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Noch keine Trainerentlassungen: Neue Geduld in der Bundesliga?

Sieben Neubesetzungen auf der Trainerbank hat es in diesem Sommer bei den 18 Bundesligisten gegeben. Im Gegensatz zu den Vorjahren kam es bislang aber noch zu keiner einzigen Trainerentlassung. Ein Zeichen für mehr Geduld in der Bundesliga? Die letzten Jahre zeigten eine hohe Fluktuation auf dem Trainermarkt.

Köln – Achim Beierlorzer schrie seinen Jubel heraus. Der Ausgleich zum 1:1 auf Schalke war für den 1. FC Köln von enormer Bedeutung, und der Trainer der Geissböcke wusste, dass dies auch für ihn persönlich galt. Freilich hätte es für den Franken wohl nur bei einer weiteren herben Klatsche auf Schalke in der folgenden Länderspielpause eng werden können. Doch Sportchef Armin Veh hatte dem Trainerteam schon vorher das Vertrauen ausgesprochen. Man will beim FC in Ruhe arbeiten und sich nicht von dem eingeschlagenen Weg abbringen lassen.

Bei den Wettanbietern ist Beierlorzer dennoch hinter Martin Schmidt (FC Augsburg) der zweite Kandidat für eine Entlassung in den kommenden Wochen, gemeinsam mit Hoffenheims Nagelsmann-Nachfolger Alfred Schreuder und dem Mainzer Sandro Schwarz. Schwarz allerdings bekommt schon lange niedrige Wettquoten, unberührt davon, dass er erst im Februar seinen Vertrag beim FSV bis 2022 verlängert hatte. Wettquoten und Gerüchte sind eben nur selten verlässliche Indikatoren für Entwicklungen bei den Fußballklubs, andernfalls hätte David Wagner beim FC Schalke 04 als Top-Kandidat auf eine frühe Entlassung schon vor der Saison kaum eine Chance bei den Königsblauen gehabt.

Kaum ein Trainer wackelt ernsthaft

In dieser Saison scheint eine neue Phase der Geduld in die Bundesliga-Klubs eingezogen zu sein. Nach dem Großreinemachen im Sommer mit sieben neuen Trainern ist man offensichtlich geneigt, nicht allzu früh die Reißleine zu ziehen. Die drei Aufsteiger liegen auf den letzten drei Plätzen, glauben aber an den langfristigen Erfolg, ganz so, wie Fortuna Düsseldorf dies mit Friedhelm Funkel in der letzten Saison vorgemacht hat. In Augsburg wird das Umfeld zwar etwas unruhiger nach dem blamablen Auftritt in Gladbach (1:5). Dagegen haben sich Mainz (in Paderborn) und Hoffenheim (in München) mit zwei Siegen zurückgemeldet und im Vergleich zum 1. FC Köln sogar mehr als nur einen Achtungserfolg mit in die Länderspielpause genommen.

Entsprechend strahlen viele Klubs in der Liga zumindest die grundsätzliche Zuversicht aus, dass es in der derzeitigen personellen Konstellation noch länger weitergehen soll. Dies war in den vergangenen Jahren dagegen mitunter gänzlich anders. Vor einem Jahr in der Saison 2018/19 war es zu diesem Zeitpunkt Mitte Oktober noch verhältnismäßig ruhig zugegangen. Nur Tayfun Korkut hatte beim VfB Stuttgart gehen müssen. Ihn ersetzte Markus Weinzierl. Bis Weihnachten kam Bayer 04 Leverkusen mit der Trennung von Heiko Herrlich hinzu. In der Rückrunde ging es dann aber Schlag auf Schlag. Bis zum Ende der Saison mussten fünf weitere Coaches vorzeitig ihre Posten räumen.

2016/17 sieben Entlassungen vor Weihnachten

Ein Jahr zuvor, in der Saison 2017/18, hatte es bis Mitte Oktober zwei Trainer getroffen. Andries Jonker war beim VfL Wolfsbug vor die Tür gesetzt worden. Zudem traf es überraschend Carlo Ancelotti beim FC Bayern, ehe Ende Oktober auch die Zeit von Alexander Nouri in Bremen ihr Ende fand. Der vierte Trainer 2017, der gehen musste, war Peter Stöger beim FC, ehe Peter Bosz in Dortmund ebenfalls noch vor Weihnachten seinen Hut nehmen musste. In der Rückrunde folgten vier weitere Entlassungen, sodass im Laufe der Saison 17/18 insgesamt neun Trainer ausgetauscht wurden. Die Saison 2016/17 sah ebenfalls neun Trainer gehen, wobei alleine sieben (!) dieser Trainerwechsel schon vor der Winterpause erfolgt waren. Eine Flut an Entlassungen noch in der Hinrunde, die es viele Jahre nicht einmal über eine gesamte Saison hinweg gegeben hatte.

In der vergangenen Spielzeit hatte es diverse Trainer gegeben, die sich über den harten Umgang mit ihrer Zunft beschwerten. Dieter Hecking echauffierte sich, man könne als Trainer heute „eigentlich gleich zuhause bleiben“, wenn man schon als Tabellenführer in Frage gestellt würde. Hecking und andere Coaches forderten mehr Respekt für ihre Arbeit ein, nicht nur vom Umfeld, sondern vor allem auch von den Vereinsbossen. Diese waren, vor allem durch den Funkel-Eklat in Düsseldorf und das Hin und Her in der Führung des FC Bayern, in arge Kritik geraten. Nun scheint man gewillt, mit mehr Geduld und Ruhe einen anderen Weg zu gehen. Zumindest bis zur nächsten Entlassung.

15 Kommentare
  1. OlliW says:

    Die Trainer sind alle noch da, weil es noch füe niemanden einen Grund gibt, nervös zu werden. Momentan stehen doch alle Teams dort, wo man sie als halbwegs Fußballkundiger erwartet hatte. Oben ist es recht eng, da finden sich die Superstarter und Europa-Kandidaten. Jeder Sieg bzw. Niederlage kann 5 bis 6 Plätze ausmachen, unten ist es ähnlich. Noch ist es also etwas früh, um in Panik zu verfallen, egal um wen es geht.
    Die einzigen zudem, die absteigen werden und trotzdem am Trainier festhalten könnten, sind die Paderborner. Sie spielen eine Bonus-Saison im Oberhaus, die nicht geplant und nicht erwartbar war, sondern nur den schlechten Auftritten der Aufstiegskandidaten Köln und HSV geschudtet war. Ähnliches gilt für Union wegen des schlaftrunkenen VfB der Vorsaison

    (Und in Köln wackelt bei manchen Fans der Trainierstuhl ohnehin nach jedem Spiel, das nicht mit Bravour gewonnen und mit mindestens fünf Nachwuchstalenten absolviert wird.)

    Alles gut.

  2. Gerd Mrosk says:

    Der Kommi war schon gut,aber der FC lag ja vor Paderborn.Natürlich aber hat die fehlende Souveränität allen anderen wie Heidenheim,Berlin,Paderborn lange alle Türen geöffnet.Dies war aber auch der Grund warum ich eigentlich nie nervös geworden bin,das der FC das auch mit geringerer Punktzahl schafft.Bin immer von 60 +einigen wenigen ausgegangen.Denke das wird auch dieses Jahr wieder reichen um mindestens 2.zu werden.Die Reli sollte man einfach wieder abschaffen,denn wer in der 2.Liga nur 3.wird sollte nicht aufsteigen dürfen,selbst wenns ab und an Farbtupfer sind.Aber vornehmlich gehts tatsächlich wie OlliW richtig anfügt um gewisse Erwartungshaltungen.Solange die erfüllt werden und man vor allem Tuchfühlung ans Mittelfeld hat wird auch keiner mitten in der Runde entlassen,besonders weil eben auch fast die Hälfte gerade erst 3 Monate im Amt ist.

  3. kalla lux says:

    Naja,ob es mehr Geduld in der Liga gibt glaub ich eher nicht.
    An dem Kommentar von Oli ist was dran, ich sags mal einfacher die Zielsetzungen sind einfach runter gegangen. Und das Gefälle wird auch immer grösser.
    Trotzdem wage ich zu bezweifeln das AB hier eine große Zukunft hat.
    Warum, ganz einfach ich sehe nach 3-4 Monaten eigentlich keine „funktionierende“ Handschrift des Trainers. Ich sehe auch keine Leistungssteigerung bei den Spielern.
    Und vor allem sehe ich kein Spielsystem was für die BL reicht!
    Kommt nicht wieder mit Schalke, war ein nettes Spiel.
    Aber eigentlich hätten die Blauen nach dem 1:0 den Sack zumachen müssen.
    Dann wäre es wieder 4:0,4:2 oder sonstwie ausgegangen.
    Wo sind die „rausgespielten“ Chancen ?
    Egal, wir werden sehen. Ich für meinen Teil glaube nicht das es so lange gut geht!

  4. Ulrich Treimer says:

    Es wäre schön, wenn man beim FC einmal länger Kurs halten würde. Immer gleich ALLES in Frage stellen? Dann wird es nie etwas. Der nächste Trainer bleibt dann bis Weihnachten und der nächste dann bis Ostern. Was soll solch ein Quatsch. Nur damit ein paar Fußballblinde glücklich sind?

    • Joss says:

      Nein. Planlos und ohne erkennbare Marschroute. Der Trainer hat sich mit dem Unentschieden einfach nur eine Galgenfrist gesichert. Wenn es einen Weg bei ihm gibt, dann ist das schlicht ergreifend Zweckoptimismus. Anhand seiner Friedefreudeeierkuchenmaßnahmen. Ne mehr und auch ne weniger.

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