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Lage der Liga: Kein Heimvorteil – aber Status quo bleibt unverändert

Der erste Spieltag nach der neunwöchigen Corona-Pause hat weder für den 1. FC Köln noch für die gesamte Bundesliga eine großartige Überraschung herbeigeführt. Rein tabellarisch bleibt für die Geißböcke die restliche Saison Risiko und Chance zugleich. Auch in den Stadien zeigte sich weitestgehend das gleiche Leistungsniveau wie vor der Unterbrechung – mit einem entscheidenden Unterschied. 

Köln – Der erste vollständige Geister-Spieltag der Bundesliga-Geschichte steht seit vergangenem Montagabend in den Geschichtsbüchern. Neun Wochen lang hatte der Spielbetrieb aufgrund der Coronavirus-Pandemie geruht. Mit knappen zehn Tagen an geregeltem Mannschaftstraining erlebten die 18 Bundesligavereine am Wochenende damit beinahe einen Kaltstart.

Dem 1. FC Köln brachte der Restart gegen Mainz 05 bekanntermaßen das erste Unentschieden seit dem 13. Spieltag beim 1:1 gegen den FC Augsburg. Nach acht Siegen aus den vergangenen elf Spielen gehörte das Team von Trainer Markus Gisdol vor der Unterbrechung zu der Mannschaft der Stunde. Dabei hat man den Geißböcken die abhanden gekommene Spielpraxis gegen die Beierlorzer-Elf zeitweise deutlich angemerkt. Ein Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt war die Punkteteilung trotz zwischenzeitlicher 2:0-Führung dennoch nicht. So zeigten sich auch die Verantwortlichen nach der Partie am Sonntagabend durchaus zufrieden. „Das Ergebnis ist absolut in Ordnung und wir sollten weiter demütig bleiben. Wir können mit dem Punkt sehr gut leben“, sagte Horst Heldt. Und auch Gisdol pflichtete bei: „Mit einem Punkt zu starten nach so einer Pause tut uns gut.“

Hertha überrascht, Leipzig strauchelt

In der Tabelle hat sich nach dem 26. Spieltag durch die Ergebnisse der neun Partien kaum etwas verändert. Der FC liegt weiterhin auf Rang zehn und hat nach wie vor zehn Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und Fortuna Düsseldorf. Der direkte Abstiegsplatz ist durch die Niederlage von Werder Bremen gegen Bayer 04 Leverkusen sogar noch um einen Punkt auf 15 Zähler angewachsen, wohlgemerkt, dass die Bremer noch das Nachholspiel gegen Eintracht Frankfurt in der Hinterhand haben. Einen wirklichen Nutzen konnte in der zweiten Tabellenhälfte nur eine Mannschaft am ersten Spieltag nach der Corona-bedingten Unterbrechung ziehen. Nach nur zwei Siegen aus den letzten neun Spielen, dem Trainerwechsel, dem Skandal-Video von Salomon Kalou und den fragwürdigen Aussagen von Aufsichtsratsmitglied Jens Lehmann, herrschte bei Hertha BSC von außen betrachtet das blanke Chaos. Doch Bruno Labaddia scheint mit seiner neuen Mannschaft die Ruhe bewahrt zu haben und schoss die TSG 1899 Hoffenheim am Samstag kurzerhand mit 3:0 aus dem eigenen Stadion. Durch die drei Punkte wurden die Berliner kurzerhand zum Gewinner der unteren Tabellenregionen. Während Fortuna Düsseldorf und der SC Paderborn beide nicht so recht wussten, was sie mit dem Punkt aus dem torlosen Remis anfangen sollten, unterlagen der FC Augsburg und Eintracht Frankfurt ihren Gegnern. Auch der erhoffte Neustart für Werder Bremen blieb am Montagabend aus. Bei der 1:4-Pleite gegen Bayer 04 Leverkusen knüpften der Werderer daran an, wo sie vor der Unterbrechung aufgehört hatten.

An der Tabellenspitze gab sich derweil kaum eine Mannschaft eine Blöße. Bayern, Dortmund, Gladbach und Leverkusen ließen sich die Pause kaum anmerken und siegten am Ende souverän. Einzig RB Leipzig ließ beim 1:1 gegen den SC Freiburg federn und musste seinen dritten Tabellenplatz an Gladbach abtreten. Derweil zählt auch der VfL Wolfsburg zu den Gewinnern des Spieltags: Durch den späten 2:1-Erfolg über den FC Augsburg kletterte die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner auf den sechsten Rang. Schalke hingegen ist durch die schwache Leistung und dem achten sieglosen Spiel in Folge gegen den BVB aus den Europa League-Rängen gerutscht.

Heimvorteil ohne Fans unbrauchbar

Eine wirkliche Überraschung ist am ersten Spieltag nach der neunwöchigen Corona-Unterbrechung also ausgeblieben. Dies bezieht sich dabei nicht nur auf die blanken Ergebnisse. Denn auch auf dem Platz hat sich nur wenig verändert. Zwar gab es im Schnitt einen halben Treffer weniger pro Spiel und auch geringfügig weniger Offensivaktionen zu bestaunen. Die Laufleistung der Teams ist jedoch im Vergleich zu den 25 vorherigen Spieltagen identisch geblieben. Einzig der Heimvorteil ist aufgrund der fehlenden Fans ausgeblieben: Am Wochenende konnte nur Borussia Dortmund seine Punkte zuhause behalten. Statt den gemittelten 43,3 Prozent an Heimsiegen an den Spieltagen eins bis 25, macht dies nur noch einen Prozentwert von 12,5.

Für den 1. FC Köln bleibt acht Runden vor dem Ende nun die Erkenntnis, seinen Vorsprung auf die Abstiegsränge gehalten oder sogar um einen Punkt ausgebaut zu haben. Blickt man gleichzeitig auf das Restprogramm der Konkurrenten im Tabellenkeller, müsste schon einiges zusammenkommen, ehe die Geißböcke am Ende der Saison einen der letzten drei Plätze belegen. Gleichzeitig dürfen die Kölner nach wie vor zumindest mit einem Auge auf die Plätze sechs und sieben schielen, die nur vier respektive sechs Punkte entfernt sind. Doch beim FC sträubt man sich noch, von höheren Zielen zu sprechen. Erst soll der Klassenerhalt endgültig unter Dach und Fach gebracht werden. Mit einem Erfolg am Wochenende über Fortuna Düsseldorf könnte dieses Vorhaben einen gewaltigen Schritt näher rücken.

3 Kommentare
  1. skyter dux says:

    Wer ein wenig Ahnung von Statistik hat, der weiß, dass diese angegebenen Daten a la „ein halbes Tor weniger pro Spiel“ und „kein Heimvorteil“ totaler Blödsinn sind, da sie komplett in der normalen Streuung der Daten liegen. Es gibt halt Spieltage, wo ein paar mehr Tore fallen, und welche, wo weniger Tore fallen. Genauso mit den Heimsiegen. Eine wirkliche Abschätzung kann man erst machen, wenn alle restlichen Spieltage gespielt sind… Dann kann man eine rausmittelung der Streuung einigermaßen annehmen…

    • Boom77 says:

      Zumal mit Heimsiegen von Union gegen Bayern, Augsburg gegen Wolfsburg und Werder gegen Vizekusen ja nun auch bei „normalen“ Spielen mit Zuschauern nicht wirklich zu rechnen war.

      Auch die niederlage von Frankfurt gegen Gladbach wäre bei „vollem Haus“ nicht wirklich überraschend gewesen. Gleiches gilt übrigens für unser Unentschieden gegen Mainz.

      Wirklich überraschend war wohl einzig die Heimniederlage von Hoffenheim gegen die Hertha und das Leipziger Unentschieden. Wobei letzteres wenig mit dem fehlenden Heimvorteil zu tun hat. Die waren an dem Tag schlicht zu blöd ein zweites Tor zu schießen.

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