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Gelassener Gisdol: „Mit welcher Antwort rechnen Sie jetzt?“

Das Derby zwischen Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln am Mittwochabend wird ohne Zuschauer ausgetragen. Die Fohlen büßen also zumindest in Sachen Fan-Support ihren Heimvorteil ein. Dennoch geht das Team von Trainer Marco Rose als klarer Favorit ins Spiel. Von etwas anderem will FC-Coach Markus Gisdol auch nichts wissen.

Köln/Mönchengladbach – In der Rückrundentabelle steht der 1. FC Köln vier Punkte vor Borussia Mönchengladbach. Das ist nicht nur überraschend, sondern eine kleine Sensation. Die Fohlen spielen in dieser Saison nicht nur um die Champions League, sondern als Außenseiter gar um die Deutsche Meisterschaft mit. Ein Sieg im Derby über den FC würde die Borussia bis auf sechs Punkte an den FC Bayern und bis auf zwei Punkte an Rang zwei heranbringen. Selbst in Köln muss man ob der Entwicklung des niederrheinischen Rivalen wohl den Hut ziehen.

Zwei Punkte Rückstand im Falle eines Sieges gilt allerdings auch für den 1. FC Köln, und zwar mit Blick auf die Europa-League-Plätze. Die Geissböcke haben sich mit einer fast schon unheimlichen Serie in den letzten Monaten nach oben gekämpft. Mitnichten sind die schweren Wochen im Herbst vergessen, mitnichten wird man am Geißbockheim nun wieder größenwahnsinnig. Doch bemerkenswert ist es durchaus, was der FC unter Gisdol geleistet hat. Genauso bemerkenswert wie die Ruhe, die Gisdol in dieser Erfolgsphase ausstrahlt. „Ein bisschen haben Sie mich doch schon kennen gelernt. Mit welcher Antwort rechnen Sie jetzt?“, antwortete der 50-Jährige am Montag auf die Frage, was ein Sieg im Derby bedeuten würde. „Wir orientieren uns nur von Spiel zu Spiel und rechnen am Ende der Saison die Punkte zusammen. In meinem Kopf ist nur wichtig, wie wir uns gegen Gladbach fußballerisch lösen können. Das nimmt meine ganze Energie in Anspruch. Ich sitze nicht mit dem Taschenrechner vor der Tabelle.“

Das würde ich fast als respektlos ansehen

Überhaupt will der Schwabe nichts davon hören, dass der FC aufgrund der letzten Wochen plötzlich mit dem enteilten Nachbarn auf Augenhöhe agieren könne. „Na klar ist die Favoritenrolle klar verteilt“, stellte Gisdol klar. „Ich tue mich schwer damit, den Komplettwandel zu vollziehen vom krassesten Absteiger aller Zeiten am 13. Dezember 2019 zum Gegner auf Augenhöhe mit einem Champions-League-Teilnehmer heute innerhalb von drei Monaten. Ich weiß, dass wir gut drauf sind. Uns jetzt aber aufgrund dessen auf ein Niveau mit Gladbach zu setzen, würde ich fast als respektlos ansehen.“

Auch Worte wie diese oder besser gesagt die Einstellung dahinter hat die Gisdol-Elf erfolgreich gemacht. Seit seinem Amtsantritt weigert sich der Trainer erfolgreich im Kölner Spiel der Extreme zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt mitzuspielen. Stattdessen nahm er zunächst eine Beobachter-Rolle ein, um nach den ersten drei Wochen und dem 0:2 bei Union Berlin zu harten Entscheidungen zu greifen. „Keine Kompromisse“ war Gisdols Vorgabe, und diese Linie zieht er seitdem konsequent und erfolgreich durch. So erfolgreich, dass er seiner Mannschaft inzwischen das Gefühl eingeimpft hat, jedes Spiel gewinnen zu können. Auch gegen Mönchengladbach.

Respekt vor dem Gegner, aber keine Angst

„Gladbach ist eine Mannschaft mit internationaler Klasse, aber man hat auch gesehen, dass wir gut drauf sind“, sagte Gisdol und hob vor allem hervor, dass seine Mannschaft im Spiel gegen den Ball noch flexibler geworden sei, um auch gegnerische Umstellungen während einer Partie besser auffangen zu können. Etwas, das er von der variabel agierenden Borussia am Mittwoch erwartet. „Wir müssen unserer Situation entsprechend demütig bleiben, nicht vergessen, wo wir herkommen und welches Ziel wir haben. Dann haben wir Respekt vor dem Gegner, aber keine Angst. Das ist eine gute Herangehensweise.“

Dass der Erzrivale vom Niederrhein zuletzt gegen Dortmund verlor, eine Woche zuvor glücklich in Augsburg gewann und wiederum zuvor gegen Hoffenheim nur einen Zähler holte, spielt in der Gesamtbetrachtung der Stärken und Schwächen der Gladbacher nur eine kleine Rolle. Im Hinspiel gewann die Borussia gegen Köln vor allem deswegen, weil die Rose-Elf aggressiver und Derby-gerechter auftrat. Eine Qualität, die sich die Geissböcke inzwischen ebenfalls erarbeitet haben und die sie im Rückspiel gewinnbringend einsetzen wollen. Ob dies dann tatsächlich gegen die hochkarätig besetzte Fohlen-Elf reichen sollte, bleibt abzuwarten. Nur auf eines verwies Gisdol mit einem Schmunzeln: „Ich erinnere mich noch: Es war so ein unfassbar schweres Anfangsprogramm in der Rückrunde, weshalb es uns praktisch unmöglich sein sollte Punkte zu holen. Was hat der Trainer da gesagt? Spielen wir das nächste Spiel einfach mal!“ Mit dieser Vorgabe wollen die Geissböcke auch im Derby wieder gut fahren.

20 Kommentare
  1. Klaus Höhner says:

    Der Trainer ist so cool alles was er sagt hat Hand und Fuß, und das nehmen die Spieler ihm auch ab das ist der Erfolg. Der Mann hat die Ruhe die man im Kampf gegen den Abstieg braucht. Nochmal Kompliment und abbitte leisten, über die Komentare vom November Herr Gisdol.

  2. Frank Buschmann says:

    Markus Gisdol macht das wirklich sehr souverän.
    Grade die gelassene Art tut im aufgeregtem Kölner Umfeld gut .
    Er hat die konditionellen Defizite erkannt und beseitigt .
    Und auch den Fussball entdeckt, der zu dieser Mannschaft passt

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