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Die Krise in der 24/7-Doku: „Es gibt jetzt kein Zurück mehr“


Am Freitag erscheint der vierte Part der achtteiligen Dokumentation „24/7“, die der 1. FC Köln über seine Profis selbst produziert (hier geht’s zur Doku). Der neue Sportchef Horst Heldt betonte am Donnerstag, dass der Klub auch in schwierigen Zeiten zu dieser Entscheidung stehen müsse. Markus Gisdol äußerte sich derweil zurückhaltend. Die vierte Folge steht ganz im Zeichen der Krise. Es wird vor allem um den sportlichen Absturz gehen, der zum Aus für Sportchef Armin Veh und Trainer Achim Beierlorzer führte. 

Köln – Lil Zercher, die Pressesprecherin des 1. FC Köln, dürfte dieser Tage einiges bekannt vorkommen. Als die heutige Medienverantwortliche der Geissböcke im Herbst 2014 die erste Trainerentlassung der Saison beim TSV 1860 München kommunizieren musste, war ein Kamerateam ihr dabei auf den Fersen: Die Löwen hatten im Sommer 2014 eine Vereinbarung mit Sky getroffen, um eine für den deutschen Profi-Fußball bis dato einmalige Dokumentation drehen zu lassen, die vierteilige Serie „57, 58, 59, Sechzig“.

Die Saison 2014/15 gilt bis heute als eine der sportlich dramatischsten Spielzeiten in der an Highlights nicht gerade armen Geschichte der Löwen. Erst in der Relegation, genauer gesagt in der ersten Minute der Nachspielzeit des Rückspiels zwischen 1860 München und Holstein Kiel, war das erlösende Tor zum Klassenerhalt gefallen. Kai Bülow machte damals das 2:1 für den TSV, ein 1:1 daheim in der Allianz Arena hätte aufgrund des torlosen Unentschiedens in Kiel den Abstieg der Münchner Löwen in die Drittklassigkeit bedeutet. All diesen Wahnsinn in der damaligen Saison 14/15 hatte Sky begleitet, inklusive zwei Trainerwechseln, einer später im TV übertragenen Abschiedsrede von Markus von Ahlen in der Kabine und des typischen Aufs und Abs eines Abstiegskandidaten.

Vierte FC-Folge ganz im Zeichen der Krise

Lil Zercher war damals mit dabei, inzwischen arbeitet sie für den 1. FC Köln. Die Geissböcke entschieden nun im Sommer 2019, eine ähnliche Dokumentation ins Leben zu rufen. „24/7“ heißt sie, allerdings nicht gedreht von einem externen TV-Sender, sondern vom hauseigenen FC-TV-Team, ausgestrahlt bei DAZN. Nicht vier, sondern acht Episoden sind geplant. Alexander Wehrle hatte als kaufmännischer Geschäftsführer bei der Vorstellung des Projekts versprochen, dass die Fußballfans „so nah dran wie nie zuvor“ sein würden und es nicht nur für die Anhänger, sondern „auch für uns ein Abenteuer“ werden würde.

Dies garantiert nun die vierte Folge, die am Freitag veröffentlicht wird. Im Mittelpunkt: der sportliche Absturz und die Trennungen von Armin Veh und Achim Beierlorzer. Mit den Worten „Auch wenn’s weh tut“ kündigte die Social-Media-Abteilung des Klubs diese Folge am Mittwoch bereits an. Dazu passte, dass der neue Sportchef Horst Heldt am Donnerstag ergänzte: „Der Verein hat sich im Vorfeld dafür entschieden. Deswegen gibt es jetzt auch kein Zurück mehr. Dann muss man das durchziehen“, sagte Heldt, der nun ebenfalls mit dieser Entscheidung leben muss. „Es ist wichtig, dass dann auch nichts gespielt ist, sondern dass es authentisch ist. Sonst bräuchte man es nicht machen.“

Gisdol zurückhaltend: „Das ist sicher eigenartig“

Heldt selbst betonte, dass er schon bei anderen Vereinen über ein solches Format nachgedacht habe. Zur Umsetzung sei es aber nie gekommen. Beim FC werde man nun dazu stehen, auch in schlechten Zeiten. Das muss auch Markus Gisdol als neuer Trainer schlucken, der am Donnerstag zumindest andeutete, dass diese Situation für ihn durchaus ungewohnt ist. „Ich wurde gebrieft, dass jetzt jemand in der Nähe sein wird und dass sie es gut mit uns meinen“, sagte der neue Coach lachend. „Ich sperre mich nicht dagegen und finde es spannend, Teil dieser Doku zu sein. Es ist sicher außergewöhnlich, wenn jetzt auch in intimen Momenten wie bei kleinen Besprechungen jemand mit der Kamera dabei ist. Das ist sicher eigenartig, ich lasse mich aber darauf ein.“ Begeisterung klingt anders, kein Wunder in der aktuellen Situation des FC. Aber vielleicht beruhigt es Gisdol zu wissen, dass es beim TSV 1860 München zumindest in der damaligen Saison 14/15 am Ende doch noch mit dem Klassenerhalt geklappt hatte.

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