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Wie moderiert Beierlorzer seine erste Krise?


Noch kein Heimsieg, Vorletzter, drei Niederlagen in Folge: Der 1. FC Köln steckt in seiner ersten Krise der Saison. Dies gilt auch für Achim Beierlorzer. Der FC-Coach ist ein grundpositiver Mensch, optimistisch und kommunikativ. Behält der 51-Jährige diesen Weg aber auch in schlechten Zeiten bei?

Köln – Dass Achim Beierlorzer laut werden kann, wenn ihm etwas nicht passt, hat man in den vergangenen Wochen schon beobachten können. Bei Testspielen an der Seitenlinie, sodass man gar seine Worte verstehen konnte. Bei Bundesliga-Spielen zumindest aus der Ferne, wenn der Franke die Fassung verlor, wenn er nicht einverstanden war mit dem, was seine Spieler auf den Rasen brachten.

Davon gab es zuletzt bekanntlich eine ganze Menge. Die vielen einfachen Gegentore haben Beierlorzer verärgert, die wiederkehrenden Fehler und häufige Passivität torpedieren seine Spielidee, die er eigentlich beim FC umsetzen will. Die ersten Kritiker sehen sich in ihren Zweifeln am 51-Jährigen bestätigt und unken, dass eine weitere Klatsche am Samstag beim FC Schalke 04 den ehemaligen Regensburg-Coach in Köln in arge Bredouille bringen könnte. Das sind freilich nur Spekulationen. Sportchef Armin Veh und Beierlorzer pflegen einen engen Austausch. Veh schätzt seinen Coach und stärkte ihm nach der 0:4-Pleite gegen Hertha BSC den Rücken.

Es wird schon mal emotionaler oder lauter

Doch auch Veh muss nun beobachten, wie Beierlorzer die erste Krise mit dem FC meistert. Marco Höger erklärte am Mittwoch, die Ansprache des Trainers habe sich inhaltlich nicht verändert, Beierlorzer wirke glaubwürdig und geradlinig. „Verändert hat sich inhaltlich nicht viel, es wird aber schon mal emotionaler oder lauter.“ Im Training am Mittwoch knöpfte sich Beierlorzer beispielsweise Kingsley Ehizibue vor, der sich im Pressing nicht klug verhalten hatte. Es sind Anzeichen einer deutlicheren Ansprache als bisher.

Das bestätigte auch Beierlorzer selbst. „Klar muss man jetzt den Finger in die Wunde legen. Es nützt ja nichts. Es ist keine Schönwäscherei angesagt“, sagte der FC-Coach. „Wir müssen die Dinge ganz offen ansprechen. Das habe ich in dieser Woche schon getan und werde es weiterhin tun.“ Der Coach haut also erstmals in dieser Saison spürbar dazwischen, fordert mehr Aufmerksamkeit, Konzentration und Aktivität. Beierlorzer will und muss die schleichende Lethargie, sie sich schon in der letzten Saison immer wieder über die Mannschaft gelegt hatte, vertreiben. Sie ist das Gift, das den FC zuletzt scheitern ließ.

Kommunikation ist jetzt mehr denn je gefragt

Von seiner grundsätzlichen Art und Weise im Umgang mit den Spielern weicht Beierlorzer allerdings nicht ab. Straftrainings würden ihn unglaubwürdig machen, ebenso wilde Ausraster à la Christoph Daum oder demonstratives Schweigen à la Felix Magath. „Kommunikation ist jetzt mehr denn je gefragt“, sagte Beierlorzer. „Wir müssen ansprechen, was wir nicht gut gemacht haben, müssen aber auch unser Selbstbewusstsein behalten.“ Seine Spieler müssen zwar keine Angst haben, mit Beierlorzer als Trainer ständig runtergeputzt zu werden. Sanfte Kritik dürften sie jetzt aber auch nicht mehr erwarten. Die Ansprache hat sich der Krise angepasst. Doch Beierlorzer versucht, auch in dieser Zeit seiner Linie treu zu bleiben. „Zum Optimismus gibt es keine Alternative“, lautet sein Motto. Das gilt auch für Ergebnisse in Krisenzeiten.

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