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Nach Umschwung: Welchen Anteil hat Veh am Kölner Erfolg?


Als die Spieler des 1. FC Köln am Freitag zum Geißbockheim kamen, hing am Trainingsplatz eins ein Fan-Banner: „Kraft tanken für Europa“. In dieser Phase der Liga-Pause, der unsicheren Zukunft, wirkte das Banner noch unwirklicher. Was für eine Saison! Erst Abstiegskampf, Manager weg, Trainer weg, neue sportliche Führung da, trotzdem der Absturz auf den letzten Tabellenplatz, jetzt die Coronavirus-Krise, der FC auf Platz zehn und Europa tatsächlich in Reichweite, obwohl niemand weiß, ob diese Saison wirklich zu Ende gespielt werden kann. Zeit, auf den Mann zu blicken, der diese Mannschaft ursprünglich zusammengestellt hatte.

Köln – Als Armin Veh in Blickpunkt Sport im BR auftrat, das war Mitte Februar, hatte der 1. FC Köln gerade gegen den FC Bayern München verloren, aber in der Tabelle auf Rang 14 bereits einen Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Veh freute dies. „Ich habe die Mannschaft größtenteils zusammengestellt, und deshalb will ich natürlich nicht, dass der FC wieder runtergeht“, sagte der 59-Jährige. „Ich habe immer gesagt, dass die Mannschaft aus meiner Sicht Bundesliga-tauglich ist. Markus Gisdol hat die Mannschaft so hingebracht, dass sie ihre Stärken auch zeigen kann.“

Veh erklärte sein Aus beim FC nachträglich so, dass er nicht nur an die Mannschaft geglaubt habe, sondern auch an den damaligen Trainer. „Wir waren in Schwierigkeiten und es ging um die Trainerfrage, die entschieden werden musste“, sagte Veh und erklärte, dass er da mit der Führungsriege nicht einer Meinung gewesen sei. „Ich habe an Achim Beierlorzer festgehalten und ich bin mir auch sicher, dass wir mit Achim da rausgekommen wären.“ Die Vereinsführung hatte daran aber nicht mehr geglaubt, den Stecker gleich doppelt gezogen und nicht nur Veh, sondern auch Beierlorzer beurlaubt. Es wurde die richtige Entscheidung, und aufgrund des Zustands der Mannschaft im Moment des Trainerwechsels dürfen Zweifel gestattet sein, dass Vehs Einschätzung, dass der FC auch mit Beierlorzer die Klasse gehalten hätte, wohl allzu optimistisch gewesen wäre. Doch welchen Anteil hat Veh trotzdem am Kölner Aufschwung unter Gisdol?

Bornauw und Skhiri geholt – viele Fehler im Hintergrund

Veh hat den heutigen Kader größtenteils zusammengestellt. Insgesamt 18 Spieler, die unter seiner Leitung verpflichtet wurden, standen zumindest noch bis Weihnachten auf dem Trainingsplatz. Vier davon mussten im Januar gehen, doch es liegt in der Natur der Sache, dass eine große Anzahl an „Veh-Spielern“ nun eine tragende Rolle spielen. Dass Bornauw und Skhiri in Köln landeten, war zum allergrößten Teil Vehs Verdienst. Allerdings dürften die Entscheidungen in der zweiten Reihe eine größere Bedeutung haben in der Bewertung der zwei Jahre, die Veh als Geschäftsführer den FC sportlich leitete.

Ismail Jakobs beispielsweise hätte den Klub eigentlich verlassen sollen, Achim Beierlorzer legte sein Veto gegen diesen Transfer ein, den Veh andernfalls getätigt hätte. Mit Mark Uth kam erst im Winter genau der Spieler, der dem FC offensiv gefehlt hatte, weil man ihm nicht im Kader gehabt hatte. Der Absturz der Transferwerte von Jorge Meré, Frederik Sörensen und Jannes Horn fällt in Vehs Zeit, ebenso teure Missverständnisse wie Vincent Koziello oder Niklas Hauptmann. Veh muss sich an seiner Aussage messen lassen, dass er im Sommer 2018 alle Spieler für die Zweite Liga mit der Erklärung holte, sie auch in der Bundesliga verpflichtet zu haben. Auch so entstanden Langfrist-Verträge wie jener von Lasse Sobiech.

Der Ex-Trainer Veh scheitert an der Trainerfrage

Die gelungenen Verpflichtungen (Czichos, Drexler und Schaub in Liga zwei, Bornauw und Skhiri in Liga eins) stehen solchen Versäumnissen oder Fehlern gegenüber, wie sie jedoch bei vielen Managern der Liga zu finden sind. Tatsächlich hat Veh einen entscheidenden Anteil an jenem Kader, der seit der Übernahme von Markus Gisdol in der Bundesliga wie verwandelt auftritt. Doch genau diese Personalie zeigte Vehs größte Fehler beim FC: Ausgerechnet der stolze Ex-Trainer, der stets betonte, dass kaum jemand in der Bundesliga über so viel Erfahrung verfüge wie er nach 30 Jahren in der ersten Reihe, lag bei all seinen Trainer-Entscheidungen kolossal daneben. Stefan Ruthenbeck demontierte er noch während dieser auf der Bank saß. Markus Anfang und Tom Cichon erwiesen sich als menschlich nicht kompatibel mit der Mannschaft. Und im Frühjahr 2019 sprach Veh mit genau einem einzigen Trainer, mit Achim Beierlorzer. Einen professionellen Auswahlprozess für das Traineramt sah Veh nicht als nötig an. Das Ergebnis ist bekannt.

Dass ausgerechnet der ehemalige Meister-Trainer mit der Aufgabe scheiterte einen Trainer zu verpflichten, der zum Klub und vor allem zur Mannschaft passte, ist der entscheidende Knackpunkt in der Bewertung der Arbeit des Geschäftsführers Sport, Armin Veh, beim 1. FC Köln. Wohl auch, weil Veh keinen starken Trainer unter sich wissen wollte, mit dem er hätte auf Augenhöhe diskutieren müssen. Mit Anfang und Beierlorzer holte er jeweils für die FC-Ziele gänzlich unerfahrene Trainer, auf die Veh einwirken konnte. Während Horst Heldt bei seiner Antrittspressekonferenz erklärte, es sei sehr gut, dass er nicht Trainer sein müsse, denn er sehe seine Qualitäten woanders, war mit Veh beim FC immer klar: Im Büro des Geschäftsführers sitzt ein Manager, der immer auch Trainer bleiben würde. Kritiker, die dies jedoch auch aussprachen, wurden von Veh am Geißbockheim mit Missachtung gestraft.

Die Coronavirus-Krise wird Vehs Erbe beziffern

Veh ist Geschichte beim FC. Inwieweit seine Entscheidungen noch nachwirken werden, wird womöglich auch die jetzige Coronavirus-Krise zeigen. So mancher Vertrag, den Veh und Co-Geschäftsführer Alexander Wehrle vergaben, könnte die Geissböcke noch teuer zu stehen kommen. Der Finanzreport steht aber noch aus, er wird erst im Herbst 2020 erfolgen, wenn das Geschäftsjahr abgeschlossen sein wird. Klar ist: Veh versäumte den Kader aufzuräumen, neu aufzubauen und schon in Liga zwei ein neues Gesicht zu verleihen. Dies versuchte er im Sommer 2019 mit viel Geld nachzuholen und hatte damit wohl durchaus auch Erfolg. Doch in der Trainerfrage lag er stets daneben und wohl auch in seiner Einschätzung im November, dass der FC mit Achim Beierlorzer noch die Kurve bekommen hätte.

Es ist durchaus bemerkenswert, dass der ehemalige Trainer Armin Veh ausgerechnet an der Trainerfrage beim FC scheiterte. Bei Blickpunkt Sport im Februar sagte der 58-Jährige übrigens zu Jürgen Klinsmanns Engagement bei Hertha BSC: „Für mich war Jürgen nie ein richtiger Trainer.“ Über Vehs Zeit beim FC hört man so manchen bis heute am Geißbockheim munkeln: „Für mich war Veh nie ein richtiger Geschäftsführer.“

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