Kalou-Video: Totalschaden für das Bundesliga-Image?


Der 1. FC Köln kann durchatmen. Die Geissböcke sind in der öffentlichen Diskussion um den Umgang mit dem Coronavirus aus dem Rampenlicht verdrängt worden. Salomon Kalou hat mit einem skandalösen Geniestreich dafür gesorgt, dass sich das Auge des Sauron auf Berlin gerichtet hat. Nicht etwa wegen der erwarteten Entscheidung, ob die Politik die Bundesliga wieder gestattet, sondern wegen eines Videos, das für einen Totalschaden des Images sorgen könnte, was sich der Profifußball aufzubauen geglaubt hatte.

Köln/Berlin – Wer muss jetzt noch über das Goldsteak des Franck Ribery, über den Lamborghini des Kingsley Coman oder persönlich eingeflogene Friseure zu Bundesliga-Spielen reden? Wer das Video von Salomon Kalou betrachtet, das der Hertha-Stürmer am Montag per Livestream über Facebook aus der Hertha-Umkleidekabine und den Funktionsräumen verbreitete, findet genügend Argumente für eine Demaskierung des Profifußballs: Spieler, die mitnichten freiwillig und selbstlos selbst geringe Teile ihrer Millionengehälter abgeben, Ignoranz gegenüber jedweden Regeln in Zeiten des Coronavirus‘ und eine scheinbar völlige Abwesenheit von Verantwortungsbewusstsein.

Kalou führte in dem Live-Video seine Zuschauer von seinem Auto in die Kabine. Mit seinen Teamkollegen, die er teils per Handschlag begrüßte, tauschte sich der 34-Jährige über den gerade einmal 11-prozentigen Gehaltsverzicht in der Krise aus. Vedad Ibisevic war zu sehen und zu hören, wie er auf Englisch fragte, ob die Hertha-Führung die Spieler mit dem Gehaltsverzicht „verarschen“ wolle. Man müsse wohl ein Wörtchen mit Arne Friedrich reden, der Klub habe die Spieler angelogen und spare nun mal eben Tausende Euro. Kalou ging weiter und führte seine Zuschauer in einem Raum, in dem sein Teamkollege Jordan Torunarigha gerade auf das Virus getestet wurde. Obwohl der betreuende Physiotherapeut Kalou bat den Raum zu verlassen, weil nur zwei Personen gestattet seien, blieb Kalou und filmte weiter. „Sala, bitte lösch das!“, ermahnte ihn der Physio, doch der Spieler lachte nur und filmte weiter.

Kalou macht Hertha zum Brandherd

Man braucht sich nicht einmal Gedanken darüber zu machen, ob Kalou seinen Rauswurf provozieren, sich über die Coronavirus-Regeln lustig machen oder sich als cooler Typ seinen Fans präsentieren wollte. Dass Kalou sehr genau wusste, was er tat, wurde in dem Video überdeutlich. Er verbarg zwischenzeitlich sein Smartphone, tat so, als filme er nicht, prüfte dann aber immer wieder, ob er gut zu sehen war. Wenigstens Herthas Hauptsponsor kann sich nicht beschweren, hielt Kalou zwischenzeitlich das Handy doch so, dass der Schriftzug des Geldgebers minutenlang mitten im Bild prangte. Das dürfte der Hertha aber kein Trost gewesen sein. Der Hauptstadt-Klub ist nun Brandherd Nummer eins in der Liga und verdrängte neben der Diskussion um den 1. FC Köln und Birger Verstraete selbst die aktuelle Meldung, dass bei allen bisherigen Tests in der 1. und 2. Bundesliga insgesamt zehn Infektionsfälle gemeldet wurden.

Die Deutsche Fußball Liga reagierte prompt, verurteilte das Video aufs Schärfste: „Die Bilder von Salomon Kalou aus der Kabine von Hertha BSC sind absolut inakzeptabel. Hierfür kann es keine Toleranz geben – auch mit Blick auf Spieler und Clubs, die sich an die Vorgaben halten, weil sie die Ernsthaftigkeit der Situation erfasst haben.“ Die Berliner reagierten am frühen Abend und – wenig überraschend – suspendierten Kalou. „Er hat mit seinem Video nicht nur Hertha BSC einen großen Schaden zugefügt, sondern vor allem in der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion über die Wiederaufnahme des Spielbetriebs und die Rolle des Profifußballs den Eindruck erweckt, dass einzelne Spieler das Thema Corona nicht ernst nehmen“, wird Berlins Manager Michael Preetz zitiert.

Am Mittwoch zeigt sich das Ausmaß des Schadens

Wie groß der Schaden für die Bundesliga tatsächlich sein wird, dürfte am Mittwoch erste Anhaltspunkte erhalten, wenn die Politik darüber entscheiden soll, ob es zeitnah wieder Profifußball in Form von Geisterspielen geben darf. Diese Entscheidung sollte auf Basis des DFL-Konzepts fallen, für das sich alle Vereine und Verbände zuletzt so stark gemacht hatten. Kalou demonstrierte nun aber, dass jedwede Maßgabe ad absurdum geführt wird, wenn sich die Hauptakteure bei der Umsetzung des Konzepts nicht an die Vorgaben halten. Sollten die Entscheidungsträger in der Politik also stattdessen die Notbremse ziehen, so dürfte Kalous Video einer der Hauptgründe für den drohenden Totalschaden sein.

Beim 1. FC Köln hatte man von dem Video am Montagnachmittag, als das Training der Profis in getrennten Gruppen weitergeführt wurde, erst nichts mitbekommen. Erst während des Trainings sickerte durch, was sich in Berlin ereignet hatte. Im krassen Gegensatz zur Hertha war jedoch am Rande des nicht zugänglichen Trainings zu hören, dass die Profis heilfroh waren, mit keinen weiteren positiven Tests konfrontiert worden zu sein. So mancher FC-Spieler hatte nach den positiven Befunden von Ismail Jakobs und Niklas Hauptmann sowie eines Physiotherapeuten befürchtet, ebenfalls betroffen zu sein. Doch obwohl der FC immerhin drei der zehn positiven Tests in der Bundesliga und Zweiten Liga verzeichnete, blieben alle anderen Spieler negativ und konnten das Training erleichtert wieder aufnehmen. So hatte der Montag am Geißbockheim auch gute Nachrichten gebracht.

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