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Die Lehren der bisherigen Saison für den neuen Trainer


Zwei Siege aus elf Spielen, nur zehn Tore, dafür schon acht Niederlagen: Der 1. FC Köln steht nach einem Drittel der Bundesliga-Saison 2019/20 völlig zurecht im Tabellenkeller. Die sportliche Führung musste gehen. Doch was erwartet einen künftigen Sportchef und einen nächsten Trainer beim FC? Die Pleite gegen Hoffenheim hat die Mängelliste, aber auch die Hoffnungen offen zu Tage gefördert.

Geschichte der bisherigen Saison: Viele individuelle Fehler, ungenutzte Chancen, taktische Defizite, Pech mit dem Videoassistenten: Daran ist der FC bislang in den meisten Spielen gescheitert. Einfache Gegentore sind das altbekannte Lied. Dazu musste Achim Beierlorzer immer wieder erklären, dass man vorne die Tore nicht gemacht habe und – auffällig genug und darüber hinaus das Eingestehen des eigenen Problems – auf taktische Veränderungen des Gegners immer wieder zu lange gebraucht habe, um zu reagieren. „Das Hoffenheim-Spiel war ein Spiegelbild der bisherigen Saison“, befand daher auch Frank Aehlig. „Wir haben teils guten Fußball gespielt, waren teils aggressiv, sind in Führung gegangen, sind mit der Führung aber wieder nicht so klar gekommen, dass wir sie ins Ziel gebracht hätten. Und am Ende haben wir wieder durch eine mehr als unglückliche VAR-Situation verloren.“ Das fast die Kölner Geschichte der ersten elf Spieltage treffend zusammen.

Szene des Hoffenheim-Spiels: Die Kölner Kernschmelze erfolgte in der Nachspielzeit. Doch nicht der Videobeweis-Elfmeter war die Szene des Spiels, sondern die Szenen nach dem Schlusspfiff. Die Wut, die sich Bahn brach. Der tobende Jhon Cordoba, der sich beinahe noch einen Platzverweis nach Abpfiff für seine Tiraden gegen den Schiedsrichter eingefangen hätte. Der fluchende Jorge Meré, der zusammen mit Cordoba auf dem Weg in die Kabine die Menschen mit seinen Schreien zusammenzucken ließ. Die Energie, die trotz der Niedergeschlagenheit in den Spielern pulsierte. Die Mannschaft war am Boden, aber sie resignierte nicht. Sie kochte vor Wut. Bei allem Drama in der Nachspielzeit und einem fatalen K.o. – es gab nach dem Schlusspfiff zumindest die Anzeichen, dass die Mannschaft lebt und für die Wende kämpft.

Bisheriger Gewinner: Nach sieben Punkten aus elf Spielen kann es kaum Gewinner geben. Doch es gibt sie: Sie heißen Noah Katterbach und Ismail Jakobs. Die beiden Linksverteidiger haben ihre Chancen bislang genutzt. Zwar fällt Katterbach nun zunächst aus, doch der 18-Jährige hat bis zu seiner Verletzung schon vier Einsätze von Beginn an absolvieren können und dabei durchaus zu überzeugen gewusst. Als er nun ausfiel, rückte Jakobs auf und schlüpfte nahtlos in Katterbachs Rolle. Der 20-Jährige gilt als ebenso großes Talent, allerdings bislang als verletzungsanfällig. Gegen Hoffenheim spielte er frech, setzte offensiv Akzente, bewies seine Schnelligkeit und arbeitete auch nach hinten gut mit. Katterbach und Jakobs – zwei Talente, die, wenn sie gesund sind, dem FC weiterhelfen können.

Bisherige Überraschungen: Wenige hätten vor der Saison darauf getippt, dass Rafael Czichos und Simon Terodde zu den wenigen Konstanten beim FC zählen würden. Czichos ist bislang der stärkste Verteidiger beim FC. Er hat zwar auch schon spielentscheidende Fehler gemacht, doch dem Innenverteidiger hatten nicht viele zugetraut, Jorge Meré den Rang abzulaufen. Für Terodde gilt Gleiches in Bezug auf seine Konkurrenten Jhon Cordoba und Anthony Modeste. Der Stürmer profitiert davon, härter zu arbeiten als seine beiden Sturmkollegen. Er trainiert mehr, ist fitter, laufstärker, robuster. Einzig: Zu seinen drei Saisontoren in der Bundesliga hätten längst mehr hinzukommen müssen. Seine Chancenverwertung muss besser werden.

Die Hoffnung nach Hoffenheim: Während sich aus den Überraschungen Czichos und Terodde die Enttäuschungen Meré und Modeste als logische Folge ergeben, bleibt Cordoba davon seit Freitagabend verschont. Denn endlich hat Cordoba ein Bundesliga-Tor für den FC erzielt. Ein Treffer, der eine tonnenschwere Last vom Kolumbianer nehmen dürfte. Im 27. Bundesliga-Spiel für die Geissböcke gelang er ihm endlich. Bereits in der letzten Saison konnte jeder FC-Fan beobachten, welches Selbstbewusstsein aus einem einzigen Tor in Cordoba erwachsen konnte. Darauf ruhen nach seinem Treffer gegen Hoffenheim nun auch die Hoffnungen. Dass der Stürmer die Klasse hat, sich in der Bundesliga zu behaupten, ist unbestritten. Dass er das Selbstbewusstsein dafür haben muss, aber auch. Dieses hatte er in den letzten Wochen nicht. Das könnte sich am Freitagabend geändert haben.

Erkenntnis des Spiels: Frank Aehlig formulierte die Lage des FC nach elf Spieltagen wie folgt: „Schwierig, aber nicht prekär. Prekär wäre die Lage, wenn wir viel weniger Spiele bis zum Ende der Saison hätten. Wir haben jetzt ein Drittel der Saison weg und deutlich zu wenige Punkte. Das stimmt. Aber wir können das noch korrigieren, weil die Saison noch lang ist.“ Der FC liegt mit sieben Punkten auf Rang 17. Doch im Gegensatz zur Abstiegssaison vor zwei Jahren sind die Geissböcke noch nicht abgeschlagen. Mainz (9) und Augsburg (10) auf den Plätzen 16 und 15 liegen in unmittelbarer Schlagdistanz. Davor liegen drei Teams mit elf Zählern (Hertha, Düsseldorf, Bremen). Union hat sich schon 13 Punkte erkämpft. Umso wichtiger werden für den FC die kommenden drei Spiele sein. In Leipzig werden die Geissböcke noch Außenseiter sein. Dann aber kommt der FC Augsburg nach Köln, ehe der FC zu Union Berlin muss. Zwei Spiele gegen direkte Konkurrenten, in denen sich die Geissböcke zurückmelden müssen. Niederlagen wie gegen Mainz oder Düsseldorf werden dann verboten sein. Gleichzeitig bieten die Spiele die Chance, Anfang Dezember wieder mittendrin im unteren Mittelfeld zu sein. Dafür müssen die Kölner aber die richtigen Lehren aus den letzten Wochen ziehen.

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