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Erstes Mannschaftstraining beim FC: „Meckern auf hohem Niveau“


Der 1. FC Köln hat am Donnerstag erstmals nach knapp zwei Monaten das Mannschaftstraining wieder aufgenommen. Den Weg dafür hatte die Politik am Mittwoch mit ihrem Beschluss, die Bundesliga könne ab der zweiten Mai-Hälfte ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen, geebnet. Gleichzeitig geht es für den FC nun bis zum Liga-Restart am 16. Mai ins Quarantäne-Hotel. Nicht die angenehmste Situation für die Spieler, wie Marco Höger berichtete. 

Köln – Bei strahlendem Sonnenschein traten die Spieler des 1. FC Köln am Donnerstag gegen kurz vor 15 Uhr auf den Rasen des Franz-Kremer-Stadions. Zuvor hatten sich einige der Profis von ihren Familien und Lebenspartnerinnen verabschiedet, denn bis zum ersten Spiel am 17. Mai gegen den 1. FSV Mainz 05 schotten sich die Geißböcke nun im Dorint-Hotel am Heumarkt weitestgehend von der Außenwelt ab und begeben sich in ein Quarantäne-ähnliches Trainingslager.

Keine weiteren positiven Tests

Nach ersten Athletikübungen ging es auf dem Grün dann auch endlich wieder Mann-gegen-Mann zur Sache. Erstmals trainierte dabei am Donnerstag die gesamte Mannschaft wieder in Zweikämpfen miteinander. In zwei Gruppen mit jeweils elf Feldspielern wurde im Modus sieben gegen vier gespielt. Das lange Training ohne Körperkontakt merkte man den Spielern dabei zunächst durchaus an. Unter den Augen der beiden Geschäftsführer Horst Heldt und Alexander Wehrle gingen die Profis weitaus vorsichtiger in die direkten Duelle mit ihren Mannschaftskameraden als noch vor wenigen Monaten. So zog beispielsweise Innenverteidiger Toni Leistner noch zurück, als Jhon Cordoba auf ihn zustürmte. Zehn Tage bleiben den Kölnern jetzt noch, um die Vorsicht in den Zweikämpfen abzulegen und sich so gut es geht auf den Liga-Restart gegen Mainz vorzubereiten. Für die Spieler war die Rückkehr ins Teamtraining eine enorme Erleichterung, wie Marco Höger berichtete: „Ich habe mich extrem darauf gefreut. Die ersten Wochen im Training ohne Körperkontakt waren vielleicht ganz schön, weil man ein bisschen raus aus der Quarantäne-ähnlichen Situation zuhause war, sich wieder gesehen und bewegt hat. Aber nach spätestens zwei Wochen vermisst man es, in Wettkampfsituationen zu kommen und den Kontakt zum Gegenspieler zu suchen. Jetzt haben wir die Möglich, wieder Energie im Zweikampf rauszulassen.“

Die dritten am Geißbockheim durchgeführten Corona-Tests am vergangenen Mittwoch fielen im Übrigen allesamt negativ aus, sodass am Donnerstag bis auf die erkrankten Ismail Jakobs und Niklas Hauptmann alle Spieler auf dem Platz standen. Neben dem Youngster Robert Voloder war auch Tim Lemperle zu Beginn mit auf dem Feld. Der 18-jährige, der sich bereits im Winter-Trainingslager in Benidorm zeigen durfte, soll im Training in den kommenden Tagen Jakobs auf der linken Außenbahn ersetzen. Für Lemperle ging es jedoch genauso wie für Rafael Czichos nach dem Athletiktraining runter vom Feld. Der U19-Spieler befindet sich aktuell nach einem Muskelfaserriss noch im Aufbautraining. Gemeinsam mit Czichos absolvierte er anschließend eine individuelle Einheit mit Reha-Trainer Dennis Morschel.

Wir können uns alle etwas besseres vorstellen

Nach dem ersten gemeinsamen Mannschaftstraining ging es für die Spieler schließlich gegen kurz nach 17 Uhr mit dem Bus ins Dorint-Hotel, wo die Mannschaft geschlossen bis zum Liga-Restart unter strengen Hygienevorschriften verweilen wird. „Es ist für keinen angenehm, zehn Tage oder länger im Hotel zu sein. Man kann sich vorstellen, dass wir dort in Quarantäne-ähnlichen Zuständen zusammen oder für uns einzeln leben müssen. Der Großteil des Tages findet dann auf dem Trainingsplatz oder im kleinen Einzelzimmer statt. Wir können uns alle etwas besseres vorstellen“, sagte Marco Höger hinsichtlich der kommenden Tage. Gleichzeitig weiß der Mittelfeldspieler das Vertrauen der Politik, die Liga fortführen zu können, zu schätzen: „Wir sind diejenigen, die mit unserem Verhalten entscheiden, ob die Liga zu Ende gespielt wird oder nicht. Es ist Meckern auf hohem Niveau, wenn man sieht, was andere Menschen teilweise für Sorgen haben. Wir müssen gucken, dass wir den ganzen Spielbetrieb aufrecht erhalten, damit niemand bereut, uns spielen gelassen zu haben. Wir stehen alle auf der Sonnenseite des Lebens. Aber in der ganzen Liga stehen viel mehr Leute dahinter. Es gibt über 50.000 Angestellte in den Vereinen. Um die geht es und dafür müssen wir auf die Zähne beißen. Es liegt an uns Spielern, jetzt etwas zurück zu geben.“

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