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Vorstandstrio: „Die Souveränität der Geschäftsführung ist unantastbar!“

Am Sonntag ist es soweit: Dr. Werner Wolf, Dr. Jürgen Sieger und Eckhard Sauren stellen sich zur Wahl für den Vorstand des 1. FC Köln. Die Mitgliederversammlung wird der Höhepunkt sein eines monatelangen Machtkampfes hinter den Kulissen, den das vom Mitgliederrat vorgeschlagene Vorstandsteam künftig befrieden soll. Wie kann dies gelingen? Der GEISSBLOG.KOELN traf sich mit dem Trio zum Gespräch.

Das Interview führte Marc L. Merten

GBK: Am Freitag ist im Express eine Anzeige mehrerer Fanklubs erschienen, in der indirekt dazu aufgerufen wurde, gegen Sie als Vorstand zu stimmen. Wie gehen Sie damit um?

WERNER WOLF: „Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, gemeinsam mit allen Mitgliedern zu sprechen und zu arbeiten. Das muss uns auch gelingen. Dass es im Vorfeld der Mitgliederversammlung zu solchen Aktivitäten kommen könnte, war uns bewusst. Obwohl sie auf eine Kampfkandidatur verzichtet haben, haben die beiden Vizepräsidenten ja des Öfteren erklärt, sie hätten gerne weitergemacht. Und natürlich haben sie Anhänger. Der Trennungsschmerz tut da eben weh. Dass sie sich deshalb engagieren, ist nachvollziehbar. Genau diese Mitglieder müssen wir aber auch gewinnen. Das ist unsere Aufgabe.“

Wie wollen Sie das erreichen?

ECKHARD SAUREN: „Indem wir mit ihnen in den Dialog gehen. Das tun wir und werden wir weiter tun. Der Rest, davon sind wir überzeugt, wird sich klären, indem wir sachlich gute Arbeit leisten.“

Aber bei einigen Mitgliedern werden Sie ein dickes Brett zu bohren haben.

SAUREN: „Die Übergangsphase wird eine Herausforderung sein. Aber am Ende des Tages wünschen sich die Mitglieder, dass Ruhe einkehrt. Ich bin optimistisch, dass sich viele Bedenken nach der Wahl in konstruktives Nach-vorne-blicken auflösen werden.“

Das allererste, was wir machen werden, ist eine Mitarbeiterversammlung

Den Anhängern von Toni Schumacher geht es auch darum, wie es mit ihm weitergeht. Der Verlauf der bisherigen Gespräche ist inzwischen bekannt. Aber haben Sie den Fehler gemacht, nicht noch mal nachzufragen, anstatt auf eine Reaktion von ihm zu warten?

WOLF: „Ich persönlich bin mir sicher, dass der Dialog nach der Mitgliederversammlung weitergehen wird.“

Als Wolfgang Overath aus dem Präsidium ausschied, herrschte jahrelang Funkstille zwischen ihm und dem FC. Fürchten Sie eine ähnliche Konstellation mit Toni Schumacher?

WOLF: „Natürlich wünschen wir uns das nicht. Im Gegenteil. Aber das ist immer eine individuelle Entscheidung.“

SAUREN: „Wir werden immer zum Dialog mit ihm bereit sein.“

Toni Schumacher, so heißt es, ist auf der FC-Geschäftsstelle sehr beliebt. Wie wollen Sie die Mitarbeiter des 1. FC Köln für sich gewinnen?

WOLF: „Das allererste, was wir machen werden, ist eine Mitarbeiterversammlung. Die wird am kommenden Dienstag stattfinden und ist schon organisiert. Wir können nur mit den Mitarbeitern gewinnen. Das wollen wir ihnen vermitteln. Zeiten des Übergangs sind immer von Verunsicherung geprägt. Das ist völlig normal. Wer kommt da? Wer sind die? Was bedeutet das für jeden einzelnen? Das wollen wir mit ihnen direkt bereden.“

SAUREN: „Natürlich stellen sich die Menschen in einer Übergangsphase die Frage, wie es weitergeht. Das liegt doch in der Natur der Sache. Aber aus den Gesprächen, die wir bisher geführt haben, haben wir mitgenommen, dass es bereits ein grundsätzliches Vertrauen gibt. Deshalb bin ich sicher, dass es uns gelingen wird, die Mitarbeiter am Geißbockheim mitzunehmen.“

WOLF: „In meiner beruflichen Laufbahn habe ich solche Situationen häufiger erlebt. Wir werden präsent sein, werden reden, werden uns vorstellen, werden zuhören und im Dialog die Zweifel ausräumen. Mit uns kommen drei kompetente und kommunikationsstarke Menschen mit viel Erfahrung zum FC.“

Ich halte nichts von autokratischen Strukturen und einsamen Entscheidungen

Was sind Ihre Kernkompetenzen?

SAUREN: „Ich würde mich als sehr analytisch und sehr sachlich beschreiben. An der Börse hat man nur eine Chance, wenn man sich nicht von Emotionen leiten lässt und risikoanalytisch die Dinge betrachtet. Darüber hinaus bin ich Unternehmer und habe gezeigt, dass ich viel Erfahrung, ob als Fondsmanager oder als Rennbahnchef, einbringen kann.“

JÜRGEN SIEGER: „Ich habe als Partner einer internationalen Wirtschaftskanzlei viele Jahre einen großen Bereich geleitet. Wir waren mehr als zweihundert gleichberechtigte Partner. Wer so etwas macht, muss gemeinsam im Team arbeiten, im Team eine Führungsrolle übernehmen und überzeugen können.“

WOLF: „Mir ist es immer wieder gelungen, in schwierigen Situationen Menschen hinter einem Ziel zu versammeln, ihnen das Vertrauen zu geben, dabei mitzuhelfen, Probleme zu lösen. Dazu wurde mir immer wieder ein gutes, strategisches Auge bescheinigt. Es ist wesentlich, den Blick für das große Ganze und die Nerven im Griff zu behalten. Ich halte zudem nichts von autokratischen Strukturen und einsamen Entscheidungen.“

SIEGER: „Darüber hinaus darf man nicht vergessen: Wir haben zusammengenommen über zwanzig Jahre Erfahrung in verschiedenen FC-Gremien. Das Verständnis für die Themen des Klubs ist also vorhanden.“

Wir laufen noch blind, weil die Vizepräsidenten nicht wollten, dass wir eingearbeitet werden

Geschäftsführer Alexander Wehrle hat betont, dass der FC in seiner wirtschaftlichen Entwicklung vor allem die Bereiche Digitalisierung und Internationalisierung vorantreiben muss, um konkurrenzfähig zu bleiben. Einige FC-Fans schrecken in Sachen Internationalisierung immer wieder wegen China auf. Inwiefern ist dies für Sie ein Tabu-Thema?

SAUREN: „Die weitere Internationalisierung des 1. FC Köln ist wichtig, und wir sind uns mit Alexander Wehrle einig, dass wir über diesen Bereich bald sprechen werden. Noch haben wir aber keine genauen Einblicke, weshalb wir noch keine genauen Aussagen treffen können.“

Wie sehen Sie konkret die Diskussion um eine mögliche Beteiligung des FC an einer Jugendakademie in China?

WOLF: „Es gibt die klare Absprache mit Herrn Wehrle, dass wir uns dieses Projekt anschauen werden und dann zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen werden. Wir kennen aktuell weder die finanziellen Rahmenbedingungen noch die weiteren Vertragsdetails. In all diesen Fragen laufen wir noch blind, weil die beiden bisherigen Vizepräsidenten nicht wollten, dass wir in irgendeinem Bereich eingearbeitet werden. Wir sollen zuerst gewählt werden.“

Die Jugendakademie ist also eines jener Dinge, die Sie in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit entscheiden wollen.

WOLF: „Die ersten hundert Tage liegen dank Jürgen Sieger tatsächlich schon auf dem Tisch. Zwanzig Seiten, eng beschrieben.“

SIEGER: „Und das Thema Internationalisierung steht da auch groß drauf.“ (lacht)

Wenn man mir in meiner aktiven Zeit als Geschäftsführer ins Tagesgeschäft gefunkt hätte, wäre ich gegangen

Wie viel Arbeit wird in den ersten Tagen und Wochen auf Sie zukommen?

SIEGER: „Sehr viel. Wir haben ja nicht umsonst einen Themenplan, der zwanzig Seiten umfasst. Und das sind nur die Stichpunkte. Dahinter verbirgt sich enorm viel Arbeit. Alleine die Informationssammlung. Wir müssen uns ins allen Bereichen grundlegend informieren. Alleine das wird länger dauern.“

Inwiefern wird es realistisch sein, dass Sie drei in den ersten 100 Tagen schon zu ersten richtungsweisenden Entscheidungen kommen werden?

SAUREN: „Wir wollen behutsam im Hintergrund arbeiten und keine Entscheidungen übers Knie brechen, die von strategischer Natur sind. Für die operativen Entscheidungen ist die Geschäftsführung zuständig. Ansonsten wird die Entscheidung über den Vertrag von Armin Veh in die ersten 100 Tage fallen. Und natürlich wird der Geißbockheim-Ausbau relativ schnell in den Fokus rücken. Das ist eines der wichtigsten Themen für den FC in den kommenden Monaten.“

WOLF: „Die Mitarbeiter am Geißbockheim sind ganz wichtig. Wir müssen mit ihnen reden, uns von ihnen informieren lassen, wissen, was sie brauchen, wo es hakt, wo wir helfen können. Was ich aber noch einmal betonen möchte: Wir werden nicht den Geschäftsführern ins operative Geschäft hineinreden. Wir sind ein Aufsichtsorgan. Unsere Grundregel lautet: Die Souveränität der Geschäftsführung ist unantastbar. Von uns wird erwartet, Leitplanken zu setzen und Kontrolle auszuüben. Für die strategische Ausrichtung sind wir zuständig. Aber wenn man mir in meiner aktiven Zeit als Geschäftsführer ins Tagesgeschäft gefunkt hätte, dann wäre ich gegangen. Das muss man begreifen.“

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