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„Extrem unverschämt“: Heldt stützt Hertha und das deutsche System

Horst Heldt hat mit deutlichen Worten den stillosen Abschied von Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC kritisiert. Der Sportchef des 1. FC Köln stellte sich am Freitag hinter die Verantwortlichen aus Berlin, insbesondere hinter Manager-Kollege Michael Preetz. Dabei verteidigte der 50-Jährige auch die in Deutschland übliche Arbeitsteilung zwischen Sportdirektor und Trainer.

Köln – Horst Heldt sagte zwar, er wolle eigentlich nichts sagen. Doch es hatte offensichtlich auch in ihm gebrodelt. Wie viele im Fußballgeschäft hatte auch Heldt den Abgang Klinsmanns aus Berlin mehr oder weniger fassungslos beobachtet. Am Freitag sprach er nun der Berliner Hertha zur Seite und schoss scharf gegen den eigenwilligen Ex-Trainer.

„Eigentlich möchte ich nichts dazu sagen, aber ich fühle in einer solch schweren Situation für einen Manager mit“, sagte Heldt. „Das war extrem unverschämt“, fällt der FC-Sportchef ein klares Urteil über Klinsmann und bestätigte, sich in der Folge mit Michael Preetz ausgetauscht zu haben. „Wenn man von einem auf den anderen Tag im Stich gelassen wird, ist das schon krass. Ich habe Michael Preetz gratuliert, wie sie das am Donnerstag dann geregelt haben.“ Preetz hatte zusammen mit Präsident Werner Gegenbauer und Investor Lars Windhorst auf einer Pressekonferenz den ehemaligen Angestellten Klinsmann in den Senkel gestellt und seinen Abgang unter anderem mit dem Verhalten eines beleidigten Kindes verglichen.

Ich wundere mich, wenn sich jemand wundert, dass es hier ein solches System gibt

Vor allem aber war es Preetz darum gegangen, die Verantwortlichkeiten bei einem deutschen Fußballklub zu verteidigen. Klinsmann hatte nach englischem Modell gefordert, als Teammanager oder Technischer Direktor die alleine Entscheidungsgewalt über den sportlichen Bereich zu erlangen, künftig also als Trainer und Manager in einer Person zu agieren. Das hatte die Hertha abgelehnt, auch aus Gründen der Haftung und rechtlichen Verantwortung in der Berliner Unternehmensform, in der zwei gleichberechtigte Geschäftsführer – ähnlich wie beim 1. FC Köln – die Gesamtverantwortung tragen und der Cheftrainer der Profi-Abteilung dieser Ebene untergeordnet ist. In anderen Vereinen ist teilweise sogar noch ein Sportdirektor dazwischen geschaltet, beim FC ist dies der Lizenzspieler-Leiter Frank Aehlig.

Heldt erklärte, ihn habe Klinsmanns Vorstoß überrascht. „Ich wundere mich, wenn sich jemand wundert, dass es hier ein solches System gibt“, sagte der FC-Manager und betonte, dass in der Bundesliga im europäischen Vergleich gerade finanziell deutlich seriöser gearbeitet würde also anderswo. „In Deutschland haben wir ein System, mit dem wir es im Vergleich zu anderen Ländern viel besser machen, und das mit teilweise deutlich weniger Möglichkeiten. Vielleicht ist das ja gerade auch wegen eines solchen Systems so.“ Am ehesten dem englischen System geähnelt hatte in der Bundesliga die Rolle von Felix Magath beim FC Schalke 04 und beim VfL Wolfsburg, eine Rolle, die kurzzeitig auch Armin Veh ausfüllte, daran aber scheiterte. In Köln gab es in den letzten Jahren keine Überlegungen, die Struktur grundlegend zu verändern.

9 Kommentare
  1. Ziesi says:

    Der Hertha kann man in der Tat zu dem, was sie nach Herrn K. geleistet haben, nur gratulieren. Ich hoffe, den Klinsmann sieht man nie wieder im Zusammenhang mit dem deutschen Fußball. Soll er doch die amerikanische Staatsbürgerschaft annehmen. Dann hätten die Amis auch mal wenigstens nen Fußball-Weltmeister. Aber dieses Geeiere in de letzten Wochen… Auch nach dem Spiel sofort Live-Schalten via Facebook zu machen etc. Was soll der ganze amerikanische Quark hier? Was hätte Klinsmann als nächstes gefordert? Zwei Auszeiten pro Halbzeit, in denen dann Cheerleader auf dem Rasen tanzen? Eine Kiss-Cam in der Halbzeitpause? Die Einführung von Play-Offs? Kaum zu glauben, dass ich den Typen als Panz während der WM 1990 angehimmelt hab und nur wegen ihm zum Fußball (und wegen Bodo Illgner zum FC) gekommen bin… Bliev fott!

  2. Franz-Josef Pesch says:

    Hertha BSC hätte nach den ersten Gesprächen merken müssen, daß es mit diesem Paradiesvogel nicht einfach wird. Das hat sogar Bayern München festgestell und sich schnell von Klinsmann getrennt. Der unrühmliche Abgang von Klinsmann war schon heftig und ich gebe H.Held recht mit seinem Kommentar zu dieser
    Angelegenheit. Die Internats dieser Komödie wissen wir nicht, ich glaube aber das der Vorstand ihn aus dem Gesamtgremium zu entbinden vollkommen richtig war.

  3. smokie says:

    Paradox ist ja: Dieses „englische System“, was Klinsmann gerne gehabt hätte, ist im englischen Fussball ein total veraltetes Modell. Vielleicht hätte er sich mal etwas besser informieren sollen, oder ist das aus den USA nicht möglich? Um nur mal Klopp und Guardiola als „Startrainer-Beispiele“ zu nehmen. Die haben BEIDE Sportdirektoren im Verein, die sich um Transfers kümmern. Klopp sagte irgendwann in einem Interview auch mal, dass er für Dinge wie Scouting nicht auch noch Zeit aufwenden kann.

  4. Klaus Höhner says:

    Alles gut wie das mit Klinsmann abgelaufen ist, ab in die USA auf Nimmerwiedersehen. Ich habe das Spiel der Hertha gegen Dortmund gesehen, nach dem Spiel das er verloren hat ,war er nur am grinsen und fotografieren die Mannschaft war schon längst in der Kabine alles etwas irritierend. Das war das wichtigste und so ist seine Einstellung, hoffentlich bekommt er in Deutschland kein Bein mehr auf die Erde.

  5. Gerd Mrosk says:

    Richtig letztendlich ihn allen Ämtern zu entheben,denn das war extrem vereinsschädigend egoistisch. Sowas braucht ein Verein wie Fusspilz. Was man dem Bäckerburschen evtl anfangs versprochen hat,werden wir wohl nie erfahren.Einerlei,Heldt und der GBK habens richtig bemerkt,derartige Modelle haben hier mit Fug und Recht keinen Einzug zu halten,denn sowas ist ja fast so was ,wie einem Investor zu viel Macht zu geben,der dann nach Lust und Laune Vereine gegen die Wand fährt. Ich füge mal das Beispiel Magath an,der plötzlich ca 40 spieler im Profikader hatte,wenn ich mich recht entsinne. NUR,Golfsburg konnte das „händeln“

  6. FC Neukoelln says:

    Ist schon auch alles richtig, was hier alles geschrieben und kommentiert wird. Das eigentlich Seltsame ist aber nicht seine Forderung nach strukturellen Veränderungen und somit mehr Macht – das „englische Modell“ oder wie auch immer – das kann er fordern und damit durchkommen oder eben nicht. Richtig wahnwitzig wird es erst durch seinen Entschluss, das Traineramt von einem Tag auf den andern aufzukündigen. Nachdem er erst am Vorabend über Facebook (was ist DAS eigentlich für ein Stil???) den Fans noch Mut für die kommenden Aufgaben zugesprochen hat. Mitten im Abstiegskampf. Völlig unabgesprochen mit der kompletten Vereinsführung. Wieder über Facebook (nochmal „???“). Ergänzend dann am Tag danach sein weiteres, schwer verständliches Gefasel über mögliche Gründe für seine Entscheidung (erneut über das soziale Netzwerk seiner Wahl).
    Für mich lässt das nur drei mögliche Schlüsse zu.
    1. Es handelt sich hier um das Zeugnis eines noch zu diagnostizierenden Befundes einer psychischen Erkrankung. Der Typ hat Schwierigkeiten, die Realität zu begreifen und/oder das Begriffe zu verarbeiten. Er wäre dann also auf die eine oder andere Art ernsthaft gestört oder sogar verrückt.
    2. Er wollte nur pokern und wurde von den Ereignissen überrollt. Er wollte zu keinem Zeitpunkt ernsthaft sein Traineramt aufgeben, denn wenn er tatsächlich die Absicht gehabt hätte, so wäre er als gestandener Vollprofi natürlich den Weg gegangen, dies vereinsintern anzukündigen. Er hat ein Drama inszenieren wollen in der Hoffnung, die Vereinsbosse würden ihm unmittelbar zu Seite springen und ihn zur Rückkehr bewegen – was seine Position ungemein gestärkt hätte. Wurde aber nichts draus. Pech gehabt.
    3. Beides.

    Was lernen aber nun WIR daraus? Keine Machtkonzentration auf einzelne Personen! Kann manchmal gut gehen. Kann aber auch richtig, richtig schief laufen. Sollten gerade wir in diesem schönen Land eigentllich wissen. Könnte in der in Zukunft immer wieder zu führenden Diskussion um vermeintliche Investoren bei uns noch ein ungemein wichtiger Rat sein.
    HaHoHe,
    Euer Jürgen

    • Gerd Mrosk says:

      Eher Punkt 1 ausschliesslich,denn das der Mann exzentrische Ausschläge hat,hat er schon des öfteren bewiesen. Kohle spielt sicher keine Rolle bei ihm,sondern eben Übermut bis hin zu fatalistischem Grössenwahn. Das mit seinen Ausführungen auf sozialen Netztwerken schlägt dem Fass ja noch mal zusätzlich den Boden aus. Ist ja so als suche er da noch Abbitte für sein nicht soziales Gebahren.

  7. gregor69 says:

    Lobenswert,dass HH dazu Stellung bezieht,er hat absolut recht.Den Mund mal aufmachen und seine
    Meinung sagen ist heutzutage im Fussball leider selten geworden,was im uebrigen fuer unsere ganze
    Wischiwaschi Gesellschaft gilt.

    • FC Neukoelln says:

      „…was im uebrigen fuer unsere ganze Wischiwaschi Gesellschaft gilt.“
      Nanu? Ist nicht gerade das Gegenteil der Fall? Hat nicht – auch und gerade aufgrund solcher Errungenschaften wie dem von Herrn K. bevorzugten Medium namens Facebook – auf einmal jeder immer zu allem eine Meinung, die um jeden Preis kundgetan werden muss, als ginge um Leben oder Tod?
      Vielleicht ist es ja gerade das, was Du „Wischiwaschi“ nennst. Früher musste man es sich hart erarbeiten, um sich auf breiter gesellschaftlicher Ebene glaubhaft Gehör zu verschaffen. Heute reicht ein Mausklick. Da verliert man dann manchmal den Überblick, gehaltvolle Inhalte von solchen zu unterscheiden, die es eben nicht sind.

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