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Emotionaler Heldt: „Leck mich am Ärmel, es ist schön“


Horst Heldt hat am Dienstagmittag am Geißbockheim seine Arbeit als neuer Geschäftsführer Sport des 1. FC Köln aufgenommen. Der 49-Jährige stellte sich zusammen mit dem neuen Chefcoach Markus Gisdol der Öffentlichkeit vor. Dabei betonte er, wie viel es ihm als ehemaligem FC-Profi bedeute, wieder für die Geissböcke zu arbeiten.

Köln – Um kurz nach elf Uhr war Heldt am Dienstag zusammen mit Gisdol am Geißbockheim vorgefahren. Anschließend traf der neue Sportchef zusammen mit dem neuen Chefcoach auf die Mannschaft. Danach ging es gemeinsam mit Präsident Werner Wolf und Geschäftsführer Alexander Wehrle zur Pressekonferenz. Dort sprach Heldt über…

…die Bedeutung seiner Rückkehr zum FC: „Ich freue mich außerordentlich, dass ich hier sitze. Jeder weiß, dass der FC für mich eine Herzensangelegenheit ist. Das sind nicht nur Worte für mich. Ich habe hier zehn Jahre beim FC verbracht. Ich habe hier meine Karriere begonnen, habe das ‚Mach et, Otze!‘ selbst miterlebt, habe im Pokalfinale gestanden, damals aber nicht den Arsch in der Hose gehabt selbst zum Elfmeter zu gehen. Es war mein Traum, noch einmal für meinen Klub arbeiten zu können. Ich hatte immer wieder den Drang zurückzukommen. Am Ende hat es mehrfach nicht funktioniert. Dass es 2017 nicht geklappt hat, dazu habe auch ich meinen Teil beigetragen. Umso glücklicher bin ich, dass es jetzt geklappt hat. Für viele Menschen ist es selbstverständlich, den Dom zu sehen. Für mich war es das lange Zeit nicht. Ich muss niemandem die Emotionalität dieses Klubs erklären. Daraus können wir viel Kraft ziehen. Jetzt muss ich schlucken und es ist einfach etwas sehr Schönes für mich. Ich will die Menschen überzeugen, sodass sie sagen: Leck mich am Ärmel, es ist schön, mit dem Heldt zu arbeiten.“

Im Fußball liegt noch einiges im Argen

…den Prozess bis zu seiner Ernennung: „Ich bin sehr dankbar, dass die Gremien sich für mich ausgesprochen haben und ich werde alles tun, um mit Alexander Wehrle und den Gremien erfolgreich zusammenzuarbeiten. Eine One-Man-Show ist nicht mehr zeitgemäß und wird es mit mir nicht mehr geben. In der freien Wirtschaft sind Headhunter gang und gäbe, im Fußball liegt dagegen noch einiges im Argen. Deswegen war ich froh, die ersten Gespräche mit dem Personalberater zu führen. Dabei habe ich selbst einiges gelernt. Der Prozess verlief sehr professionell, auch über mehrere Runden. Das ist legitim und richtig, und ich habe den Prozess als sehr gut empfunden.“

…die ersten Schritte als neuer Sportchef: „Wir haben am Montag lange zusammengesessen. Die Tage und Nächte werden nun länger werden, weil wir die Mannschaft und Mitarbeiter schnell näher kennen lernen wollen. Wir werden kurzfristige und langfristige Entscheidungen treffen. Dafür müssen wir aber erst einmal einen Überblick bekommen.“

…die kurzfristigen Ziele mit dem FC: „Erstens müssen wir besseren uns erfolgreicheren Fußball spielen. Ich glaube, dass die Mannschaft gut besetzt ist, nur einige Dinge eben nicht gut geklappt haben und auch Dinge von außen hinzu gekommen sind wie ein schwieriger Spielplan oder Situationen, in denen man sich ungerecht behandelt gefühlt hat. Die Probleme im Kopf werden wir nicht durch Handauflegen klären können. Die Spieler müssen sich öffnen und sich helfen lassen. Abgesehen davon haben wir aber auch eine Aufgeregtheit um den Klub herum. Viele Menschen machen sich Sorgen. Niemand will einen Abstieg mit begleiten. Wir müssen deshalb auch Ideen entwickeln, wie wir wieder zu einer Einheit werden können. Es fühlte sich von außen so an, dass das nicht der Fall ist. Daran müssen wir alle arbeiten. Denn nur gemeinsam können wir die Situation bewältigen.“

Ich war in die Entscheidung für Markus Gisdol involviert

…die Ernennung von Markus Gisdol als FC-Trainer: „Markus und ich kennen uns schon. Ich war in die Trainerfindung bereits ein Stück weit involviert. Der Gemeinsame Ausschuss hat mich um meine Meinung gebeten. Natürlich war Markus einer Derjenigen, mit denen ich mir eine Zusammenarbeit hätte vorstellen kennen. Er ist ein hervorragender Trainer und weiß, wie er eine Mannschaft führen muss. Wir haben auf Schalke erfolgreich zusammengearbeitet. Wir haben in unserer jetzigen Situation nicht viel Zeit, deswegen ist es gut, dass Markus und ich uns nicht finden müssen. Unsere Erfahrung wird hilfreich sein, sofort in die Vollen zu gehen. Deswegen war es eine kluge Entscheidung, Markus zu verpflichten. Und natürlich war ich am Ende in die Entscheidung involviert.“

…die gemeinsame Zeit Gisdol/Heldt auf Schalke: „Markus war damals die absolute Wunschlösung von Ralf Rangnick als dessen Co-Trainer. Als dann Ralfs Agent mir mitgeteilt hat, dass Ralf nicht mehr arbeiten kann, war ich darauf angewiesen schnell eine Lösung zu finden. Bei Markus konnte man schon sehen, dass er viel Fußballsachverstand hat. Dennoch war ich überzeugt, dass wir jemanden von außen brauchen und haben Huub Stevens verpflichtet. Danach hatten wir eine sehr erfolgreiche Zeit und haben uns als klammer Klub für die Champions League qualifiziert. Trotzdem war irgendwann das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft nicht mehr so, wie es sich anfühlen sollte. Deshalb habe ich entschieden, den kompletten Schnitt zu machen und nicht Markus, sondern Jens Keller zum Cheftrainer zu machen.“

…die Entwicklung von Markus Gisdol als Trainer: „Er hat den richtigen Schritt gemacht von Assistenten zum Chef. Markus steht für eine moderne Art von Fußball. Ich freue mich, dass wir jetzt wieder zusammenkommen. Er kann vielseitig agieren, lässt sich nicht in ein System pressen, sondern findet den richtigen Ansatz, um das bestmögliche System für eine Mannschaft zu finden. Wir beide haben eine Idealvorstellung, wie man Fußball spielen lassen sollte, aber die Gegebenheiten sind immer unterschiedlich. Wir haben Abstiegskampf und nicht Champions League. Da gilt es andere Ansätze zu finden, um erfolgreich zu sein. Markus ist sehr flexibel als Trainer und mir gefällt sein Führungsstil. Die erste Ansprache heute an die Mannschaft hat mir schon sehr gut gefallen. Da wäre ich sehr gerne selbst noch mal Spieler, um am Samstag in Leipzig den Gegnern vors Schienbein zu treten.“

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