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Wiederkehrende Muster: Wann kommen die Spieler zur Einsicht?


Der 1. FC Köln verliert sich zum Klassenerhalt. Das 1:3 (0:2) bei Bayer Leverkusen mochte in den Augen der Verantwortlichen zwar eine Verbesserung dargestellt haben. Doch wenn das so gewesen sein sollte, gibt man sich beim FC gerade mit ziemlich wenig zufrieden. Die Wahrheit dürfte wohl eher lauten: Markus Gisdol verschiebt die knallharte Abrechnung auf den Zeitpunkt nach dem Saisonende. Zumindest ist das zu hoffen. Denn eine solche braucht es nach dieser Spielzeit.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Der Cheftrainer des 1. FC Köln sprach auf der Pressekonferenz nach dem Spiel einen wahren Satz: „Wir haben alles geliefert, was wir aktuell liefern können.“ So richtig Gisdols Aussage war, so bitter war sie auch. Denn zu mehr ist der 1. FC Köln in der Schlussphase der Saison nicht in der Lage. Körperlich zwar verbessert zu den vorherigen Spielen, aber trotzdem nicht auf der Höhe; mental derart angeschlagen, dass man einmal mehr in der ersten Halbzeit völlig überfordert war mit den Aufgaben, die ein zugegebenermaßen spielstarker und schneller Gegner stellte; dazu seit Wochen ohne verbliebene Motivation, ein Ziel noch selbst erreichen zu wollen – in dem Wissen, dass die Konkurrenz im Tabellenkeller zu schlecht ist, um den FC noch zu gefährden.

Sechs Punkte und 15 Tore Vorsprung wird der 1. FC Köln in zwei Partien nicht mehr verspielen. Selbst eine verrückte und unvorhersehbare Saison wie diese wird eine solche Wendung nicht mehr bereithalten. Wenn doch, müsste der Klub ernsthaft in Erwägung ziehen sich vom Spielbetrieb abzumelden. Doch dazu, das darf man wohl prognostizieren, wird es nicht kommen. Sehr wohl aber wird der Klub einen unangenehmen Sommer erleben, sollte es gegen Frankfurt und Bremen (für die es jeweils noch um die letzte Chance auf das Erreichen eines Zieles geht) nicht noch einmal ein unerwartetes Aufbäumen geben. Acht Spiele ohne Fan-Unterstützung, ohne externe Motivation und reduziert auf die Duelle Mannschaft gegen Mannschaft, Spieler gegen Spieler, Trainer gegen Trainer haben gezeigt: Der FC wird alles auf den Prüfstand stellen müssen. Denn zur Zeit sind die Geißböcke nicht konkurrenzfähig und erinnern in erschreckender Weise an das erste Drittel dieser Saison.

Die Verweise von Markus Gisdol und Horst Heldt auf die guten Phasen in den jeweiligen Spielen kommen einem bekannt vor. Es gab sie bereits im Herbst 2019, damals vorgetragen von Achim Beierlorzer und Armin Veh. Es ist der Versuch, das halbvolle Glas zu sehen und nicht die Pfützen, die beim Verschütten des Rests entstanden sind. Es ist aber auch ein Muster, das sich wiederholt. Denn was helfen 20 oder 30 gute Minuten in einem Spiel, wenn man sich in der restlichen Zeit selbst schlägt oder dem Gegner freie Hand lässt ein Spiel zu entscheiden? Was sagt es aus, wenn eine Mannschaft erst dann anfängt Fußball zu spielen und zu kämpfen, wenn sie bereits mit dem Rücken zur Wand steht, anstatt das Heft des Handelns gleich von Beginn an in die Hand zu nehmen? All diese Fragen wurden beim FC schon häufiger gestellt. Doch sie kehren immer wieder zurück.

Man könnte zu dem Schluss kommen, dass es bei allen Personalwechseln auf Führungsebene nicht am Trainer oder Manager liegt, sondern an den Spielern. Doch käme man zu dieser Erkenntnis, müsste man den Mut zu harten Schnitten und auch die finanziellen Mittel dazu haben. Als man beim FC über das Geld noch verfügte, fehlte der Mut. Sollte nun nach dieser Saison der Mut vorhanden sein, würden die Mittel fehlen. Eine ausweglose Situation? Nicht unbedingt. Denn es gibt auch eine dritte Variante: dass die Spieler selbst zu der Einsicht kommen, dass es für sie so nicht weitergeht. Was sie zu leisten im Stande sind, wenn sie den Willen dafür aufbringen, haben sie in dieser Saison eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Frage bleibt, warum sie nun wieder derart eingebrochen sind – und ob sie sich selbst daraus wieder befreien können.

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