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Körperverletzung: Es braucht harte Strafen für Böller-Werfer

Der Böllerwurf in der 89. Minute des Derbys zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach muss ein Nachspiel haben. Dabei kann es nicht um irgendwelche Strafen durch den Deutschen Fußball-Bund gehen. Der Böllerwurf erfüllt den Tatbestand der Körperverletzung. Entsprechend muss er behandelt werden. Es braucht ein juristisches Urteil mit Signalwirkung, denn es geht um die Gesundheit und die Zukunft von Menschen.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

In diesem Kommentar geht es ausdrücklich NICHT um Pyrotechnik. Pyrotechnik, wie sie am Samstag im Gästeblock der Gladbacher zu sehen gewesen war, spaltet zwar Fußball-Deutschland seit vielen Jahren. Für die einen ist Pyrotechnik, solange kontrolliert eingesetzt, „Ausdrucksmittel leidenschaftlicher Fankultur“, wie es auch im Verbundbrief des Südkurve 1. FC Köln e.V. heißt. Für die anderen wird Pyrotechnik eben nur selten wirklich kontrolliert eingesetzt – wie im Heimspiel des FC gegen Dortmund – und ist daher gefährlich für die umstehenden Fans.

Worin sich aber auch die Fans der Südkurve eigentlich weitgehend einig sind, ist: Böller gehören NICHT zum Stadionerlebnis dazu. Im Verbundbrief heißt es auch: „Wir möchten darauf hinweisen, dass auf gewisse Punkte geachtet werden sollte, damit Verletzungen ausgeschlossen werden können: 1. Kein Einsatz von Böllern.“ Trotzdem kam es am Samstag zu einem neuerlichen Böllerwurf und zu Verletzten. So wie 2014 im Spiel gegen Paderborn und 2015 im Derby in Leverkusen. Einige Unverbesserliche lernen es offenbar nicht. Doch sie müssen es lernen. Deshalb braucht es künftig drakonische Strafen.

Schäden bis hin zur Berufsunfähigkeit

Der Deutsche Fußball-Bund wird zunächst einmal wieder ermitteln und seine Strafe aussprechen. Ein Stadionverbot für den Täter, eine Geldstrafe für den 1. FC Köln. Der Klub, inzwischen juristisch abgesichert, wird diese Strafe an den mutmaßlichen Täter weitergeben, so er denn tatsächlich ermittelt werden konnte. Immerhin wurde ja am Samstag der vermeintliche Werfer in Gewahrsam genommen. Sollte dieser die Tat begangen haben, wird er zahlen müssen. Doch er würde an den 1. FC Köln und damit an den Deutschen Fußball-Bund zahlen. Und genau das ist zu wenig.

Denn weder der DFB noch der FC sind die Geschädigten. Die Geschädigten sind zwölf Menschen. Ordner, freiwillige Helfer und Fotografen, Menschen, die ihren Berufen nachgegangen sind oder die in ihrer Freizeit bereit waren bei einem Fußballspiel zu helfen. Die Fotografen saßen mit dem Rücken zu den Fans, sahen den Böller nicht kommen, hatten keine Chance. Sie und die umstehenden Ordner und Volunteers erlitten mindestens vorübergehende Hörschäden, Traumata und Gleichgewichtsstörungen. Fotografen ließen ihre Kameras fallen, inzwischen wird der Schaden der Equipments auf über 30.000 Euro geschätzt – die medizinischen Kosten und beruflichen Ausfälle nicht eingerechnet. Zusammen mit dem erwarteten Urteil des DFB könnte sich der finanzielle Schaden für diesen einen Böller auf 50.000 bis 100.000 Euro belaufen.

Das Strafgesetzbuch gibt mehrere Optionen

Viel schlimmer aber ist, dass der Täter die Verletzungen seiner Opfer nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern durch den Wurf in eine Menschengruppe provoziert hatte. Es war eine geplante Tat, schließlich hatte er den Gegenstand bewusst mit ins Stadion genommen. Er setzte ihn ein, um anderen Menschen zu schaden. In der Vergangenheit haben Menschen durch vergleichbare Explosionen dauerhafte Hörschäden davon getragen. Hörschäden, die von einem Tinnitus bis hin zu dauerhaften Gleichgewichtsstörungen und damit zur Berufsunfähigkeit führen können. Böller sind keine pyrotechnischen Fackeln, Böller sind, in einem solchen Umfeld eingesetzt, Waffen zur Körperverletzung.

Das deutsche Strafgesetzbuch unterscheidet sich zwischen einfacher, gefährlicher und schwerer Körperverletzung. Da der Täter mit dem Einsatz eines Böllers eine Waffe benutzte, handelte es sich nach Paragraph 224 mindestens um eine gefährliche Körperverletzung. Das Gesetz sieht dafür einen Freiheitsentzug von mindestens drei Monaten vor. Sollte einer der Verletzten sogar einen dauerhaften Hörschaden davon getragen haben, wäre es laut Paragraph 226.1 sogar eine schwere Körperverletzung. In jedem Fall ist bereits der Versuch strafbar.

Es braucht ein abschreckendes Urteil

Klar sollte inzwischen allen Beteiligten sein: Geldstrafen alleine scheinen die Täter offenbar nicht mehr abzuschrecken. Sie riskieren lieber eine Privatinsolvenz, als sich darüber Gedanken zu machen, wem sie schaden, was sie langfristig bei ihren Opfern anrichten und dass ihre Tat im Mindesten dumm und in jedem Fall gefährlich ist, im schlimmsten Fall aber dauerhafte Folgen für andere hat. Es braucht daher offenbar ein hartes Urteil, um die Unverbesserlichen auf den Rängen der Fußballstadien aufwachen zu lassen. Wer andere Menschen vorsätzlich verletzt, muss mit einer Freiheitsstrafe rechnen müssen. Geldstrafen von Sportgerichten, die in den Augen dieser Fans ohnehin keine juristische Berechtigung haben, helfen nicht mehr weiter.

46 Kommentare
  1. MaxMoor Holger says:

    Auge um Auge!!!
    Festbinden und eine Granate neben ihm zünden,das ist fair!!!
    Die beschädigten Fotoreporter dürfen das aufnehmen und für die Nachwelt festhalten.
    Ich hasse FC Asis.
    Nur der FCB Schickeria Stern des Südens Mia San Mia.

  2. Gerd Mrosk says:

    Genau Vorsätzliche gefährliche Körperverletzung an MEHREREN Personen.Alles andere als ne Haftstrafe ohne Bewährung wäre in meinen Augen ein falsches Signal.Wenn der (vermeintliche)Täter vorbestraft ist,entfällt auch jeglicher eventueller Spielraum.

    • major says:

      Das wird nicht abschrecken, Gerd. Präventiv wirken Strafen kaum.
      Die Prävention wird aber beim FC sehr lasch gesehen, wenn es um die Wähler des Vorstands geht….“man muss mit den Leuten reden“, so das Credo des neuen Vorstands. Ohne Sanktionswillen werden solche Gespräche sicher ein voller Erfolg.

      Wie schon an anderer Stelle geschrieben, mein Erlebnis beim Bummel durchs (nicht sektorgetrennte) beim Aufstiegsspiel. Zwei Ordner vor Süd 4/5: „Die Ultras werden nicht kontrolliert“.

      Aber der Flitzer, der niemanden wirklich geschädigt hat, bekam sicher Stadionverbot.

  3. Klio says:

    „Und genau das ist zu wenig.“ – Dass es allein um den Regress für den FC gehen sollte, davon ist ja keine Rede. Die Folgen für den Böller-Werfer werden voneinander unabhängig eintreten.

    Neben einem möglichen Regress für den FC muss der Verursacher zivilrechtlich erstmal für die direkten Schäden wie Sachschäden, Berufsausfall und Schmerzensgeld aufkommen (falls er überhaupt Geld hat). Dann noch das Strafrecht und zum Glück ist die Kölner Justiz nicht mehr so lasch wie früher. Da es hier Mindest-Freiheitsstrafen gibt, muss es strafrechtliche Konsequenzen geben, wenn die Täterschaft nachgewiesen wird (der Mann wurde wohl beim Wurf gefilmt). Bei einer Begehung durch einen 35-Jährigen, mit einem (extra eingeschmuggelten) gemeingefährlichen Gegenstand und 12 Verletzten und keinem nachvollziehbaren Tatmotiv sollte man nicht nicht annähernd mit der Mindeststrafe für einen minderschweren Fall rechnen (3 Monate). Prognose: Wenn dem Mann nicht jemand einen Böller mit brennender Lunte in die Hand gedrückt haben sollte (und der Werfer wollte den Böller nur panisch loswerden), dann wird das deutliche strafrechtliche Reaktion geben. Mit so etwas kann man anderen Menschen, die einem nichts getan haben und die zufällig getroffen werden, das Leben zerstören, vollkommen mutwillig.

    P.S.: Was den „Schickeria“-Foristen betrifft: „Don’t feed the troll.“ Jede Reaktion bestätigt einen Troll, denn es geht um das Gefühl, beachtet zu werden. Da sucht jemand verzweifelt nach etwas, was andere möglichst provozieren soll, und hofft auf wütende oder beleidigte Reaktionen. Ist doch traurig genug, wenn ein Mensch zu sowas greifen muss.

    Ungewollt hat er vielleicht sogar einen Einblick in die Realität gegeben, denn „überzeugter Single“ ist eine gern genutzte Umschreibung zur Kaschierung einer meist doch nicht ganz so freiwilligen Lebenssituation.

  4. Ulrich Treimer says:

    Den Täter in Regress nehmen hört sich gut an, die Praxis sieht vermutlich anders aus. Harzer, mehrfach vorbestraft und lebt vom Staat (von uns). Und dann hatte er vermutlich noch eine schwere Kindheit usw. usw.
    Zur Not helfen überlastete Gerichte….

  5. Franz-Josef Pesch says:

    Dieses Übel des Randalismus ist dem FC schon seit Jahren bekannt. Alle Versuche diesen Pöbel zu kontrollieren und aus dem Stadion zu entfernen hat ja wie man sieht bis heute nicht funktioniert. Viele dieser Rädelsführer sind dem FC bekannt und schaffen es immer wieder ins Stadion zu gelangen.
    Hier ist der neue Vorstand des FC besonders gefordert. Stadionsicherheit soll bei der Agenda
    des 1.FC Köln mit an erster Stelle stehen. Lasche Kontrollen darf es ums Stadion herum nicht mehr geben.

  6. NICK says:

    „Alle Versuche diesen Pöbel zu kontrollieren und aus dem Stadion zu entfernen hat ja wie man sieht bis heute nicht funktioniert.“ – Schwierig diese Einzelidioten auszusortieren, wie soll das gehen?

    „Viele dieser Rädelsführer sind dem FC bekannt und schaffen es immer wieder ins Stadion zu gelangen.“ – wenn das so ist, dann müsste es tatsächlich ja einfach sein. Da bin ich mal gespannt, ob der Typ von gestern irgendwo auf ner Liste stand…

    • major says:

      „Schwierig diese Einzelidioten auszusortieren, wie soll das gehen?“

      Komisch. Man weiß doch, wo die Bekloppten stehen, aber gerade da sind die Kontrollen ausgesprochen lasch. Die Sherriffs stehen vor allem vor Nord. Niemand hat Bock sich mit Stefanies aktiver Saalschutztruppe auseinander zu setzen.

      „Da bin ich mal gespannt, ob der Typ von gestern irgendwo auf ner Liste stand…“
      Als ob das rauskäme. Das wäre ja das übliche „Polizeibekannt“, aber vor allem zu Lasten des FC.

  7. Senna1960 says:

    Leider wird das geduldet – seit Jahren… leider zum Fremdschämen…

    Neben Strafverfolgung mit der Härte des Gesetzes…

    Dauerkarte auf der „Süd“ um 500 Euro pro Karte erhöhen… davon werden zum einen Strafen soweit möglich gedeckt, aber viel wichtiger in Sicherheitstechnik a la Flughafen aufbauen. Die Besucher müssen durch Scanner und drei Stunden (oder was es braucht) vor Spiel geht es los…
    Und! Sowohl Pyro als auch Böller – Beides findet sich selten im Flugzeug… Beides kostet uns Reputation und Strafgelder…
    Und! Kameras – noch viel dichter und bessere auf der Süd…

  8. Michael H says:

    Ich wünsche mir ebenfalls, dass die Gerichte hier härtere Urteile fällen.

    Gleichzeitig ist es aber ebenso klar, dass den Verein primär keine Schuld trifft. Psychisch kranke Menschen gibt es zuhauf und wenn sie erfolgreich vom Stadion ferngehalten werden sollten, schmeißen sie die Böller halt in die Straßenbahn oder auf die nächste Touristengruppe vor dem Dom. Allerdings sind die relevanten Sicherheitschecks im Stadion ein schlechter Scherz. Und das nicht erst seit gestern. Aber was soll der Verein machen? Wenn der Sicherheitsdienst in Regress genommen werden würde, wäre mein Sicherheitsdienst mehr bereit, solche Checks auszuführen. Man könnte die Polizei um Mithilfe bitten und sie dafür entlohnen – wäre dem Verein aber natürlich zu teuer. Zudem würde das diverse andere Probleme schaffen. Selbstreinigungskräfte der Kurve? Ich glaube nicht, dass der Mensch seine Tat angekündigt hatte. Falls doch, und falls er Mitglied in einer der bekannten Vereinigungen ist, müsste das für mich zur Verbannung der Vereinigung aus dem Stadion führen. Aber mehr kann der FC wirklich nicht machen.

    So schlimm das ist, aber die Teilnahme an einer öffentlichen Veranstaltung, sei es als Gast oder als Teil des Jobs, birgt Risiken. Diese zu minimieren ist notwendig – aber ausschließen lassen sich solche Einzelfälle halt leider nicht.

  9. MaxMoor Holger says:

    Die einzige Lösung:
    ALLE MITGLIEDER DER SÜDKURVE SOLLEN SICH FÜR IMMER VERPISSEN.
    DIE SÜDKURVE ZU EINER REINEN KINDER GRUPPE MACHEN,DAS HEISST,BEI JEDEM HEIMSPIEL MIT SCHÜLERN DER VIELEN SCHULEN KÖLN’s besetzen!!!

    NUR DER FCB SCHICKERIA STERN DES SÜDENS MIA SAN MIA

  10. Dieter says:

    Tickets sollten generell personalisiert sein .Überwachungskameras flächendeckend, keine toten Winkel. Doppelte äußere Umzäunung, mit reichlich Zwischenraum. „Traurig“ Solche „Fans“ kosten den Verein nur Unsummen an Geld, sie missachten alles und jeden. Genau diese Klientel schreit nach solchen Maßnahmen, um dann auf die Barrikaden zu steigen. (Vorstand raus) :-( Ich würde gerne weiterhin entspannt zum FC gehen :-)

      • major says:

        Warum sollten die Ultras denn noch IHREN Vorstand raus haben wollen?
        Das entsprechende Banner liegt sicher im Keller.

        Auf Süd ist schon ziemlich klar, wer da rumrennt, und wo er hin gehört, aber natürlich kann man leicht sagen „Also WIR waren das nicht“. „Wir“ waren es nämlich NIE, sondern immer die „anderen“, egal, wer es war.

        Da es damit offenbar keine Kontrolle über die Südkurve gibt, muss man diese als unkontrollierbare Zone bis zur Schaffung eines ausreichenden Sicherheitskonzeptes schliessen. So einfach ist das.

        • NICK says:

          Und die Nordtribüne natürlich auch, da gabs ja in den letzten Jahren genau so viele Böllerwürfe…ach…umd natürlich keine Auswärtsfans! Dascganze Gesindel raus aus dem Stadion! Und wenn sich der erste in den Logen daneben benimmt – Schliessung aller Logen! Selbstverständlich…Auf Ost sitzt Gerd Mrosk – Tribüne zu! Auf West sitzt der Rest – weg,weg, weg…

          • Gerd Mrosk says:

            Ich weis hört sich blöd an …erstmal…aber anscheinend gehts nicht anders als mit Selbstreinigung Nick.Wenn die Capos alles im Griff haben mit dem was gesungen und gemacht wird müssen sie auch das in den Griff bekommen versuchen ,wenn einer Schwachsinn abliefert und siehe hier ,alles direkt auf die Ultras zeigt.

          • NICK says:

            Die Capos haben so einigermassen ihre eigenen Leute im Griff…aber das sind die unteren Reihen von S3-S4, aber den Rest? Wie sollen die Capos die ganze Kurve im Griff haben? So ähnlich wie ein Bademeister evt?

            Der Einzige der da evt. ordentlich Respekt hat ist der Schell..Dann gibts noch den Dürren auf S4, neuerdings den lieben Teddy daneben, dann „Döner Kebap“, zuletzt noch so ne Figur in rot, der so ne Art Vortänzer ohne Megafon gibt – man weiss es nicht genau. Die Boyz wollen keinen fremden Kaspar über ihren Köpfen, deswegen ist der Zaun dort verwaist…wer genau soll davon jetzt die ganze Südkurve unter Kontrolle halten?

            Selbstreinigung gibt es nicht. Der Otto der gegen den BVB den Pyro abgefackelt hat, war nach 10 Jahren Stadionverbot das erste mal wieder in der Kurve und macht direkt wieder auf „Mich kriegt keiner klein“ und dann macht er seinen Pyro klein und der fliegt ihm um die Ohren und dann in die eigene Gruppe…nicht mal das konnte selbst der Schell verhindern…

    • Gerd Mrosk says:

      Ja,und ich würde gerne auch bei Derbys entspannt zum Stadion fahren können und danach wieder nach Hause.Das wird immer mehr zum Staatsakt.Da muss ich mir ernsthaft überlegen ob ich meine Karte nicht lieber mal zum Verkauf anbiete wenn das Paket nicht mehr stimmt.Das mit dem personalisieren ist auf jeden Fall zu begrüssen,Kameras solang das so ausartet unabdingbar und Polizei in jeden Block,bis die handvoll schwarzen Schafe aussortiert sind,die die wirklichen Fans Woche für Woche in Verruf bringen

  11. major says:

    „Pyro ausnehmen“

    NEIN, Herr Merten. Wenn man anfängt, rumzudiskutieren, ob etwas wenig, halb oder etwas gefährlich ist, hat man die Diskussion bereits verloren.
    Auch Sie werden nicht mit einer Gruppe teilalkoholisierter Ultras vor dem Einfang Süd/West darüber diskutieren wollen, ob diese oder jene Brand- und Sprengvorrichtung noch geht oder nicht, so wie an Flugsicherheitskontrollen auch keine Diskussion stattfindet, ob ein 7,9 cm langes Messer zur Entführung geeignet ist, oder ob man dafür 8,1 cm benötigt.

    Nur weil es einen „Verbundbrief“ einer Chaotenszene gibt – Verbundbrief, man denkt ja fast an die Kölschkonvention zum Bierbrauen – muss man nicht davon ausgehen, daß wirklich gemeinsame Werte dieser Kriegsfans bestehen.

    In der Südkurve ist ziemlich klar, wer da wo steht, und wo er hin gehört. Karten kriegt man als „nicht dazu gehörend“ ohnehin nicht.
    Wenn man irgendwo im Stadion einmal zu laut „Neger“ sagt, kann man von „couragierten Fans“ in einer der VIER Meldestellen im Stadion wegen Rassismus denunziert werden (es sei denn man singt „Scheiss Leverkusen“, weil: Leverkusener ist keine Rasse und außerdem ist das lustig). Da hilft auch kein „besoffen“, „breit“ oder „in psychatrischer Behandlung“. Da biste raus: „Beim 1. FC Köln ist für Rassismus kein Platz.“ Aber für Brandstifter und Gewalttäter ?
    Bei Körperverletzung („Die sollen sich nicht so anstellen, ey“) wird diskutiert und verharmlost. Da wird „Pyro“ ausgenommen.
    Pyro , aka „Spreng- und Brandvorrichtungen“ kann jederzeit ausser Kontrolle geraten, auch die mit „Prüfzeichen“. Mir ist schon mehr als ein Bengalo unkontrolliert in der Hand abgebrannt, weil er z.B. feucht geworden war. Dann wird ein Bengalo zu einem unlöschbaren Funkenregen mit spritzendem über 1000 Grad heißem Magnesium. Den schmeisst man schnell von sich. Nur dumm, wenn da noch Menschen drum rum stehen, aber frei nach dem Motto der „aktiven Fanszene“ : Ja, selbst schuld, ne ?
    Immer noch „harmlose Pyrotechnik“ ? Die wollen sie besoffenen und fanatisierten „Aktiven“ in die Hand geben?

    Aus dieser Gruppe werden Straftaten begangen und diese Gruppe hält gegen die Identifizierung und Verfolgung zusammen, wie eine kriminelle Vereinigung. Daraus bleibt nur ein Schluß, und dieser würde der „aktiven Fanszene“ gar nicht gefallen, so mit ihrem „einzigen Lebensmittelpunkt“: nach jedem Vorkommnis zwei Spiele ohne Südkurve.
    Allerdings müsste man dann auch vor Süd mehr Polizei stehen haben. Aber was soll’s – NRW will ja kein Geld dafür, sondern weiter den Steuerzahler blechen lassen.

    • FC Neukoelln says:

      Auf St. Pauli werden Pyros in dafür vorgesehenen Metallwannen abgebrannt. Klappt da ziemlich gut. Was sicher auch damit zu tun hat, dass der Verein Werte wie Toleranz und Miteinander vorlebt und nicht nur als Slogan spürbar anders plakatiert. Man war sich dort zum Beispiel nicht zu schade, als erster Verein dem HSV(!)-Spieler Bakery Jatta demonstrativ zur Seite zu stehen, als dieser zu unrecht und völlig sinnfreierweise als illegaler Einwanderer diffamiert wurde – ein Vorgang, den andere Vereine wiederum – Nürnberg, KSC, Bochum – schamlos zu ihrem Vorteil nutzen wollten und woraufhin Jatta in Karlsruhe zum Beispiel ausgepfiffen wurde.
      Man könnte das anbieten. Und gleichzeitig Maßnahmen ankündigen, sollte das nicht klappen. Dann nämlich – da gebe ich Dir recht – bleibt gar nichts anderes übrig als hart durchzugreifen.
      Man würde der Szene dadurch quasi aufzwingen, wozu sie aus eigenem Antreb immer wieder nicht in der Lage war: ein Selbstregulativ. Freiheiten gibts, solange man sich an die Spielregeln hält. Sobald man das nicht meht tut, verliert man Privilegien. Klare Regeln mit klar formulierten Konsequenzen bei Nichteinhaltung. Die Verantwortung liegt also klar umrissen in der eigenen Hand. Wenn das nämlich immer wieder „die anderen“ waren fängt man möglicherweise auch mal damit an, ein wenig auf „die anderen“ zu achten. Ist ja dann im eigenen Interesse.
      Ob das dann irgendwie funzt steht auf einem anderen Blatt. Ich hatte das an anderer Stelle schon geschrieben: Im besonderen in Köln sind da immer wieder ein paar Knalltüten am Werk, die Vernunftresistenz mit Geltungsdrang paaren und das dann auch noch geil finden. Das ist ungefähr so als würde ich mir einkacken und gleichzeitig aufs Hemd kotzen und damit dann stolz durch die Fussgängerzone flanieren.
      Wenn die USP-Kids auf St. Pauli über die Stränge schlagen, weil sie sich vor den anderen als besonders tough darstellen wollen, werden sie von den Grossen zurückgepfiffen. Da ist dann auch nicht viel mit Widerrede. Da bringen Ultras ihre 10jährigen Töchter mit, weil sie wissen, dass ihnen da keinerlei Gefahr droht. Geht also.

      • Gerd Mrosk says:

        Es gibt immer Kompromisse,aber die müssen beide Seiten auch wollen.Wenn der Dialog tatsächlich wieder vermehrt kommt und man Vorschläge unterbreitet muss man sich da treffen wo jedem geholfen ist oder jeder rechtens mit leben kann.Gibts keine Annäherung,bin ich bei Major SELBSTREINIGUNG,bis nichts mehr passiert in Süd.bis dahin nach und nach Ausschluss,bzw Südkurve Unterrang dicht.

  12. major says:

    Ist übrigens sehr merkwürdig, keine News beim FC, daß ein Vorstands-, Beirats- oder Mitgliederratsmitglied sich entschuldigt hat oder gar zu den Verletzten ins Krankenhaus gefahren ist. Bin ich froh, mit diesen Pharisäern nichts mehr zu tun zu haben.

    Die wirkliche Frage sind nicht Strafen, sondern die Verantwortung durch den Verein und seiner KGaA. Das heißt im Fall der von Marc Merten angesprochenen Berufsunfähigkeit dann eben auch eine angemessene Berufsunfähigkeitsrente für dauerhaft Geschädigte und Schmerzensgeld für die anderen. Auch für die Ordner, die da für ein paar Euro fuffzich stehen.

    Wer einem überversorgten Trainer oder Sportvorstand die Millionen nachwirft, wird bei sowas dann plötzlich kleinkrämerig wie bei der Portokasse ?

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