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Anfang: „Meine Entlassung hatte sich nicht abgezeichnet“

Markus Anfang hat sich erstmals ausführlich zu seiner Entlassung beim 1. FC Köln geäußert und Sportchef Armin Veh widersprochen, dass er wegen des gefährdeten Aufstiegs entlassen worden sei. „Ich bin am Ende nicht an der Zielsetzung, sondern an der Erwartungshaltung gescheitert“, sagte Anfang der Bild. Dennoch hege er keinen Groll, so der 44-Jährige.

Köln – Es war ein Freitagabend, der 26. April 2019. Der FC verlor daheim gegen den SV Darmstadt 98 mit 1:2. Es war eine weitere Enttäuschung einer eigentlich erfolgreichen und doch nie gänzlich überzeugenden Saison unter dem ehemaligen Trainer von Holstein Kiel. Noch am selben Abend wusste Markus Anfang, dass es mit ihm beim FC nicht weitergehen würde. „Armin Veh hat nach dem Spiel um ein Gespräch gebeten und mir die Entscheidung mitgeteilt“, sagte Anfang nun im Rückblick auf die Ereignisse an seinem letzten Tag als FC-Coach. „Danach habe ich noch in der Nacht mein Büro geräumt.“

Die Bestätigung seiner Entlassung erfolgte am folgenden Tag. André Pawlak und Manfred Schmid übernahmen. Was dann kam, hätte jedoch nicht kurioser sein können. Nach der Freitagabend-Pleite des FC gegen Darmstadt – es war das vierte Kölner Spiel in Folge ohne Sieg – trat der FC erst wieder zehn Tage später an einem Montag bei Greuther Fürth an. Dazwischen lagen zwei Spiele aller Aufstiegskonkurrenten, die den Geissböcken mit Siegen ihrerseits noch einmal hätten auf die Pelle rücken können. Doch die anderen Teams patzten reihenweise, sodass Pawlak und Schmidt mit einem Sieg über Fürth (4:0) in ihrem ersten Spiel an der Seitenlinie gleich den Aufstieg feiern konnten, den man Anfang nicht mehr zugetraut hatte. Am Ende hätten die 59 Punkte, die Anfang geholt hätte, sogar für Platz eins gereicht.

Ich habe auch keine echte Krise während der Saison gesehen

Dass Veh trotzdem die Reißleine gezogen hatte, lag neben den Ergebnissen an der offensichtlichen Kluft zwischen Mannschaft und Trainerteam. Die Spieler folgten den Übungsleitern unter Anfangs Führung nicht mehr. Dennoch sagte Anfang nun: „Für mich hatte sich das vorher nicht abgezeichnet.“ Dabei hatte Veh zuvor schon zweimal im Laufe der Saison öffentlich Kritik an Mannschaft und Trainer geübt und als Sportchef eingegriffen. Aus Anfangs Perspektive hätten aber nur die Punkte ausschlaggebend sein müssen für die Bewertung seiner Arbeit. „Man hat mir gesagt, dass das Ziel, der Aufstieg, in Gefahr sei. Für mich war das Ziel in der gesamten Saison [aber] nie in Gefahr. Ich habe auch keine echte Krise während der Saison gesehen. Ich bin am Ende nicht an der Zielsetzung, sondern an der Erwartungshaltung gescheitert. Aber es ging darum, das Ziel zu erreichen, nicht eine Erwartungshaltung zu erfüllen.“

Die Erwartungshaltung war tatsächlich hoch gewesen. Der FC als Überraschungsabsteiger, als finanzstarker Klub, als Team gespickt mit vermeintlichen Bundesliga-Stars und einem deutschen Nationalspieler, hätte die Liga dominieren müssen. Tatsächlich ballerte sich Köln durch die Liga, erzielte in 34 Spielen 84 Tore und feierten 19 Siege. Zudem lag der FC unter Anfang fast immer auf direktem Aufstiegskurs. „Das hat offensichtlich nicht gereicht“, klagte Anfang nun. Trotz der Offensiv-Maschinerie „war das nicht spektakulär genug“. Dass Anfang jedoch die Abwehr nie wirklich in den Griff bekam, vor allem aber keine Bindung zu den Spielern fand, steht auf der anderen Seite der Medaille. Letztlich, sagte der 44-Jährige, „habe ich keinen Frust oder Groll gegen den Klub oder einzelne Personen“. Er freue sich für den FC in Liga eins, Kontakt zu Armin Veh bestehe aber nicht mehr.

14 Kommentare
  1. Christ Walker says:

    „war das nicht spektakulär genug“

    Naja ich habe 10 spektakuläre Siege gesehen. Der Großteil der restlichen Spiele waren in weiten Teilen fürchterlich und wir sind regelmäßig spielerisch und kämpferisch vorgeführt worden. Wir konnten es der überragenden Chancenverwertung von Terodde und später in Teilen auch Cordoba bzw. Drexler verdanken, dass wir viele Spiele, in denen wir unterlegen waren, gewonnen haben.

    Hinzu kam ja vor allem für mich die Außendarstellung von Anfang. So wollte er diese Probleme zumindest nach Außen nie erkennen. Allein Aussagen wie „es ist völlig normal und okay, wenn wir im Spiel 10km weniger laufen.“ haben mich sprachlos zurückgelassen. Auch dieses Gerede von sehr starken Leistungen nach Glückssiegen gegen Kellerkinder empfand ich als sehr realitätsfern.

  2. Matthias says:

    Entweder lügt anfangen sich selbst in die Tasche, oder er ist fern jeder Realität!
    Gescheitert an der Erwartungshaltung? das ist zutreffend, wenn die Erwartungshaltung so war, dass die Zweitliga-Saison benutzt werden sollte, die Mannschaft auf die erste Liga vorzubereiten, und dies mit einem System, mit dem man in der ersten Liga bestehen kann.
    Ob Anfang das geschafft hat, mag jeder für sich selbst entscheiden. Fest steht aber, dass viele bereits nach einigen Wochen das fehlende überzeugende System kritisiert hatten.
    Sieht Anfang das anders, spricht das nicht für seine Qualität als Trainer!

  3. OlliW says:

    Da kann man wieder mal Außen- und Innenwahrnehmung studieren. Anfang sah sich auf Kurs, während er für einige Fans bereits nach dem 1:1 am zweiten Spieltag schon nicht mehr tragbar war. Klar, die Erwartungshaltung war immer hoch und die Zweite Liga kann eine echte Bitch sein. Wir haben aber oft einfach nicht souverän gewirkt.
    Der VfB Stuttgart zeigt allerdings diese Saison, wie ein nahezu langweiliger souveräner Aufstieg gelingen kann.

    Für mich war Anfangs schlimmste Aussage die, dass man Ecken und Standards nicht trainieren könnte, weil das im Spiel eh immer anders sei. Sehr bedenklich. Ich fand ihn als Typ okay, hätte es ihm auch gegönnt mit aufzusteigen. Aber spätestens in Liga 1 wäre er an die Wand gefahren, fürchte ich.

  4. Holger says:

    Fremdbild und Selbstbild!
    Mit diesem Interview bestätigt er die fehlende Selbstkritik und es zeigt, dass diese Entlassung nicht nur richtig sondern unausweichlich war!
    Ich glaube nicht, dass wir in schnell wieder als Trainer einer Profimannschaft sehen werden….wenn überhaupt noch einmal.
    Seine eindimensionale Sichtweise disqualifiziert ihn für jegliche Führungsrolle!
    Herr Veh, alles richtig gemacht!

  5. Joss says:

    Was man Markus Anfang hoch anrechnen sollte:

    Er hat die Stürmer sehr gut eingebunden, motiviert und betreut. Im Besonderen hat er Jhon Cordoba mental aufgebaut. Das hat er menschlich und fachlich klasse hin bekommen.

    Hinzu kommt, dass Teile des Teams mit ihm versucht haben, den Molly zu machen und gegen ihn gearbeitet haben. Insofern kann ich sehr gut nachvollziehen, wenn Markus Anfang nicht gut auf Armin Veh zu sprechen ist. Keine Frage.

    • Matthias says:

      Und, Herr Krämer, wie lange hätten sie in Liga 1 gewartet, ehe Sie seinen Rauswurf gefordert hätten?
      M.E. hätte man sich viel früher von ihm trennen müssen. Die Mannschaft ist nicht wegen, sondern trotz Anfang aufgestiegen!!!

    • F C says:

      Lieber Herr Krämer,
      Ihre relativ platte Aussage zeugt, dass Sie sich offensichtlich wenig mit Inhalt wie System, Menschenführung, und und und auseinandergesetzt haben. An diesen Punkten ist Herr Anfang gescheitert und auf bei Verbleib wäre das Problem nur größer geworden. JEDER Verein bewertet eben nicht nur die Tabellensituation, sondern auch fundiertere Faktoren (wie sind wir auf diesen Platz gekommen?) und das ist auch richtig so! Die Entlassung von Herrn Anfang war unausweichlich und die obrigen Zeilen zeigen einmal mehr sehr deutlich, dass er offensichtlich nicht erkannt hat, was es zum Scheitern gebracht hat. Wahnsinnig weltfremde Aussagen von MA. Alles richtig gemacht, FC!

  6. Gerd Mrosk says:

    Karl Heinz Auf dem 1.Platz zu stehen bedeutet nicht immer ,das man sehr gute Arbeit geleistet hat.Ich geh davon aus,das Du alle Beweggründe gehört hast,die für Anfangs Demission ausschlaggebend waren?Was wäre gewesen wenn andere ihre Spiele gewinnen und man verliert selbst 0:1 in Fürth was ja immer möglich ist?Der Trainer war eine Belastung für die Mannschaft mitsamt seinen Cotrainern.Er hatte keinen Bock auf nen Plan B Das ein Cordoba durchstartet in Liga 2 wenn er permanent spielt ist kein Hexenwerk.Er ist ja nicht so schlecht ,wie er im ersten Jahr aufgetreten ist.Also,alles nicht Anfangs Hexenwerk diesen Kader auf Platz 1 zu führen in einer insgesamt durchschnittlichen 2.Liga.Es war bitter für Anfang so kurz vor Schluss,ja,aber so ist das Geschäft,gut das der FC handlungsfähig war.

  7. Fueuer emmer says:

    Ein guter Trainer muss auch das Zwischenmenschliche moderieren, und das hat er nicht. Spiele entscheiden sich auch im Kopf. Dazu kommt, dass man die Saison hätte nutzen können, junge Spieler zu fördern. Keiner ist eingebunden worden. Und ein System für die erste Liga wurde auch nicht gefunden. Er musste weg und der Aufstieg war nur ein Vorwand.

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