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Lehren des Spiels: Die Zahlen 129 und 23 haben ein System


Der Sieg des 1. FC Köln über den SC Paderborn (3:0) war ein Erfolg harter Arbeit und Geduld. Das belegen die Statistiken der Partie. Überhaupt drehte sich nach den 90 Minuten am Sonntag vieles um das Zahlenwerk des Spiels. Nicht alles schien für den FC zu sprechen, doch am Ende gab alles Achim Beierlorzer Recht. Die Lehren des Spiels.

Aus Müngersdorf berichten Sonja Eich und Marc L. Merten

Geschichte des Spiels: Kein Heimsieg seit März, fünf Heimpleiten saisonübergreifend in Folge, in der Bundesliga in einem Heimspiel mit Schiedsrichter Manuel Gräfe vor zehn Spielen den letzten Sieg, Achim Beierlorzer der am schlechtesten gestartete FC-Trainer vor heimischem Publikum: Praktisch keine Statistik sprach vor dem Spiel für die Geissböcke. Doch wie sagte Beierlorzer jüngst? „Je häufiger man es versucht, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwann klappt.“ Am Sonntag klappte es mit dem Heimsieg.

Zahlen des Spiels: Lange wurde beim FC über die Laufleistung gesprochen. Die Spieler waren zu Saisonbeginn weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, auch weil sie immer wieder ein paar Schritte zu wenig machten. Seit dem Schalke-Spiel ist das offenbar vorbei. Gegen Paderborn lief Köln 119,6 Kilometer und damit nicht nur minimal mehr als der Gegner (100 Meter), sondern zeigte die zweitbeste Laufleistung des Spieltags aller Teams hinter Union Berlin (124km). Wieder einmal war Ellyes Skhiri mit 13,0 Kilometern der Motor im Kölner Maschinenraum. Nur Herthas Vladimir Darida (13,5km) lief am Wochenende mehr als der Tunesier. Was beachtlich ist: Trotz der engagierten Laufleistung überließ der FC den Gästen weitgehend den Ball, hatte nur 42 Prozent Ballbesitz und kam auch auf eine deutlich geringere Passquote (76 zu 86 Prozent). Spielentscheidend war aber die Zweikampfquote: Der FC gewann 61 Prozent aller direkten Duelle. Und nicht nur das: Insgesamt gewann der FC am Sonntag 129 Zweikämpfe, so viele wie keine andere Mannschaft am 8. Spieltag – mit weitem Abstand. Auf Rang zwei der Statistik lagen der BVB und RB Leipzig mit je 116 gewonnenen Duellen vor Wolfsburg mit 110. Der FC dominierte Paderborn also in den Eins-gegen-eins-Duellen und zog dem Sport-Club so den Zahn.

Duell des Spiels: Wie wichtig diese Zweikampf-Statistik war, zeigte sich auf der rechten Abwehrseite des FC. Kingsley Ehizibue gewann die meisten Zweikämpfe aller Bundesliga-Spieler am 8. Spieltag. Insgesamt 23 Duelle entschied der Niederländer für sich und wurde so zum klaren Gewinner im Duell der Supersprinter mit Christopher Antwi-Adjei. Der Linksaußen des SC Paderborn ist einer der Schlüsselspieler für das überfallartige Spiel des SCP. Doch Ehizibue entnervte den schnellen Angreifer komplett, sodass dieser nach einer Stunde ausgewechselt wurde. Kölns Rechtsverteidiger – am Sonntag ein wichtiger Faktor für den Sieg.

Einwechslung des Spiels: Apropos Wechsel – die Einwechselung des Spiels, die es nicht gab, war jene von Anthony Modeste. Der Franzose musste 90 Minuten zuschauen. Noch ist der 31-Jährige nicht in der Saison angekommen. Simon Terodde belegte eindrucksvoll, warum er gerade so wertvoll für den FC ist. Jhon Cordoba als anderer Spielertyp zu Terodde und Modeste passt aktuell besser als Joker, und so muss sich Modeste gedulden. Ob diese Geduld aber seine Stärke ist? Achim Beierlorzer wird dies gut zu moderieren haben.

Erkenntnis des Spiels: Doch Beierlorzer hat aktuell alle Argumente auf seiner Seite. Denn: Das neue System funktioniert. Timo Horn nannte das 4-2-3-1 nach der Partie „den Schlüssel zum Sieg“. Trotz weniger Ballbesitz hatte Paderborn kaum eine echte Torchance. Der FC dominierte die Partie, ohne den Ball ständig unter eigener Kontrolle zu halten. Die Abstände stimmten, die Spieler kommunizierten viel und lautstark, und durch die Laufstärke kam Paderborn zu keiner echten Torchance aus dem Spiel heraus. Das Ergebnis: das erste Spiel ohne Gegentor. „Heute stand die Null. Das ist enorm wichtig für die Mannschaft, damit sie sich wohl fühlt“, freute sich Beierlorzer. „Ob wir im 4-2-3-1 oder im 4-4-2 agieren, in dem der zweite Stürmer nach hinten abkippt – da sind wir im taktischen Detail. Die Art und Weise, wie wir in den Räumen agieren, ist entscheidend. Und die werden wir definitiv beibehalten.“

Zitat des Spiels: „Man muss sehen, was vorher war. Wir haben in München 0:4 verloren und dann zuhause gegen Hertha 0:4 verloren. Deswegen war es aus meiner Sicht notwendig etwas zu ändern. Auf diese Konstellation mussten wir reagieren“, sagte Sportchef Armin Veh nach dem Sieg gegen Paderborn über die Systemumstellung. „Ich glaube aber nicht, dass wir das 4-2-3-1 jetzt die gesamte Saison durchziehen werden. Ich glaube, dass wir in Zukunft auch wieder mit zwei Spitzen spielen werden. Allerdings hat der Trainer diese Entscheidung getroffen, weil wir auch eine ganz andere Laufleistung bringen wollten. Die haben wir auch heute wieder erbracht mit 120 Kilometern. Wenn eine solche Umstellung erfolgreich ist, glaubt die Mannschaft daran. Wir müssen aber flexibel bleiben, müssen in der Lage sein, mehrere Systeme zu spielen.“

Schema zum Spiel

1. FC Köln – SC Paderborn 3:0 (1:0)

Tore: 1:0 Terodde (8.), 2:0 Schaub (59.), 3:0 Bornauw (85.)

Effzeh: Horn – Ehizibue, Bornauw, Czichos, Katterbach – Skhiri, Hector – Schindler, Schaub (83. Höger), Kainz (63. Risse) – Terodde (75. Cordoba)

SC Paderborn: Zingerle – Dräger, Kilian, Schonlau, Holtmann – Gjasula, Vasiliadis, Pröger, Oliveira Souza (77. Sabiri), Antwi-Adjei (62. Zolinski) – Gueye (62. Michel)

Schiedsrichter: Manuel Gräfe

Gelbe Karten: keine

Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)

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