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Arbeit an Plan B: „Wir müssen neue Ideen finden“

Die ersten beiden Bundesliga-Spiele nach der Corona-Pause haben für den 1. FC Köln nicht nur sportliche Dämpfer gebracht, sondern auch gezeigt, dass sich die Gegner inzwischen auf das zuvor so erfolgreiche System der Geißböcke eingestellt haben. Für den FC gilt es nun in den kommenden Wochen neue Lösungen zu finden. Viel Zeit bleibt Trainer Markus Gisdol dafür jedoch nicht. 

Köln – Nach der fulminanten Serie von acht Siegen aus elf Spielen musste sich der 1. FC Köln nach der Corona-Unterbrechung gegen Mainz und Düsseldorf jeweils mit einem Unentschieden begnügen. Dabei war in beiden Partien deutlich zu erkennen, dass die lange Pause dem zuletzt so erfolgreichen Rhythmus der Geißböcke zumindest vorübergehend gebrochen hat. „Gegen Mainz hatten wir Probleme mit den Abständen und beim Nachrücken, gegen Düsseldorf im Spielaufbau. Das sind Dinge, die man nach einer langen Pause normalerweise während der Vorbereitung erarbeitet. Jetzt bringen die Pflichtspiele diese Entwicklung mit“, erklärte Markus Gisdol die offensichtlichen Schwächen des FC im Spiel gegen Mainz.

Während Mainz den Geissböcken mit der FSV-Offensive Probleme bereitete, stellte Düsseldorf die Kölner am vergangenen Wochenende mit dem aggressiven Anlaufen schon in der FC-Hälfte vor große Herausforderungen. „Das waren zwei völlig unterschiedliche Spiele. Düsseldorf war ein sehr gut organisierter Gegner, der uns Fallen im Spielaufbau stellen wollte“, sagte Gisdol. Während also die Geißböcke mit ihrem eigenen Spiel haderten, bot die Unterbrechung den Gegnern gleichzeitig die Chance, sich besser auf die Automatismen des FC einzustellen und das neue Gisdol-System zu entschlüsseln.

Intensive Aufarbeitung der ersten beiden Spiele

So war das 0:1 der Düsseldorfer am vergangenen Sonntag kein Zufallsprodukt. Uwe Rösler hatte seine Mannschaft offenbar daraufhin hingewiesen, dass Toni Leistner oder Noah Katterbach den Ball unter Druck zum zurücklaufenden Skhiri spielen würden. So konnten die Fortunen im Derby den Ball durch geschicktes Pressing und Zustellen in der Kölner Hälfte mehrfach erobern und kamen vor der Pause so auch zum Torerfolg. Beim FC machte man aufgrund der Spielverläufe daher keinen Hehl daraus, dass man zwar grundsätzlich mit den beiden Unentschieden leben konnte, mit der Art und Weise der Spiele jedoch nicht zufrieden war. Am Montag folgte zwischen Mannschaft, Trainer und Sportchef eine intensive Aufarbeitung der ersten beiden Partien. „Die Gegner nehmen uns jetzt anders wahr“, erklärte Horst Heldt die neue Situation für die Kölner, inzwischen auch als Favorit in manche Spiele zu gehen. „Wir müssen nun vermehrt das Spiel bestimmen und finden im Vergleich zur Zeit vor Corona verkehrte Welten vor. Dafür müssen wir neue Ideen finden und uns Gedanken machen.“

Müssen andere Mechanismen entwickeln

Trotzdem ist man beim FC optimistisch, in den kommenden Spielen bis zum Saisonende wieder in seinen Rhythmus und damit in die Erfolgsspur zurückzufinden. „Was wir vor Corona abgeliefert haben, war kein Zufall“, sagte Heldt. „Wir fallen jetzt nicht in alte Zeiten zurück, sondern sind getrieben von Ehrgeiz, es noch besser zu machen.“ Dafür wird das Trainerteam nun aber Flexibilität beweisen und an der ein oder anderen Stellschraube drehen müssen, um für die Gegner wieder weniger berechenbar zu sein.

Für Markus Gisdol war es derweil fast schon erwartbar, dass sich längst nicht mehr jede Mannschaft von der Spielweise der Geißböcke beeindruckt zeigt. „Es gehört zur Entwicklung dazu, dass nach einer sehr erfolgreichen Zeit mit vielen Siegen die Gegner passende Mittel finden. Für uns ist jetzt wichtig, daraus zu lernen und andere Mechanismen zu entwickeln, um uns nicht versunsichern zu lassen.“ Viel Zeit dafür bleibt dem FC bis Saisonende nicht. Sieben Spiele stehen binnen fünfeinhalb Wochen noch auf dem Programm. Gegen Fortuna Düsseldorf reagierte Gisdol nach knapp einer Stunde und stellte seine Mannschaft auf eine Dreierkette und einen Zwei-Mann-Sturm um. Eine Variante, die in der letzten Zweitliga-Saison lange Zeit den gewünschten Erfolg brachte.

Doch da sich ein kompletter Systemwechsel während eines Spiels nicht immer ohne Wechsel möglich ist, benötigen die Kölner darüber hinaus weitere Varianten im Spielaufbau im 4-2-3-1-System, insbesondere im Positionsspiel mit und gegen den Ball, um unmittelbar auf den Gegner reagieren zu können. Das frühzeitige Erkennen der eigenen Probleme und selbstverantwortliche Handeln auf dem Platz dürfte dabei eine entscheidende Rolle spielen. Sowohl gegen Mainz als auch gegen Düsseldorf schien die Mannschaft erst nach der Halbzeitpause zu reagieren. Im besten Fall jedoch findet die Mannschaft von Beginn an die richtigen Lösungen für den entsprechenden Gegner. Für den FC am liebsten schon im nächsten Spiel gegen die TSG Hoffenheim.

1 Antwort
  1. Norbert Neuheisel says:

    Man sieht, wie bei Vizekusen, wenn ein entscheidender Spieler (Havertz) ausgeschaltet wird, ist das gesamte System gestört. So geht es vielen Mannschaften in der Bundesliga. Die einen kompensieren das mit Powerfußball (Leipzig), die anderen mit Kombinationsfußball (Dortmund). Einzig die Bayern sind in der Lage, während des Spiels ihr System zu variieren. Köln bleibt mit dem jetzigen Kader nur die Variante Powerfußball, wenn auch mit erheblichen Abstrichen.

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