,

Verordnete Freude: Lieber Zuckerbrot statt Peitsche

Wenn es bei einem Fußballklub einen Trainerwechsel gibt, sind die ersten Aussagen der Verantwortlichen eigentlich vorhersehbar: Man könne viel Freude im Training wahrnehmen, es werde viel gelacht, die Spieler hätten Spaß, man sehe gelöste Gesichter. Auch beim 1. FC Köln war dies am Montag zu beobachten.

Köln – Die Spieler des 1. FC Köln haben nichts zu befürchten. Die Länderspielpause wird ohne harte Maßnahmen im Training vorüber gehen. Zwar ließen die Interimstrainer André Pawlak und Manfred Schmid am Montag über zwei Stunden trainieren, erst körperlich in der Halle, dann mit Ball auf dem Rasen. Doch die Stimmung sollte gut sein. Darauf legten alle großen Wert.

Es wurde tatsächlich viel gelacht, die Spieler hatten selbst bei Sprintübungen ihren Spaß, weil sie spielerisch gelöst wurden. Pawlak und Schmid stehen beide nicht im Verdacht, wie Felix „Quälix“ Magath in Krisenzeiten die Medizinbälle auszupacken und seine Spieler bis an den Rand der Erschöpfung zu schinden. Ein Training pro Tag ist in dieser Woche nur angesetzt. Eine Ausbelastung oder gar ein straffes Anziehen der Zügel als Folge des desolaten ersten Saisondrittels (acht Niederlagen in elf Spielen) wird es nicht geben.

Pawlak und Schmid gleichberechtigte Interimstrainer

Das mag wohl auch daran liegen, dass die Verantwortlichen des 1. FC Köln die beiden Interimstrainer nicht mit der Autorität ausgestattet haben, ernsthafte Konsequenzen ziehen zu können, sollten ihre Spieler nicht mitmachen. Weder Pawlak noch Schmid werden sich in den kommenden Tagen äußern, hieß es. Auch, weil sie aktuell als gleichberechtigte Trainer die Einheiten leiten und die Mannschaft führen würden. Einen Chef auf dem Platz gibt es aktuell also nicht. Der sitzt im Büro und heißt – auch nur vorübergehend – Frank Aehlig. Die Spieler müssen zur Zeit also den Zorn eines Chefcoaches genauso wenig fürchten wie jenen der FC-Verantwortlichen.

Man darf zwar davon ausgehen, dass Aehlig am Samstag und auch am Montag klare Worte in der Kabine an die Mannschaft gerichtet hat. Doch der eigentliche Leiter der Lizenzspieler-Abteilung weiß auch, dass der FC gerade eine Gratwanderung unternimmt: Trainer- und Sportchef-Suche auf der einen Seite, Vorbereitung auf die kommenden Bundesliga-Aufgaben durch ein Interims-Trainerduo auf der anderen Seite. Insofern versuchte Aehlig am Montag, den Spielern eine Gewissenhaftigkeit zu attestieren, dass sich diese ihrer Situation durchaus bewusst seien.

Mannschaft hat vier Trainer in zwei Jahren verschlissen

„Die Spieler sind sehr nachdenklich und in sich gekehrt. Hier macht sich keine Erleichterung breit. Die Mannschaft bedauert, dass es dazu gekommen ist“, sagte Aehlig mit Blick auf den vierten Trainerwechsel in den letzten zwei Jahren (Stöger, Ruthenbeck, Anfang, Beierlorzer). „Jedem ist die Lage bewusst, in der wir stecken.“ Man dürfe nun aber nicht in Betroffenheit verfallen. Vielmehr „müssen wir das aufbrechen, um nach vorne zu schauen. Bei allen Lehren aus der Vergangenheit darf das nicht dominieren.“ Dass die Mannschaft einen Trainer nach dem anderen verschleißt und deswegen harter rangenommen werden sollte, „wäre mir zu einfach“, sagte Aehlig. Und so hat sich der FC zunächst weiterhin für Zuckerbrot statt Peitsche entschieden. Zumindest, bis ein neuer Trainer gefunden ist und somit eine neue Autorität und Hierarchie eingeführt ist. Der neue Trainer wird dann entscheiden, welcher Umgang mit den Spielern in den kommenden Wochen und Monaten zum Erfolg führen könnte.

17 Kommentare
  1. Holger says:

    Es ist zu befürchten, dass leider auch unter dem neuen Trainer die Zügel nicht angezogen werden.
    Ich finde es nicht gut, aber ich habe ja als Fan keine Ahnung :-)
    Ich weiß nur, dass ich nicht weiter so arbeiten kann, wenn mein Arbeitgeber mit meiner Arbeit nicht zufrieden ist, dann muss sich etwas ändern oder mein Arbeitgeber ist pleite oder ich muss mir einen neuen Job suchen, bevor mein Arbeitgeber pleite ist.
    Nun gibt es einen Unterschied zwischen dem FC und meinem Arbeitgeber….der FC scheint mit den Spielern NOCH IMMER nicht unzufrieden zu sein, man trennte sich vom Trainer ja auch NUR weil die Punkte fehlten, ergo läuft ja alles tutti :-)
    Also, beim FC und deren Mitarbeiter muss sich nichts ändern, nur die blöden Punkte fehlen halt.

  2. Klaus Höhner says:

    Das ist doch Blödsinn, klar muss sich was ändern willst du nun alle Spieler verjagen geht auch nicht also muss was anderes geändert werden. Und da bleibt nur der Trainerwechsel, der immer irgendwelche Impulse frei, vor allen Dingen muss ein Trainer her der die Liga kennt und weiß wie Bundesliga geht und fa bleibt nur Dardei.

      • ichfreuemich says:

        Das ist ja auch Unfug. Natürlich werden die Methoden hinterfragt. Auf der anderen Seite stellt man ja keinen neuen Trainer ein, um direkt seine Methoden zu hinterfragen. Er muss ja auch erst mal beweisen, dass er mit seinen Methoden die Mannschaft richtig einstellen kann. Da AB dies anscheinend nicht nachhaltig geschafft hat, ist ihm gekündigt worden. Es ist ja auch nicht so, dass AB ein Fußballamateur ist. Er hat ja auch eine erfolgreiche Vita. Es fehlte letztendlich etwas Glück und wahrscheinlich war die ein oder andere Aufstellung nicht glücklich. Das kann man aber im nachhinein vom Sofa aus immer gut bemängeln. Wir waren alle nicht die ganze Zeit beim Training dabei.

        • Holger says:

          Bullshit!
          Glück?
          Es fehlt an vielem und Glück ist das i Tüpfelchen.
          Mich erschreckt einfach nur die Aussage, dass man mit AB zufrieden war und nur die Ergebnisse fehlten.
          Der Express (das ich dies jemals wirklich sage hätte ich nie gedacht), hat dazu treffend geschrieben…..“Es macht den Eindruck, als ob Trainer kommen und gehen beim 1. FC Köln – aber die Mannschaft ist schnell immer aus allem raus. Dass man auf den Ernst der Lage auch mal mit intensiverer Arbeit oder gesteigerter Konzentration auf den Job reagieren könnte, diesen Eindruck hat man bei diesem Verein allzu selten“
          Und das ist es auf den Punkt gebracht!
          Glück hat der Tüchtige und nur wer daran arbeitet verbessert etwas.

          • major says:

            Ich bitte Dich, wer mit 30 als Stürmer einen 10-Jahres-Vertrag bekommt, der muss ja wohl SOWAS von tüchtig sein…

            Oder lag das an dem Amateur, der vor den amtierenden Amateuren bei einer ansonsten weitgehend unerheblichen Gala einen auf dicke Hose machen wollte ?

  3. Robert H. says:

    Ach, come on everybody.
    Holgi ist bestimmt auch Trainer oder war es einmal, sonst könnte er ja nicht so stichhaltig hier „hinterfragen“, soll heißen alle Spieler in Schutt und Asche schreiben.

    Man muss ja auch keinen Spieler verjagen, sondern kann sie gleich über den Haufen schießen. „Hörzu, Junge. Siehst du die Kalaschnikow? Noch ein falscher Move, und das wars dann für dich…“

    Sorry, aber ich finde, so ein Userbashing muss ab und zu auch mal sein…

    • Holger says:

      Mach mal Robert.
      Nur das ich nichts gegen die Spieler schreibe sondern gegen die Verantwortlichen die mit dem Training zufrieden sind. Ich bemängelte, falls Du es richtig liest, die lässige Trainingsgestalltung.
      Bevor dort nichts passiert, ändert sich nichts.
      Die Mannschaft hat allemal das Potenzial den Klassenerhalt zu schaffen es ist aber faktisch, dass sich die Spieler rückwärts entwickeln und dafür muss man nicht studiert haben :-)
      Und wenn Du Vollexperte wirklich der Meinung bist, das AB nur kein Glück hatte, dann tust Du mir wirklich leid….
      Sorry…., aber ich finde, so ein Userbashing muss ab und zu auch mal sein :-)

  4. Dieter says:

    Wenn in zwei Jahren der fünfte Trainer geholt wird, geholt werden muss, dann darf man auch den ein oder anderen Spieler in Frage stellen. Hut ab vor dem Trainer der sich das zutraut, dass kommt ja einem Himmelfahrtskommando gleich. Erst mal Peitsche, um sich Zuckerbrot zu verdienen ;-) Das hat man sich doch förmlich erbettelt. Schmusekurs war gestern !

    • major says:

      Ein frommer Wunsch, allein der Glaube fehlt, daß das einer schafft.

      Die Chance auf einen Glückstreffer steigt nicht mit jedem Trainer, sondern sinkt, weil kein seriöser Coach mehr hier antreten will. Zu sehr Fahrstuhl, zu sehr Drehtür, zu sehr verkrustete Struktur und das ganze von drei Amateuren und einem Heckenschützen im Mitgliederrat geführt. Danke, dann lieber Mainz 05 ;)

  5. Max Moor says:

    Danke Dieter , endlich Leute mit Verstand hier . Ich kann einige hier einfach nicht mehr lesen . . die schreiben sone Dünnpfiff da ist nur der Trainer schuld oder ein Modeste usw . . und sonst ist Alles gut . Da kann man sich nur an den Kopf fassen wie Dumm doch die Menschen geworden sind ! Wenigstens gibs hier noch Fans wie Dieter die mal klare Ansage geben und nicht alles Sonnig sehen

    • major says:

      Ich hab schon bei der Niederlagenserie von Anfang kurz vor dem Aufstieg die Mannschaft in der Verantwortung gesehen.
      Die Spitzelaffäre hat doch gezeigt, wie (erfolglos) man die Blockadestrukturen knacken wollte. Oder das „Kurzinterview“ von Drex, der meinte, die Fragen können „die Stars beantworten“.
      Da ist seitdem NICHTS geändert worden.

  6. Olaf Krüssel says:

    Ich bin echt enttäuscht und sauer und was weiß ich noch!!!
    Ich bin kein Funktionär!
    Auch kein Trainer!
    Nur Fan!
    Nur ein treuer Fan seit Jahren!
    Ach seit Jahrzehnten!
    Darum als Effzeh Fan Kummer gewohnt.
    Aber ganz ehrlich habe ich echt Bammel das der Klüngel irgendwann mal schief geht!!!
    Ich träume Nachts schon von Mannschaften wie Freiburg und seinen genialen Trainer!!!
    Wie lange ist der schon da?
    Von den sogenannten Bauern und diesem cleveren LandBetriebsWirt Eberl.
    Wie lange noch oder schon?
    Selbst Fortuna hat fortune oder einfach einen coolen Fuchs nee Funkel mit einer kämpferischen Manschaft hinter sich und Schäfer ade!!!
    Und die sogenannten Büffelherde der Adi macht einfach da weiter wo der Nico aufgehört hat.
    Nicht die Beletage aber auch nach Ab und Aufs wenigstens mit Struktur und Herz und einer gewissen Entwicklung und Konstanz.
    Oder ist das nur Glück???
    Und wir Pech und der Fußball Gott ist gegen uns!!!
    Nix mit am 8 Tag schuf Gott den Effzeh.
    Was läuft in meinem Herzens Klub???
    Und wie lange noch???????!
    Und dann wird es zum Albtraum……
    Ich sehe vor meinem Geistigen Augen die H96‘s und Krefelds dieser Welt.
    Die 1860er und armen roten Teufel.
    Cottbus Wattenscheid und SC Westfalia Goldin 04 Herne.
    Gibt es hier Leute mit ähnlichen Albträumen?

  7. Ottla says:

    Bin mittlerweile ein radikaler Verfechter eines englisch-professionalisierten 1. Fussballclubs Köln! Abgeriegeltes Trainingszentrum, in dem man Spieler auch jenseits des Kern-Trainings an einem 6-8 Stunden-Tag beschäftigt – auch „ernährt“ etc. – und vor allem: ein Ende der Einflussnahme von allen Seiten – besonders derer, die meinen, sie würden es im Sinne der „Tradition“ tun – was heute Tradition ist, war gestern Innovation: Franz Kremer hat 2 Klubs miteinander fusioniert (gegen heftige Widerstände von Traditionalisten, weil er Meister werden wollte! – der FC war quasi ein geplantes Erfolgsprojekt – wenn man so will ein RB der 50er! So wie es jetzt läuft, mit dem Volksfest-GBH, mit den „Strukturen-für-Alle“… und das in Kombination mit der Stadt… das wird NIEMALS langfristig etwas geben, wenn es sich nicht ändert – nie-mals! Eher werden wir so ein 2ter FCK als ein neues BMG…

Dein Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar