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So bereitet Gisdol seine Spieler auf das Geisterspiel vor


Ein Geisterspiel am Mittwochabend, das erste in der Bundesliga-Geschichte und dann auch noch beim Rheinischen Nachhol-Derby zwischen Borussia Mönchengladbach, ist wohl kaum mehr zu verhindern. Zwar kam es am Montag zu keiner finalen Entscheidung, alle Zeichen deuten aber auf eine Partie ohne Zuschauer hin. Was ändert dies für die Spieler und Trainer? 

Köln – Als sich die Deutsche Fußball-Liga am Montagnachmittag zum Thema Coronavirus und den Auswirkungen auf den Bundesliga-Alltag äußerte, blieb der Verband vage: „Sollte es keine anderslautenden Verordnungen der Behörden vor Ort geben, dann werden die Begegnungen des kommenden 26. Spieltags in beiden Ligen ausgetragen. Das DFL-Präsidium hat zudem beschlossen, dass Spiele, die aufgrund von Entscheidungen örtlicher Behörden zum Beispiel nur mit einer bestimmten Anzahl an Personen im Stadion stattfinden dürfen, am 26. Spieltag unter Umsetzung der jeweiligen Verordnungen ausgetragen werden.“

Die DFL muss die Entscheidung den Behörden überlassen. Der Deutsche Fußball-Bund DFB hätte zwar ähnlich bei Blocksperren über Geisterspiele solidarisch für alle Vereine entscheiden können, dies hätte aber wohl Proteste und womöglich Klagen einzelner Klubs gegen den Verband zur Folge gehabt, da der DFB keine Gründe der Sportgerichtsbarkeit hätte anführen können. Und so blieb der DFL offenbar nichts anderes übrig, als die bevorstehenden Spiele in die Hände der jeweils örtlichen Behörden zu legen, in der Hoffnung, dass man eine möglichst einheitliche, deutschlandweite Entscheidung treffen möge, um eine Wettbewerbsverzerrung zu umgehen, nach der einige Heimmannschaften vom Heimrecht profitieren und andere ihr Heimrecht praktisch einbüßen.

Total beschissen!

Den 1. FC Köln könnte es gleich zweimal betreffen, sollten Geisterspiele in Nordrhein-Westfalen angeordnet werden: am Mittwoch in Mönchengladbach und am Samstag zuhause gegen Mainz. Horst Heldt kennt eine solche Situation schon. Zumindest international. Als Sportchef des FC Schalke 04 musste Heldt mit den Königsblauen im August 2013 zur Champions-League-Qualifikation bei PAOK Saloniki antreten. Die Fans der Griechen hatten sich gehörig daneben benommen, weshalb das Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Schalke gewann und schaffte den Sprung in die Königsklasse, doch als emotionales Erlebnis ist das Spiel beim heutigen FC-Geschäftsführer nicht hängen geblieben.

„Total beschissen!“, nannte Heldt am Montag rückblickend die Situation beim damaligen Auswärtsspiel. Gleichzeitig beschrieb er die Schwierigkeit für beide Mannschaften, die das Fehlen der Fans mit sich brachte: „Die Spannung hochzuhalten war extrem schwierig. Wir haben gewonnen und uns für die Champions League qualifiziert, aber es war nicht einfach. Deswegen gibt es jetzt auch keinen Favoriten. Es gibt keinen Vorteil für die Heim- oder die Auswärtsmannschaft.“ Sollte das Geisterspiel zwischen Gladbach und Köln also offiziell bestätigt werden, würde Heldt erneut diese besondere Atmosphäre zu spüren bekommen, aber auch die FC-Profis, die damit werden umgehen müssen.

Greift Gisdol wieder in die Motivationskiste?

Keine hitzige Atmosphäre, keine Fan-Gesänge, keine Emotionen auf den Rängen, kein Mitgehen der Zuschauer bei gelungenen oder misslungenen Aktionen: Vieles, wovon ein Bundesliga-Spiel lebt, würde zunächst fehlen. Nicht nur Heldt, sondern auch Trainer Markus Gisdol ist sich bewusst, dass dies für beide Mannschaften eine große Herausforderung darstellen könnte. „Ein Stück weit unberechenbar“ mache dieser Umstand die Vorbereitung auf die Partie. Der FC-Coach muss nun genau hinschauen, welche Spieler nicht nur sportlich, sondern auch mental mit einer solchen Geisteratmosphäre am besten umgehen könnten. Schließlich lebt der FC seit Wochen von seinem giftigen Auftreten, von Aggressivität und Intensität, von Eigenschaften also, die auch durch die Stimmung auf den Rängen auf die Spieler zurückschwappen und stimulierend wirken können.

Am Mittwoch und am Samstag müsste womöglich Gisdol selbst diesen Part übernehmen, in Form einer besonderen Ansprache und Vorbereitung der Spieler in der Kabine. „Wie genau wir das lösen werden, will ich nicht verraten, aber natürlich machen wir uns Gedanken“, sagte Gisdol, der vor zweieinhalb Wochen von den Spielern für seine Ansprache vor dem Duell bei der Hertha ausdrücklich gelobt worden war. Kann Gisdol also noch einmal als Motivator vor dem Derby einen Griff in die Trickkiste tätigen? Am Montag blieb der FC-Coach noch gewohnt ruhig. „Natürlich setzen wir uns damit auseinander. Oberste Priorität ist aber, diese Nebenerscheinung auszublenden, da sie sportlich zunächst einmal keine Rolle spielt. Wir müssen uns auf den Gegner fokussieren und darauf, was uns auf dem Platz erwartet und nicht auf den Rängen.“ Das wird unter anderem am Dienstag mit einem Geheimtraining im RheinEnergieStadion geschehen.

Am Dienstagvormittag dürfte die offizielle Entscheidung feststehen, was nicht nur am Mittwoch, sondern auch am kommenden Wochenende passieren wird. Für Sportchef Horst Heldt wären die Überlegungen damit aber nicht abgeschlossen. In Saloniki hatten sich trotz des Zuschauer-Ausschlusses viele griechische Fans vor dem Stadion versammelt. „Was passiert, wenn es ein Geisterspiel gibt? Bleiben die Leute dann wirklich zuhause?“, fragte Heldt am Montag. Nach GBK-Informationen ist von der aktiven Fanszene aus Köln aktuell noch keine organisierte Reise nach Gladbach geplant. Allerdings hatten die Entwicklungen ab Sonntagabend auch die FC-Anhänger überrascht. Die Behörden dürften für einen solchen Fall jedoch vorsorgen und die polizeilichen Sicherheitsmaßnahmen rund um das Stadion aufrecht erhalten.

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