,

Verheerende Bilanz: Routinier Höger in der Kritik


Marco Höger steht immer stärker in der Kritik. Der Mittelfeldspieler des 1. FC Köln geriet mit den Geissböcken in dieser Saison bislang übel unter die Räder. Neu-Trainer Markus Gisdol bot den 30-Jährigen trotzdem drei Mal in Folge von Beginn an auf. Nun aber könnte enden, was in Teilen schon an die Nibelungentreue von Peter Stöger zu Matthias Lehmann erinnerte. Högers persönliche Bilanz in dieser Saison ist verheerend.

Köln – Wenn Marco Höger in dieser Saison von Beginn an auf dem Feld stand, holten die Geissböcke in sieben Spielen nur einen Punkt. Und diesen Punkt – am 13. Spieltag beim 1:1 gegen Augsburg – verdiente sich der Effzeh erst, nachdem Höger bereits in der Halbzeitpause beim Stand von 0:1 nach schlechter Leistung und Gelb-Rot-gefährdet ausgewechselt worden war. Ansonsten gab es gegen Wolfsburg (1:2), Bayern (0:4), Hertha (0:4), Düsseldorf (0:2, in der 4. Minute für Katterbach eingewechselt), Leipzig (1:4) und Union (0:2) nur Niederlagen, zu allermeist nach schwachen bis peinlichen Leistungen des FC.

Nun war Höger freilich nicht alleinig schuldig an den Niederlagen. Der Sechser musste auch immer wieder ausbaden, was seine Nebenleute vermasselten. Das Problem aber wurde in den letzten Wochen immer deutlicher: Höger kann die Fehler seiner Mitspieler in der Bundesliga nicht mehr ausbügeln, denn ihm unterlaufen selbst immer häufiger grobe Schnitzer. Der 2016 vom FC Schalke 04 nach Köln gewechselte Mittelfeldspieler konnte sich lange Zeit auf sein gutes Passspiel und eine gewisse Zweikampfhärte verlassen. Doch schon in der letzten Saison in Liga zwei wurden seine läuferischen Defizite offensichtlich. Weniger die Laufdistanz an sich, in der Höger auf 90 Minuten immer noch mit rund 11,2 Kilometern geführt wird. Sein Problem sind die kurzen Strecken, die Antritte, die Spritzigkeit, das Tempo – nicht nur gegen, sondern auch mit dem Ball.

Tempo-Defizite defensiv wie offensiv

In der Rückwärtsbewegung kann Höger entstehende Löcher nicht mehr zulaufen, kommt häufig in Zweikämpfen zu spät, die Abstände zwischen ihm und seinen Mitspielern stimmen nicht mehr. Die Bundesliga, in den letzten Jahren noch schneller und physischer geworden, hat Höger in Sachen Tempo abgehängt. Und das nicht nur in der Defensivarbeit. Auch im Spiel nach vorne fehlt dem Sechser inzwischen die Spritzigkeit, um sich vom Gegner zu lösen, um sich mit Tempo in freie Räume zu bewegen, um dort genügend Platz zu haben für öffnende Pässe oder einen geordneten Spielaufbau. Höger gerät im Ballbesitz inzwischen sofort unter Druck und verliert so immer wieder die Bälle schon in der eigenen Hälfte. Gegen Augsburg war dies zu sehen, als er sich in der 39. Minute zusammen mit Ismail Jakobs nicht aus einer Augsburger Umklammerung lösen konnte und so zu Czichos‘ Platzverweis beitrug. Bei Union Berlin wurde es noch härter bestraft. Sein Ballverlust 30 Meter vor dem eigenen Tor führte zum vorentscheidenden 0:2.

Es hatte ohnehin überrascht, dass Markus Gisdol in Berlin noch einmal auf Höger gesetzt hatte. Aus den Leistungen in Leipzig und gegen Augsburg hätte sich diese personelle Entscheidung nicht ergeben. Doch Gisdol kennt Höger noch aus Schalker Zeiten, hoffte wohl, dass der Routinier den Geissböcken noch einmal Stabilität verleihen könnte. Es ging schief. Vor zwei Jahren im Abstiegsjahr 2017/18 blieb Peter Stöger in der Hinrunde seiner rechten Hand Matthias Lehmann bis zur Entlassung treu, in der Hoffnung, Lehmann würde noch einmal so resolut verteidigen wie in den erfolgreichen Jahren unter dem Österreicher. Der einstige Kapitän hatte seinen Zenit aber schon überschritten, nur Stöger wollte den Stab über Lehmann nicht brechen. Und weil ihm Jörg Schmadtke keinen neuen Sechser verpflichtet hatte, signalisierte Stöger, dass er weiterhin auf Lehmann setzen werde – und nicht auf Marco Höger. Dieser übernahm erst in der Rückrunde unter Stefan Ruthenbeck Lehmanns Position und wurde auch in der Zweitliga-Saison in 22 Spielen von Beginn an ins Rennen geschickt.

Wie geht es mit Höger weiter?

Doch schon in der Zweiten Liga bekam Höger ähnliche Probleme, wie sie nun offen zu Tage treten. Auch deswegen holten Sportchef Armin Veh und Kaderplaner Frank Aehlig im Sommer mit Birger Verstraete und Ellyes Skhiri zwei Neue für das Mittelfeldzentrum. Verstraete verletzte sich früh in der Saison, Skhiri war bald anzumerken, dass er praktisch keine Sommerpause hatte und auch in den Länderspielpausen nicht zur Ruhe kam, weil er für Tunesien im Einsatz war. Verstraete verletzt, Skhiri überspielt – plötzlich tauchte Jonas Hector wieder im Zentrum auf, neben Marco Höger. Gisdol nahm Skhiri aus der Mannschaft und verzichtete so ganz bewusst auf den laufstärksten Spieler im FC-Kader (im Schnitt 12,5 Kilometer pro 90 Minuten).

Immer mehr FC-Fans kritisierten Gisdol in den letzten zwei Wochen für seine Treue zu Höger und nahmen auch gegenüber dem Spieler kein Blatt vor den Mund. Nach dem 0:2 in Berlin begann in den sozialen Netzwerken ein Screenshot vom Fachmagazin kicker zu kursieren, das Höger in dieser Saison als bislang notenschlechtesten aller Bundesliga-Spieler ausweist. Keine einfache Situation also für den stellvertretenden Kapitän, der einst mit Schalke in der Champions League spielte und beim FC noch einen hochdotierten Vertrag bis 2021 besitzt. Nach den angekündigten Konsequenzen durch Sportchef Horst Heldt und Trainer Gisdol gilt Höger als Kandidat für einen personellen Schnitt, sofern sich die Verantwortlichen tatsächlich zu einem solchen durchringen sollten.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar