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Die Liga streitet: Wer finanziert sich wie und wer wen?

Sie haben entschieden: die UEFA, die DFL, der DFB. Die Ligen, Wettbewerbe und Turniere werden ob der Coronavirus-Pandemie verschoben. Doch damit ist erst Schritt eins auf dem Weg aus der Krise gefunden. Während in der Medizin nach einer Lösung gegen die Ausbreitung und zur Bekämpfung des Virus‘ gesucht wird, suchen sie in den Verbänden und Vereinen nach Wegen den finanziellen Schaden abzuwenden. Ob Solidarität dabei eine Rolle spielen wird, muss sich erst noch zeigen.

Hans-Joachim Watzke gilt als Unternehmensführer, der anderen Menschen nicht immer nach dem Mund redet. Er spricht auch gerne mal sozialunverträgliche Gedanken aus. So auch in der ARD-Sportschau am Sonntag, als er erklärte, von finanziellen Hilfen durch große an kleine Klubs in der gegenwärtigen Krise wenig zu halten. Watzke hatte zwar von einer „großen Solidarität“ in der Bundesliga gesprochen, sich selbst und Borussia Dortmund damit aber offenbar nur bedingt gemeint: „Wir haben ein Wirtschaftsunternehmen und sind auch Konkurrenten. Und da muss man das sehr genau miteinander austarieren, was noch Wettbewerb ist und was kein Wettbewerb mehr ist.“ Am Ende könnten „nicht die Klubs, die ein bisschen Polster angesetzt haben in den letzten Jahren, die Klubs, die das nicht getan haben, dafür auch noch belohnen“.

Das rief umgehend ein erwartbares Echo hervor. Düsseldorfs Vorstandschef Thomas Röttgermann erklärte: „Ich weiß nicht, was ihn dazu getrieben hat, das zu sagen. Ich halte das für absolut unsolidarisch“, sagte der Fortuna-Boss der Rheinischen Post. Für Röttgermann war das „weder der richtige Zeitpunkt noch der richtige Inhalt“. Er werde das Gespräch mit Watzke suchen. „Wir NRW-Klubs werden uns ohnehin zusammenschalten, um mit der Politik zu sprechen. Dann habe ich die Gelegenheit, ihn darauf anzusprechen.“

Ausgerechnet Hopp: Solidarfonds für die Liga?

Röttgermann stand mit seiner Meinung nicht alleine da. Ausgerechnet Dietmar Hopp stellte sich auf die andere Seite der Rechnung. Hopp, den viele Fans in den letzten Monaten beschimpft hatten und mit dem sich Watzke selbst vor Jahren mal eine längere Fehde geliefert hatte, schlug nun einen Solidarfonds vor, mit Hilfe dessen sich die Profi-Klubs in Deutschland untereinander helfen sollen die Krise zu überstehen. Der Mäzen der TSG Hoffenheim erklärte auf der Vereins-Website: „Es schlägt die Stunde der Solidarität. Der Starke hilft dem Schwachen. Ich würde mir wünschen, dass dieser sehr naheliegende Solidaritätsgedanke bei allen Protagonisten der Bundesliga Konsens ist“, hieß es dort von Hopp. Der 79-Jährige forderte, es dürfte „keine Denkverbote“ geben, um gemeinsam einen „Beitrag in dieser Notsituation leisten zu können“.

Damit hatte sich Hopp den Aussagen von Uli Hoeneß angeschlossen, der im Sport1 Doppelpass genau dies gefordert hatte. Der Ehrenpräsident des FC Bayern München war sogar noch weitergegangen, indem er für eine internationale Hilfe auf Fußballebene geworben hatte. „Die Großen müssen den Kleinen helfen, die Deutschen müssen den Italienern helfen und so weiter. Das ist eine einmalige Chance, sich in ganz Europa zu solidarisieren.“

FC hat seine Saison bereits brückenfinanziert

Bislang sind dies nur Worte, vor allem, weil nun die UEFA mit ins Spiel kommt und von den Vereinen Geld für die Verlegung der EM fordern dürfte. Und das in einer Phase, in der die Bundesliga-Klubs aufgefordert sind ihre finanzielle Situation zu prüfen und Szenarien zu entwickeln, wie sich die Liquidität der Fußball-Unternehmen bei unterschiedlichen Gestaltungen der Spielpläne in den kommenden Wochen verhalten würde. Benötigte Kredite von welcher Seite auch immer, wie vom Deutschen Fußball-Bund für die Drittligisten in Aussicht gestellt, könnten dabei sogar kontraproduktiv sein, da diese zwar die Liquidität sichern, jedoch für eine bilanzielle Überschuldung sorgen könnten. Diese Überschuldung wäre – neben der Zahlungsunfähigkeit durch fehlende liquide Mittel – ein möglicher Grund für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Während also in Ligen und Verbänden von „Verantwortung, Einheit, Solidarität und Altruismus“ (UEFA-Boss Ceferin) gesprochen wird, muss sich erst noch zeigen, wer es wirklich ernst meint. Der 1. FC Köln beispielsweise hatte seine Saison 2019/20 ohnehin schon mit einer Brückenfinanzierung decken müssen, um über das ursprünglich geplante Maß hinaus in neue Spieler investieren zu können. Finanzboss Alexander Wehrle hatte dies im GBK-Interview im Januar so erklärt: „Reicht die Liquidität für das Geschäftsjahr, das am 30.06. endet, nicht aus, kann man mit einer Zwischenfinanzierung arbeiten, die am 01.07. wieder zurückführt wird. Es geht also nicht um einen langfristigen Kredit, den wir über mehrere Jahre abstottern, sondern um kurzfristige Liquidität von einer Bank, die wir schon am 01.07. des nächsten Geschäftsjahres aus dem operativen Cash-Flow heraus abwickeln können.“ Nun muss der Klub prüfen, inwieweit potentielle Einnahmeausfälle oder verzögerte Zahlungseingänge die nächsten Monate beeinflussen würden.

Stand jetzt gibt es noch keine größeren Einnahmeausfälle und auch noch keine größeren Verschiebungen von Zahlungseingängen: Die meisten Tickets für die beiden verschobenen Heimspiele gegen Mainz und Düsseldorf waren bereits im Vorverkauf abgesetzt worden und behalten solange ihre Gültigkeit, bis nicht klar ist, ob die Spiele ohne Zuschauer ausgetragen werden müssen oder gar ganz entfallen durch ein vorzeitiges Ende der Liga. Ausgefallen sind bislang Catering- und Merchandising-Einnahmen durch das verschobene Mainz-Spiel sowie durch die nun geschlossenen Fan-Shops. Die letzte Tranche der TV-Gelder wird erst im Mai ausgezahlt, insofern hat die Liga diesbezüglich noch wenige Wochen Spielraum. Doch dass der Zeitplan mit heißer Nadel gestrickt sein wird, um die Liga in jedem Fall noch beenden zu können, ist schon jetzt klar. Neun Spieltage stehen noch aus, dazu zwei Halbfinale und das Finale im DFB-Pokal sowie ein Nachholspiel (Bremen gegen Frankfurt). Zwölf nationale Spieltage muss es also noch geben, möchte man Ende Juni fertig werden. Dazu soll es Anfang Juni noch eine internationale Länderspiel-Unterbrechung geben. Selbst bei dauerhaft Englischen Wochen müsste die Liga ihren Betrieb spätestens in der zweiten Mai-Woche wieder aufnehmen, um bis zum Stichtag 30. Juni 2020 alle Wettbewerbe zu einem Ende geführt zu haben – eventuelle Champions- und Europa-League-Spiele nicht eingerechnet.

5 Kommentare
  1. Peter Josef says:

    Naja, dadurch, dass die EM verschoben wird, sollte es doch möglich sein, auch den Spielbetrieb nach hinten raus zu dehnen. Die Realwirtschaft wird es auch irgendwie durch Sonderverträge schaffen müssen, am Leben zu bleiben, da sollte es doch möglich sein, Verträge so zu interpretieren, dass die Saison nicht am 1.7. endet, sondern eben später. Es wäre ja niemandem gedient, wenn einzelne Teilnehmer am Fußballmarkt pleite gehen, nur weil man irgendeinen Termin halten muss, den jetzt eigentlich keiner mehr braucht. Und hat man erst festgestellt, dass die Saison halt bis zum – sagen wir mal 1.10. oder was auch immer, dauert, dann kann man sich auch überlegen, wie man durch zusätzliche Spiele den klammen Vereinen helfen kann. Also: Wenn die Gesundheitsämter eine Abschätzung geben, dann plant man das Ende der Saison. Ist das sehr weit entfernt, erfindet man einen neuen Wettbewerb – den „Corona-Deutschland-Cup“ in dem alle Mannschaften der ersten drei Ligen teilnehmen können und startet mit dem – notfalls noch mit Geisterspielen. Damit der Corona-Cup nicht nur Testspielcharakter hat, überlegt man sich Anreize: Sponsorengeld, Zusatzpunkte für den Ligabetrieb, was auch immer. Dürfen Zuschauer in’s Stadion, fängt die Bundesligasaison an, und in englischen Wochen spielt man die Runden des Corona-Cups zu Ende. Ich fände es besser, wenn die Saison 19/20 notfalls bis Sommer 21 geht, als sie mit allen Mitteln jetzt durchzuprügeln.

    • Holger Frings says:

      Na ja, ein „Corona-Deutschland-Cup“ würde schon rein namentlich für viel Aufschrei sorgen. Man muss auch – rein terminlich gesehen – beachten, dass nächstes Jahr die ausgefallene EM stattfinden soll. Wenn die jetzige Saison immer weiter nach hinten geschoben wird, kommt man zwangsläufig in die Situation, dass es fast keine Sommerpause gibt, Transfers innerhalb kürzester Zeit durchgeführt werden müssen. Ein evtl. Beginn der neuen Saison ab September oder Oktober würde mit der EM 2021 wieder kollidieren (oder Wegfall der Winterpause). Oder hier greift auch der Solidaritätsgedanke der europäischen Clubs (sofern vorhanden), dass jeder mit der aktuellen Mannschaft auch in die nächste Saison gehen muss und die Spieler, deren Verträge auslaufen, werden – wenn der Spieler selber auch will – nochmal ein Jahr weiter beschäftigt. Aber was passiert dann mit den älteren Spielern, die ihre Karriere beenden wollen? Gott, was für banale Gedanken man sich macht :-)

  2. Ulrich Treimer says:

    Eine Solidarität zwischen den GROSSEN der Liga und dem Rest wird es nicht geben, höchstens etwas Geld für die Portokasse (eine andere Lösung ist rechtlich nicht durchsetzbar). Ich hätte einen anderen Vorschlag: In der laufenden Saison bleibt alles wie es ist. Und in der neuen Saison werden die Fernsehgelder einfach durch 18 geteilt und aus die Maus. Ich möchte dann mal das dämliche Gesicht von Herrn Watzke sehen.
    Ist halt höhere Gewalt.

  3. Geisbock Renner says:

    Herr Watzke sollte mit etwas mehr Demut um die Ecke kommen, denn auch der BVB war mal Pleite. Nur durch die Hilfe des Erzfeindes blieb man in der Liga und konnte sich stabilisieren.
    Ein blender vor dem Herren der Herr Watzke.

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