreis präsentierte, der zwar noch nicht sofort spielberechtigt war, aber wie ein übergroßer Hoffnungsträger über der Mannschaft hing, war Terodde einige Zeit lang bedient. Auch nahm er wahr, dass er trotz seiner überragenden 29 Saisontore nicht als der Aufstiegsheld gefeiert wurde, der er eigentlich war. Dass Cordoba für seine Entwicklung und seine 20 Tore deutlich mehr Anerkennung fand und sofort zum Publikumsliebling aufstieg, entging Terodde nicht. Ob es mit alldem zusammen hing, dass Terodde in der Rückrunde nur noch acht Mal traf nach 21 Toren in der Hinrunde, ist freilich Spekulation. Klar ist aber, dass Terodde einige Zeit brauchte, um sich mit seiner neuen Rolle zurecht zu finden.

Beierlorzer glaubt und hofft, dass der 31-Jährige diese nun gefunden und angenommen hat. Die Leistungen nach seinen Einwechslungen sprechen mehrheitlich für den Stürmer, der sich auch im Training vorbildlich präsentiert und zu jenen (wenigen) Ersatzspielern gehört, die sich ihrem Trainer als Alternativen für die Startelf durchaus aufdrängen (mehr dazu hier). Diese dürfte ihm in München weiterhin verwehrt bleiben. Doch Terodde weiß genauso gut wie Beierlorzer, dass Stürmer nicht selbstverständlich nach einer Einwechslung funktionieren. Der 31-Jährige tut es und könnte auch deshalb für den FC in den kommenden Monaten noch wertvoll werden.

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