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Neun Kilometer weniger! FC-Profis verweigern die Laufarbeit


Der 1. FC Köln kann seit der Corona-Unterbrechung keine Spiele mehr gewinnen. Die 1:2 (0:1)-Niederlage gegen Union Berlin war bereits das siebte Spiel in Folge ohne Sieg. Damit konnten die Kölner ohne Zuschauer noch keinen einzigen Dreier einfahren. Für Ausreden ist es mittlerweile zu spät, denn die aktuelle Situation ist längst keine Ergebniskrise mehr. Die Lehren des Spiels.

Geschichte des Spiels: Vor dem Spiel gegen Union Berlin erklärte Markus Gisdol, bereits auf der Rückfahrt aus Augsburg gespürt zu haben, dass seine Mannschaft am Samstag den Sack endlich zu machen wolle. Die ideale Vorlage dazu lieferte dem FC an diesem Tag Erling Haaland, der in der fünften Minute der Nachspielzeit zum Dortmunder Sieg in Düsseldorf traf. Ein Sieg über Union hätte demnach den sicheren Klassenerhalt für die Geißböcke bedeutet. Doch Markus Gisdol schien sich in seinen Spielern getäuscht zu haben. Die einzigen, die an diesem Tag einen wirklichen Schritt in Richtung Klassenerhalt gehen wollten, waren die Gäste aus Berlin.

Pechvogel des Spiels: Das letzte Mal stand Jan Thielmann im ersten Spiel nach der Corona-Pause gegen den 1. FSV Mainz 05 in der Startelf. Seither kam der 18-jährige einzig gegen RB Leipzig zu einem Joker-Einsatz. Gegen Union Berlin allerdings nominierte Markus Gisdol den Youngster wieder von Beginn an – doch 15 Minuten vor dem Anpfiff verschwand der Rechtsaußen kopfschüttelnd mit Adduktorenproblemen in der Kabine und nahm im Anschluss in Trainingskleidung auf der Tribüne Platz. Mit Thielmanns kurzfristigem Ausfall musste Gisdol am Samstag auf gleich drei seiner Youngster verzichten, mit denen ihm Ende letzten Jahres die sportliche Wende gelungen war. Denn zuvor hatten bereits Noah Katterbach und Ismail Jakobs passen müssen.

Zahl des Spiels: Es war eines der vorherrschenden Themen und das wohl größte Problem unter Ex-Trainer Achim Beierlorzer. In fast jedem Spiel liefen die Geißböcke weniger als ihre Gegner. Während Beierlorzer die Problematik trotz offener Ansprache nicht in den Griff bekam, schien Gisdol seine Mannschaft spätestens im Winter-Trainingslager in Benidorm auch von der Physis her auf Bundesliga-Niveau gebracht zu haben. Doch davon ist seit der Corona-Unterbrechung nichts mehr zu spüren. Bislang spulten die Kölner in jeder Partie weniger Kilometer ab als ihr Gegner. Gegen Union Berlin erreichte dieser Unterschied am Samstag seinen Tiefpunkt: Ganze neun Kilometer rissen die Berliner mehr ab als der FC und hatten so gesehen fast einen Spieler mehr auf dem Feld.

Pfiff des Spiels: Sekunden vor dem Spielende hätte Mark Uth gerne einen Elfmeter bekommen. Der Angreifer wurde im Strafraum unsanft zu Boden gestoßen. „Wenn man es auf den Bildern sieht, ist die Szene meiner Meinung nach noch klarer, als ich es gefühlt habe. Es hätte Elfmeter geben müssen, aber das hat sich der Schiedsrichter nicht getraut“, sagte Uth unmittelbar nach der Partie. Die Pfeife von Martin Petersen blieb in der vierten Minute der Nachspielzeit stumm, ehe er wenige Sekunden später die Partie beendete und somit auch dem VAR keine Gelegenheit mehr gab sich einzuschalten. Freilich hätten die Geißböcke mit der letzten Szene des Spiels gerne noch für den Ausgleich gesorgt, eine klare Fehlentscheidung in der Bewertung des Unparteiischen lag jedoch nicht vor. Uth hatte den Körperkontakt allzu gerne angenommen und sich nach vorne fallen gelassen.

Zitat des Spiels: „Egal, was es im Moment ist, aber es muss weg.“ (Rafael Czichos auf die Frage, worin die aktuelle FC-Krise begründet liegt)

Erkenntnis des Spiels: Die Spieler des 1. FC Köln fügen sich dieser Tage als Grusel-Kabinett in die Geisterspiele ein. Sämtliche positiven Eigenschaften, die den FC vor der Corona-Unterbrechung so stark gemacht hatten, sind inzwischen genauso verschwunden wie die Zuschauer von den Rängen. Fehlende Laufbereitschaft, Mangel an Kreativität in der Offensive oder Schlafmützigkeit bei den immer wieder zu einfachen Gegentoren – Gisdol sprach am Samstag offen aus, woran es vorrangig liegt: Die Spieler sind aktuell nicht bereit den Extrameter zu gehen. Sind es die Körper, die die Laufleistungen nicht zulassen? Sind es die Köpfe, denen bei dem fast erreichten Klassenerhalt die letzte Motivation fehlt, da die Saison austrudelt mit dem FC im Niemandsland der Tabelle? Es scheint, als sei die Motivation, bei einem scheinbar gesicherten Mittelfeldplatz noch einmal alles aus sich heraus zu holen, irgendwo zwischen Quarantäne und Heim-Training verloren gegangen.

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