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Verbitterung zum Abschied: So gingen Ritterbach und Schumacher


Der 1. FC Köln hat am Sonntag eine denkwürdige Mitgliederversammlung erlebt. Schon wieder. Das lag auch an Toni Schumacher und Markus Ritterbach, die sich dazu entschieden hatten, als Vizepräsidenten weder diplomatisch noch vereinend abtreten zu wollen. Sie holten noch einmal zum großen Rundumschlag auf und zeichneten das Bild eines Vereins, der ohne sie vor schweren Zeiten stünde. Damit bestätigten sie ihre Kritiker, dass ein Neuanfang im Vorstand dringend nötig war.

Köln – Insgesamt 109.755 Mitglieder zählt der FC inzwischen, davon hatten sich 3.456 in der Lanxess Arena eingefunden. Insgesamt also 3,1 Prozent aller FCler. Wahrlich keine Traumquote für eine so wichtige Wahl wie die des Vorstands, immerhin richtungsweisend, immerhin der Höhepunkt einer Entwicklung, die sich über die letzten zwei Jahre abgezeichnet hatte. Man war an diesem Tag in Köln-Deutz gespannt, wie die Wahl ausgehen würde, aber auch, wie sich Toni Schumacher und Markus Ritterbach verhalten würden.

Alles begann versöhnlich. Karl-Ludwig Kley leitete die Sitzung ruhig und routiniert und verlas eine Grußbotschaft von Werner Spinner (hier im Wortlaut). Der 70-jährige Ex-Präsident zeigte sich darin souverän und mit sich im Reinen, wünschte dem künftigen Vorstand ein „glückliches Händchen“ bei seinen Entscheidungen und forderte die Mitglieder auf: „Schenken Sie bitte der neuen Führung des 1. FC Köln das gleiche Vertrauen, das Sie auch mir geschenkt haben. Mit Ihnen im Rücken, das weiß ich aus meinen sieben Jahren, fällt die Arbeit viel leichter.“

Der FC muss aufpassen, seine Werte nicht zu verlieren

Solche Worte hätten in der Folge auch von Schumacher und Ritterbach kommen können. Doch beide Vizepräsidenten entschieden sich, offenbar getrieben von ihrer Verbitterung über ihre Nicht-Nominierung, für einen anderen Weg: den Weg der Konfrontation, vor allem mit Stefan Müller-Römer. „Es kann ja keine zwei Meinungen geben, wer seit 15 Jahren im Mittelpunkt der Konflikte des Vereins steht“, sagte beispielsweise Ritterbach und meinte damit seinen zwischenzeitlichen Vorstandskollegen, mit dem er schon länger nur noch die nötigsten Worte wechselt. Dass er und Schumacher gehen müssten, „war eine Idee, die sich Stefan Müller-Römer und der Mitgliederrat ausgedacht haben“. Ritterbach sei sich nur weniger Fehler bewusst, weshalb es unverständlich für ihn sei, nun nicht mehr vorgeschlagen worden zu sein. Dass er zwischenzeitlich erklärte, er werde „nicht zum Abrechnen ausholen“ und „lieber für den 1. FC Köln einen Treffer kassieren und hinnehmen“, entsprach in der Folge nicht seinem Gesagten. Ritterbach teilte aus, wann immer er konnte.

Er skizzierte für sich und Schumacher das Bild des stets sportlichen Fairplay, des stets gelebten Miteinanders. Von einem Miteinander wollte er in seinen Worten an Müller-Römer und auch an den kommenden Vorstand jedoch nichts wissen. Stattdessen skizzierte er ein Bild, dass der FC ohne das Vize-Duo abrutschen werde. „Ich mache mir Sorgen, denn der FC muss aufpassen, seine Werte nicht zu verlieren.“ Es müsse immer „den Respekt vor anderen Meinungen“ geben. Doch genau diesen ließ er selbst vermissen, indem er offen erklärte, die Entscheidung des Mitgliederrates nicht zu verstehen und am liebsten auch nicht akzeptiert zu haben, wenn eine Gegenkandidatur ernstlich möglich gewesen wäre. Bekanntermaßen wären Ritterbach und Schumacher zur Wahl angetreten, wenn Wolfgang Bosbach sich mit ihnen zusammengeschlossen hätte.

Ritterbach versuchte in seiner Rede offen, Misstrauen zu den künftigen Vorstandsmitgliedern und weiteren Gremienmitgliedern zu säen. „Liebe Mitglieder, achtet auf das, was die Funktionsträger auf dieser Bühne machen, nicht auf das, was sie sagen. Manchmal will ein Mensch nur etwas für sein eigenes Ego. Ich habe ein komisches Bauchgefühl, was hier passiert.“

Passt gut auf, es ist nicht alles so wie es scheint!

Ein Gefühl, das Toni Schumacher offenbar mit ihm teilte. Denn auch der ehemalige Weltklasse-Torhüter ließ es sich nicht nehmen, in seiner Rede offen auszuteilen und eine Verschwörung zu wittern. „Passt gut auf, es ist nicht alles so wie es scheint“, warnte der 65-Jährige. „Lasst Euch nicht blenden! Es gibt Menschen, die vertauschen gerne die Opferrolle.“ Gemeint war auch in diesem Falle Stefan Müller-Römer, den Schumacher in der Folge als Zielscheibe seiner Kritik auserkoren hatte: „Ich habe immer den Frauenfußball gefördert. So sehr, dass sich hier mittlerweile andere damit brüsten wollen.“ Zuvor hatte Müller-Römer erklärte, dass er als Vorstand mit dafür gesorgt hätte, die Bundesliga-Frauen in dieser Saison stärker zu fördern als bislang. Dies hatte er bereits auf der Saisonabschlussfeier im Mai erklärt. Schumacher wollte dies nicht stehen lassen und reklamierte die Frauenförderung für sich, vergaß dabei aber offenbar, dass in Schumachers Vorstandszeit die Frauen bereits zweimal in die Bundesliga aufgestiegen waren, um dann aber vom Vorstand und der Geschäftsführung nicht ernst genommen zu werden. Erst in diesem Sommer nach dem dritten Aufstieg wurde entschieden, deutlich mehr in diesen Bereich zu investieren.

Aber nicht nur Müller-Römer, sondern auch der später gewählte neue Vorstand bekam von Schumacher einen Schuss vor den Bug. „Fußball ist keine Anwaltskanzlei, kein Großkonzern und sicher keine Bank“, beklagte der Rekord-Bundesligaspieler des FC (422 Einsätze). Damit öffnete er das Tor zur fehlenden Fußballkompetenz im neuen Vorstand. „Natürlich braucht man Wirtschafts- und Management-Erfahrung. Aber man braucht auch Leute, die schon mal in einer Kabine voller Profis gesessen haben. Die wissen, wie es sich anfühlt, wenn man ein wichtiges Spiel verliert. Die verstehen, wie Manager, Trainer und Spieler ticken.“ Ein Kritikpunkt, den Schumacher über die letzten Monate immer wieder angebracht hatte und den der neue Vorstand in der Zukunft tatsächlich wird widerlegen müssen. Bekanntlich will man dies mit Jörg Jakobs und Erich Rutemöller als Berater erreichen.

Wolf bleibt diplomatisch und streckt die Hand aus

Schumacher und Ritterbach verpassten die Chance, mit versöhnenden Worten die Mitglieder hinter dem neuen Vorstand zu vereinen. Ihre Attacken heizten die Stimmung im Saal vielmehr weiter an und machten die Spaltung der Mitglieder, zu der das Vize-Duo in den letzten Monaten aktiv beigetragen hatte, noch einmal deutlich. Es brauchte Sportchef Armin Veh, der in seiner Rede an alle Verantwortlichen appellierte, zu einem anderen Miteinander zu finden, das später auch der neue Vorstand um Werner Wolf als eines seiner zentralen Ziele ausgab: „Mein wichtigster Wunsch für den FC lautet, dass sich alle Gremien verantwortungsvoll und im Rahmen ihrer Kompetenzen für den FC einsetzen“, sagte Veh. „Es darf nicht noch einmal passieren, dass dieser Klub durch persönliche Eitelkeiten in Schieflage gerät. Kein Einzelner ist größer als der FC.“

Damit widersprach Veh auch indirekt Ritterbach, der seinem Mit-Vizepräsidenten Schumacher vom Rednerpult zugerufen  hatte: „Toni, du bist der 1. FC Köln.“ Veh drückte es weniger pathetisch aus: „Toni, du bist eines der bedeutendsten Gesichter des FC und ich hoffe, dass du dem FC in irgendeiner Form erhalten bleibst.“ Nach dem offenen Konflikt auf der Bühne am Sonntag dürfte eine Zusammenarbeit zwischen dem neuen Vorstand und Schumacher sowie Ritterbach zumindest in den ersten Monaten schwer werden. Zumindest gratulierte Ritterbach als erster dem neuen Vorstand zur Wahl, auch Schumacher kam zum Handschlag. So wählte FC-Präsident Werner Wolf dann auch jene Diplomatie, die man zuvor von den scheidenden Vizepräsidenten vermisst hatte: „Wir wünschen uns, weiter mit Euch im Gespräch zu bleiben. Unsere Hand bleibt ausgestreckt.“ Ob Schumacher sie ergreifen wird, ist offen. Zwar erklärte er: „Wenn ich gefragt werde, werde ich helfen, wo ich kann.“ Doch zumindest am Sonntag hatte er dem FC nicht helfen wollen.

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