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Schmadtke kehrt zurück: „Das ist meist nicht von langer Dauer“


Am Samstag ist es soweit: Jörg Schmadtke kehrt erstmals seit seinem Aus beim 1. FC Köln nach Köln und Müngersdorf zurück. Der ehemalige Manager hofft, dass sein VfL Wolfsburg die Punkte aus dem RheinEnergieStadion entführen wird. Persönlich muss sich der 55-Jährige wohl auf einen frostigen Empfang der FC-Fans gefasst machen. 

Köln/Wolfsburg – Wer Jörg Schmadtke dieser Tage sieht, erkennt ihn im Vergleich zu seinen Kölner Zeiten kaum wieder. Ein grauer Vollbart zieht das Gesicht des Wolfsburger Sportchefs. Darüber hinaus hat sich der 55-Jährige aber kaum verändert. Schmadtke verfolgt seinen Weg beim VfL beharrlich, ist weiter unbequem, wo er unbequem sein möchte, und schert sich rein äußerlich nicht um das Gerede, das nun in Köln vor seiner Rückkehr wieder aufkommt.

Schmadtke sagt, es mache nichts mit ihm, wenn er am Samstag erstmals seit seiner Zeit beim 1. FC Köln wieder nach Müngersdorf komme. Er ahnt wohl, wie er von vielen FC-Fans empfangen werden wird. Einen Vorgeschmack hatte es bereits im Hinspiel in Wolfsburg gegeben, als es aus der Kölner Fankurve jene unappetitlichen Gesänge gegeben hatte mit Anspielungen zu Schmadtke, Peter Stöger und dessen Lebensgefährtin Ulrike Kriegler, in Folge derer es Diskussionen um das Nicht-Verhalten des inzwischen ehemaligen FC-Vorstands gegeben hatte – inklusive des Vereinsaustritts Stögers.

Beim FC kann keine Ruhe einkehren

„Während meiner Zeit in Köln wurden Ziele größtenteils erfüllt oder sogar übererfüllt“, sagte Schmadtke nun der Kölnischen Rundschau. „In der Wahrnehmung des Umfelds in der Stadt ging es letztlich allerdings nur um die letzten vier Monate. Das kann ich nicht ändern.“ Mit Schmadtke war der FC bekanntlich aus der Zweiten Liga aufgestiegen und dann innerhalb von drei Jahren in die Europa League gestürmt. Den anschließenden Absturz zurück in Liga zwei hatten aber ebenfalls vor allem Schmadtke und Stöger zu verantworten, hatten diese doch in einer persönlichen Fehde die weiter erfolgreiche Ausrichtung des Klubs aus den Augen verloren. Und so verblassten die vorherigen Erfolgen im Angesicht des umgehenden Zusammenbruchs beim FC – ein durchaus bekanntes Phänomen beim 1. FC Köln.

Zurückblicken will Schmadtke eigentlich nicht. Zumindest betont er dies. Ratschläge will er dem FC eigentlich auch nicht mehr geben. Jedoch ist der 55-Jährige davon überzeugt, dass der 1. FC Köln nicht mehr dauerhaft wird erfolgreich sein können, solange der Klub von so vielen Gremien geführt wird wie aktuell. „Die Hauptproblematik ist für mich, dass dem Klub eine Struktur übergestülpt wurde, durch die keine Ruhe einkehren kann. Ein Fußballverein sollte kein demokratisch geführtes Unternehmen sein“, sagte der VfL-Manager. „In Köln sind es relativ große Gruppen, die informiert werden müssen und mitsprechen wollen. Da jeder dieser Teilnehmer für sich noch einmal eine Vernetzung in der Stadt hat, sitzt man mit einer relativ großen Öffentlichkeit am Tisch. Das erschwert die Führung des Klubs.“ Dies könne nur funktionieren, „wenn sich alle an die Spielregeln halten. Das ist leider meist nicht von langer Dauer.“ Schon gar nicht in Krisenzeiten.

Schmadtke unzufrieden mit bisheriger Saison

Dass Schmadtke damit durchaus einen Nerv getroffen haben dürfte, hat das Jahr 2019 mit den politischen Machtkämpfen, Intrigen und persönlichen Animositäten gezeigt, die das Sportliche lange Zeit praktisch komplett überlagerten. Und auch beim FC selbst dürften nur wenige Entscheider dem ehemaligen Sport-Geschäftsführer widersprechen. Doch die Geissböcke sind gleichfalls stolz auf ihre demokratische Satzung, zumal viele Anhänger Klubs wie Wolfsburg, Leipzig, Hoffenheim oder Leverkusen mit Abneigung betrachten und ablehnen.

Damit muss sich Schmadtke freilich nicht mehr beschäftigen. In Wolfsburg berichtet er lediglich an den Aufsichtsrat, ansonsten kann der 55-Jährige schalten und walten, wie er will. Entsprechend hätte sich der gebürtige Düsseldorfer eigentlich mehr erwartet in den ersten 17 Bundesliga-Spielen der Saison. Nach der Hinrunde liegt der VfL lediglich auf Rang neun. Die 24 eingefahrenen Punkte entsprachen nicht den Erwartungen. „Wenn wir unsere Zielsetzung (internationales Geschäft) umsetzen wollen, müssen wir vom ersten Rückrundenspiel an voll bei der Sache sein“, forderte Schmadtke auch mit Blick auf die Partie am Samstag in Köln. „Da brauche ich mehr Zielstrebigkeit, mehr Härte, mehr Konsequenz.“

Wiedersehen mit FC-Führungsetage

Auf der Bank sitzt Schmadtke, wie zu seinen Kölner Zeiten, inzwischen nicht mehr. Neben Trainer Oliver Glasner nimmt in dieser Saison Sportdirektor Marcel Schäfer Platz. Schmadtke beobachtet die Spiele von der Tribüne aus. Dort wird Schmadtke am Samstag auf das neue FC-Präsidium um Werner Wolf treffen. Da aber auch die ehemaligen Vizepräsidenten Toni Schumacher und Markus Ritterbach weiterhin regelmäßig in Müngersdorf zu Gast sind, dürften auch sie dem einstigen Erfolgsmanager der Geissböcke über den Weg laufen. Nebst natürlich Alexander Wehrle, seinem ehemaligen Co-Geschäftsführer, zu dem Schmadtke bis heute ein kollegiales Verhältnis pflegt. Aus der Südkurve hingegen dürfte Schmadtke Abneigung entgegen schlagen. „Ich mache mir über andere Dinge mehr Gedanken“, sagte Schmadtke dazu nur.

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