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Cordoba besiegt seinen ganz persönlichen Augsburg-Fluch

Jhon Cordoba steht nach dem 1:1 (0:1) des 1. FC Köln gegen den FC Augsburg im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Der Kolumbianer vereint vieles auf seiner Person, das auch auf den FC zutrifft: lange Zeit viel Pech, aber auch viele Emotionen und viel Hoffnung.  Dass er nun ausgerechnet gegen Augsburg traf, passt in seine persönliche Historie beim FC.

Köln – Ein Rückblick auf die Saison 2017/18. Jhon Cordoba war gerade zum 1. FC Köln gewechselt. Es war der dritte Spieltag. Köln musste beim FC Augsburg ran, nachdem der Saisonstart mit zwei Niederlagen in die Hose gegangen war. Schnell lagen die Geissböcke auch in Augsburg mit 0:1 zurück. Doch dann kam die Szene, die alles hätte zum Positiven verändern können – tatsächlich aber zum noch viel Negativeren beitrug. Cordoba spielte neben Yuya Osako im Sturm, hatte bis dato noch nicht getroffen, wartete auf seinen Durchbruch. Es lief die 31. Spielminute – und plötzlich klaute der Kolumbianer seinem Gegenspieler Martin Hinteregger den Ball im Augsburger Spielaufbau.

Cordoba zog einen Sprint an. Niemand konnte ihm folgen. Alleine lief er auf Marwin Hitz zu. Neben ihm tauchte nur noch FC-Stürmer Osako auf, und so schien es eine klare Sache. Cordoba und Osako alleine gegen Torhüter Hitz, ein Querpass des Kolumbianers im richtigen Moment und der Japaner würde den Ball nur noch ins leere Tor schieben. Es stünde 1:1, Cordoba hätte seinen Scorerpunkt für den FC, hätte sich belohnt für seine Arbeit, hätte das erste Mal echtes Selbstvertrauen getankt. Doch dann passierte, was nie hätte passieren dürfen: Cordoba passte quer – und passte ins Toraus. Abstoß statt Anstoß. 0:1 statt 1:1. Und es kam noch schlimmer: Aus dem Abstoß wurde im sofortigen Gegenzug ein Elfmeter für Augsburg, es stand 0:2.

Tor gegen Hoffenheim – Bank in Leipzig

Von dieser Szene erholten sich weder der Stürmer noch der FC. Zwar traf Cordoba beim FC Arsenal, doch darauf folgten zwei schwere Muskelverletzungen, Monate des Frusts und der Zweifel. In die Zweite Liga ging Cordoba mit dem FC nur, weil es finanziell keine andere Option gab. Der Kolumbianer hatte einen gültigen Vertrag, niemand hätte für den Angreifer auch nur ein paar Millionen Euro auf den Tisch gelegt, geschweige denn den Geissböcken das investierte Geld wieder eingebracht. Und so lag die Hoffnung auf Liga zwei und auf Markus Anfang. Tatsächlich brachte Anfang Cordoba wieder in die Spur, machte aus dem 17-Millionen-Mann wieder ein Stürmer, der diese Bezeichnung verdiente. 20 Tore standen am Saisonende, dabei teils überragende Leistungen, nicht nur als Abschlussspieler, sondern auch im Spielaufbau und im Spiel gegen den Ball.

Zurück in der Bundesliga aber folgte zunächst wieder die Ernüchterung. Erst gegen 1899 Hoffenheim, nach 26 torlosen Bundesliga-Einsätzen für den FC, traf Cordoba. „Darauf habe ich sehr lange gewartet“, sagte der Stürmer – und musste doch im folgenden Auswärtsspiel bei RB Leipzig unter dem neuen Trainer Markus Gisdol die gesamten 90 Minuten von draußen verfolgen. Ein Schlag ins Gesicht für den Angreifer, genauso wie nun gegen Augsburg, als er erneut nicht von Anfang an auflaufen durfte. Wie tief der Frust saß, konnte jeder nach Cordobas Einwechslung am Samstag beobachten. „Er war total sauer, das er nicht spielt“, verriet Gisdol hinterher und lobte den Stürmer für dessen Reaktion. „Jhon hat eine enorme Energie auf den Platz gebracht. Wir hatten die Hoffnung, dass mit ihm der notwendige Schub kommen würde. Ich freue mich, dass er das Tor gemacht hat.“

Seit Jhon hier im Verein ist, ist es für ihn ein ständiges Auf und Ab

Die Mitspieler überschlugen sich hinterher mit dem Lob. Nicht nur Elfmeter-Held Timo Horn fühlte sich an die Zeit erinnert, in der es für den Stürmer nicht lief. „Seit Jhon hier im Verein ist, ist es für ihn ein ständiges Auf und Ab. Aber wie er das Tor macht, war ein Kraftakt, ein Willensakt, und es war enorm wichtig für uns.“ Dominick Drexler nannte Cordoba „ein Monster“, der dem Team gut tue. „Dieser Impuls mit seiner Wucht war für uns sehr wichtig, und Jhon wird weiter wichtig für uns sein“, prophezeite der Mittelfeldspieler. „Das kennen wir schon aus der letzten Saison.“

Im Vergleich zu seinen beiden Sturmkollegen Terodde und Modeste dürfte sich Cordoba nun zunächst einen Vorteil erarbeitet haben. Mit seinen beiden Toren gegen Hoffenheim und Augsburg hat der 26-Jährige nun zwei Tore in zwei Spielen erzielt. In der Vorsaison hatte zu ähnlicher Zeit sein Lauf begonnen, mit dem er den FC zurück in die Bundesliga schoss. Nun soll er helfen, den Geissböcken die Klasse zu halten. „So, wie Jhon das gemacht hat, muss man das machen. Er hat die Antwort geliefert, die es braucht, wenn man nicht spielt. Wir brauchen diese Schritte nach vorne bei jedem einzelnen Spieler.“ Cordoba als Vorbild für den Rest der Mannschaft – nun, da er sein Trauma Augsburg hinter sich gelassen hat, soll er das Kölner Gesicht der Hoffnung im Abstiegskampf werden.

18 Kommentare
  1. Christ Walker says:

    Wer hätte noch vor 18 Monaten gedacht, dass es mal Cordoba sein wird, der sich in einem komplett trostlosen Bundesligakick als Einziger sichtbar gegen die Niederlage stemmt?

    Wie es um die Mannschaft bestellt ist, hat man am Samstag gesehen. Sie lebt, ist aber völlig verunsichert. Dazu fehlt der klare Plan. Gegen ersteres hilft nur ein Sieg, gegen letzteres hoffentlich die Winterpause.

    Ich hoffe, dass es das endgültig für Höger in der Startelf war. Er selbst war ja auch schon in Liga 2 nicht mehr gut, gab der Mannschaft aber Stabilität. Momentan ist er so ziemlich der Schlechteste auf dem Platz und hilft der Mannschaft nicht mit seiner Anwesenheit.
    Das 4-4-2 mit Raute war ein netter Versuch. Stuttgart spielt ja z.B. ganz ähnlich, aber auch das ist mMn gescheitert, weil man es wieder nicht geschafft hat das Zentrum zu schließen.
    Gegen Union würde ich mir Schaub, Hector und Skhiri in der Zentrale wünschen. Dazu Cordoba als einzige Spitze und erstmal auf Sicherheit bedacht sein. Vielleicht haben wir dann ja mal ein wenig Spielglück auf unserer Seite. Insbesondere Hübner und Subotic sollten Cordoba liegen. Beide wenig wendig und recht langsam.

  2. Harley says:

    Christ , ist bei Dir schon Bescherung? Dieser Trainer hat doch auch keinen Mut etwas zu ändern. Höger wird spielen weil Hector nicht an Bord ist. Nimmt er die Jungen ran und es geht in die Hose, war das dann auch wieder nicht richtig. Man setzt halt dann auf mehr Erfahrung.. ..Nur was ich am Samstag gesehen habe , hatte auch nichts mit Erfahrung zu tun. Fußball zum abgewöhnen, schlimmer geht es nicht mehr. Mein Tipp für Sonntag 4: 0 für Berlin. Leider.

    • Christ Walker says:

      Ahjo stimmt die 5. Gelbe. Ganz vergessen. Ja das könnte in der Tat Höger bedeuten. Wenn man Högers Lobby bedenkt und die Tatsache, dass sich auch Verstrate nicht grad aufgedrängt hat für weitere Einsätze, läuft es bestimmt auf Höger hinaus. Oh weh

  3. OlliW says:

    Ich habe auch das Gefühl, dass Högi einfach eine gewisse „Hausmacht“ hat. Als Typ ist er auch völlig okay. Identifikation nehme ich im auch ab. Aber spielerisch und zum Teil vom Kampf her ist es nicht genug. Dennoch gehe ich davon aus, dass er auch am Sonntag spielen wird. Zumindest gehört er zum Kader. Ebenso Modeste. MG muss aber wohl auch jetzt begriffen haben, dass Cordoba und Terrodde die richtige Option sind.

    Es ist auch leider so, dass nur ein Sieg in Berlin am Sonntag wirklich weiterhilft. Und das umso mehr, wenn die Konkurrenz auch wieder Federn lässt. Geht das Spiel bei Union verloren, droht sich schon eine größere Lücke zu den rettenden Plätzen auf. Und psychologisch ist es immer besser, wenn die nicht schon gleich so groß wird. Schlimm genug, dass wir selbst bei einem Sieg an der alten Försterei auf 17 bleiben, wegen des miesen Torverhältnisses.

    Doch ich gehe mit, wenn man sagt, man soll jetzt keine Endspiele ausrufen. Es ist noch nicht vorbei nächste Woche. Übernächste und zu Weihnachten auch nicht. Vier Unentschieden wären mehr wert als drei Niederlagen und ein Sieg (nicht nur rechnerisch jetzt).

    • OlliW says:

      Kleiner Naschschlag:
      Schon bedenklich, dass man mit einer gewissen Angst zu Union fährt und viele, inklusive der Buchmacher von Wettbüros, von einer Niederlage des FC ausgehen. Was ist nur aus uns geworden! Union steht nicht nur besser da als gedacht. Sie stehen besser da als mancher Bundesligist, der von Europa faselt (Werde, Hertha). Dabei ist Union ein Aufsteiger, der relativ passiv in die 1. Liga kam, weil u.a. der FC und vor allem der HSV Federn gelassen hatte und Stuttgart sich in der Relegation relativ flach auf den Boden gelegt und ergeben hatte. Grundsätzlich finde ich es super mit Union. Aber wir müssen uns die sechs Punkte eigentlich holen. Unglaublich, dass man so sehr daran zweifeln muss!

  4. Karl Heinz Lenz says:

    Als Jhon das Tor machte, war ich vor Freude außer mir. Klasse gemacht! Dennoch hat Karsten Baumann mit dem Recht, was heute im Express stand:

    Ex-FC-Profi Karsten Baumann (50/von 1988 bis 1998 mit 247 Pflichtspielen für Köln) reagierte auf Twitter genervt, schrieb: „Da macht der Cordoba das 1:1 und jubelt danach drei Minuten. Ball aus dem Tor holen und nachlegen!“

    Plus gelbe Karte. Für einen Spieler, der eigentlich jedes Spiel machen will.

    Wir sollten uns wegen des Spiels gegen Union nicht in die Hosen machen. Das ist kein Endspiel und auch kein Sechs-Punkte-Spiel. Das sind beides Worte, die – wenn man drüber nachdenkt – nicht stimmen und Mannschaft und Umfeld nur verrückt machen. Die Saison ist noch lang. Gisdol und Heldt werden die Mannschaft nur Schritt für Schritt auf die Beine bringen. Und: Der FC ist nicht mehr das „Real des Westens“. Das macht mir im Augenblick nicht viel aus. Ich habe auch Freude am brutalen Abstiegskampf. Bis zur letzten Patrone am 34. Spieltag. Hauptsache, unsere Jungs und der Verein samt Fans gehen diesen Weg mit erhobenem Haupt. Nicht spürbar anders, sondern Männerfußball.

    • Harley says:

      Anstatt immer so ein Geschwafel zu schreiben sollten Sie besser mal ins Stadion gehen. Wenn ich schon so einen Schwachsinn lesen muss, Gisdol und Held werden die Mannschaft nur Schritt für Schrittt….na klar wir haben ja noch 80 Spiele die Zeit dafür.

    • Harley says:

      Ball aus dem Tor holen , und dann den Gegentreffer bekommen ? Auch mal darüber nachgedacht ? Augsburg war dem zweiten Treffer näher als der FC. Ich war froh das er durch seinen Jubel etwas Zeit von der Uhr genommen hat. Ihr Sesselexperten ..

      • Karl Heinz Lenz says:

        Ob Gisdol und Heldt die Mannschaft wirklich auf die Beine bekommen werden, das weiß ich natürlich nicht. Das weiß keiner. Wenn sie es schaffen sollten, dann wird das aber nur Schritt für Schritt gehen. Ich glaube nicht an ein schnelles Wunder. Solche Spiele wie gegen Augsburg werden wir wahrscheinlich noch oft sehen. Der Unterschied zwischen Ihnen und mir ist vielleicht der, dass Sie sich dringend und von Herzen endlich wieder einmal einen guten FC wünschen, während mir es im Augenblick leichter fällt, sich mit den kleinen Hoffnungszeichen zu befreunden, die ich im Augsburg-Spiel glaube gesehen zu haben. Wie heißt es: Jede Jeck es anders!

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