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Die Unerfahrenheit kostet Köln Kopf und Kragen


Paderborn, Mainz, Saarbrücken, Düsseldorf – diese vier Spiele sollten beim 1. FC Köln die Wende herbeiführen. Stattdessen haben sie den FC nur noch tiefer in die Misere gestürzt. Achim Beierlorzer wackelt als Trainer so sehr wie seine Spieler am Sonntag im Derby in Düsseldorf. Unerfahrenheit allenthalben kostet Köln dieser Tage Kopf und Kragen. Der Klub wird deshalb reagieren müssen.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Es war ein echtes Bundesliga-Derby. Das merkte jeder am Sonntag in Düsseldorf. Doch nicht jeder wusste damit umzugehen. Der 1. FC Köln verlor das Derby bei der Fortuna auch deswegen, weil das Team nicht bereit war für den Fight gegen den Erzrivalen. Doch wie konnte das sein? Die nackten Zahlen zeigten doch: Nach dem frühen Wechsel (Höger für Katterbach in der 6. Minute) standen sich die Erfahrungen aus 537 (Düsseldorf) und 500 (Köln) Bundesliga-Spielen gegenüber.

Die Erfahrung hätte also eigentlich gleich verteilt sein müssen. Wie so oft zeigten die 90 Minuten am Sonntag aber, wie sehr Statistiken täuschen können. Beim 1. FC Köln verteilten sich 447 der 500 Bundesliga-Spiele auf Timo Horn (129), Jonas Hector (127), Marco Höger (147) und Simon Terodde (44). Die sieben anderen Spieler dagegen spielen ihre erste Bundesliga-Saison. Bei der Fortuna dagegen stand mit Zackary Steffen im Tor nur ein Düsseldorfer in der Startelf, der vor dieser Spielzeit noch nie in der Bundesliga gespielt hatte. Zudem hatte Trainer-Fuchs Friedhelm Funkel mit Oliver Fink (37), Adam Bodzek (34) und Rouwen Hennings (32) drei Routiniers in die Anfangsformation beordert, die über ihre Bundesliga-Zeit hinaus auch jeweils über 200 Zweitliga-Spiele bestritten haben. Gleiches galt für Spieler wie Jean Zimmer oder Niko Gießelmann, die in ihrer Karriere ebenfalls mehrere Hundert Zweitliga-Spiele auf dem Buckel haben und wissen, was es bedeutet sich Siege zu erkämpfen.

Kölner Bundesliga-Lehrlinge von Funkel & Co. abgekocht

Der 1. FC Köln dagegen zahlte einmal mehr Lehrgeld. Die Spieler auf dem Platz, aber auch der Trainer am Seitenrand. Achim Beierlorzer musste einmal mehr erkennen, dass seine Worte unter der Woche ungehört verhallt waren. Sein geforderter Mut war nur selten zu sehen, viel mehr Nervosität und Gereiztheit ob der harten, grenzwertigen, aber Derby-gerechten Gangart der Düsseldorfer. Funkel kochte Beierlorzer ebenso ab wie Fink, Bodzek, Hennings und Co. die Kölner Bundesliga-Lehrlinge. Fortuna-Sportvorstand Lutz Pfannenstiel verriet hinterher, Funkel habe seine Mannschaft dazu aufgefordert, die Kölner Verunsicherung von der ersten Minute an weiter zu befeuern. Das gelang. Und dabei war es kein Zufall, dass die erfahreneren Kölner noch zu den besseren Geissböcken zählten.

Beierlorzer hatte diese Erfahrung fehlender Erfahrung schon im Pokal in Saarbrücken machen müssen, als er mit Terodde und Czichos zwei Spieler aus der Mannschaft genommen hatte, die sich in einer dreckigen Pokal-Atmosphäre durchaus wohl gefühlt hätten. Am Sonntag musste er erkennen, dass er gar nicht viele andere Möglichkeiten gehabt hätte, seine Startelf zu benennen. Der Kader gibt an Bundesliga-Erfahrung nicht viel mehr her – schon gar nicht in Verbindung mit Formstärke. Und so kam es, wie es nach den bitteren Spielen in Mainz und Saarbrücken kommen musste – die Kölner Unerfahrenheit auf dem Platz wie auch auf der Trainerbank kostete wie schon so häufig in dieser Saison die Punkte.

Was bleibt? Eine Trainerdiskussion, die jeden Tag an Wucht zunehmen dürfte. Ein Sportchef, der nicht mehr alleiniger Entscheider im operativen Geschäft ist. Ein Spielplan, der in den nächsten Wochen mit den Duellen gegen Hoffenheim (vier Siege in Folge) und Leipzig (zuletzt 6:1 gegen Wolfsburg und 8:0 gegen Mainz) wieder deutlich schwerer wird. Eine Tabellenkonstellation (sieben Punkte, 17. Platz), die sich besser liest als vor zwei Jahren (zwei Punkte, 18. Platz), weil man zumindest den direkten Anschluss an das untere Mittelfeld weiterhin hat. Und eine Länderspielpause, die prädestiniert dafür ist, Trainerwechsel vorzunehmen, sollten sie nötig sein. Die FC-Bosse müssen sich nun dringend mit dieser Frage auseinandersetzen. Vor zwei Jahren verpasste man den richtigen Moment, den Stecker noch rechtzeitig zu ziehen und neu anzufangen. In dieser Saison ist man noch nicht so tief gefallen, als dass man die Lage nicht wieder retten könnte. Doch dafür müsste man sich eingestehen: Stand heute ist das Experiment mit Achim Beierlorzer, das so sympathisch und euphorisch im Sommer begonnen hatte, gescheitert. Auch, weil es überall an der nötigen Erfahrung fehlt.

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