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Der FC hätte die Saison mit der Corona-Pause beenden können

Der 1. FC Köln ist froh, dass die Saison 2019/20 zu Ende ist. Dank eines zwischenzeitlichen Kraftaktes haben die Geißböcke den Klassenerhalt geschafft. Nicht mehr und nicht weniger war das angekündigte Ziel. Der Saisonbeginn wirft aber genau wie das Ende zahlreiche Fragen auf und lässt den FC mit viel Arbeit für die Sommerpause zurück. Die Lehren einer Mammut-Saison. 

Die Geschichte der Saison: Von zu Tode betrübt bis himmelhoch jauchzend und zurück innerhalb nur einer Saison – selbst für den von Höhenflügen und tiefen Abstürzen erprobten 1. FC Köln war die abgelaufene Saison eine außergewöhnliche Achterbahnfahrt. Die Nerven der Kölner Verantwortlichen und der FC-Anhänger wurden maximal strapaziert. Während in der Sommerpause vor einem Jahr die zunächst erfrischend offene und eloquente Art des Achim Beierlorzer für Aufbruchstimmung rund um das Geißbockheim sorgte, folgte nur wenig später der bittere Absturz. Beierlorzer war selbst viel zu aufgeregt endlich Bundesliga-Trainer zu sein, als dass er die Mannschaft hätte auf Kurs bringen können. Nach elf Spieltagen und nur sieben Punkten war das Kapitel Beierlorzer schon wieder beendet. Dann kam Markus Gisdol, weil, wie es schien, kein anderer wollte. In der öffentlichen Wahrnehmung war der 50-jährige bereits gescheitert, ehe er sein Amt beim FC angetreten hatte. Mit nur einem Punkt aus seinen ersten drei Spielen schienen sich die Kritiker auch bereits bestätigt zu fühlen, ehe die Kölner mit 24 Punkten aus zehn Spielen eine nie für möglich gehaltene Serie hinlegten. Es spricht für das schwache Niveau der Liga, dass diese eine gute Phase ausreichte, um die Klasse zu halten. Denn was sich zwischen Spieltag 26 und 34 beim FC abspielte, war punktmäßig und auch fußballerisch genauso schwach wie unter Beierlorzer. So nehmen die Kölner eine gefährliche Hypothek mit in die nächste Saison.

Das Endergebnis: Der 1. FC Köln hat seine erste Saison nach dem Wiederaufstieg auf Platz 14 beendet. Hätte man sich in Köln vor dieser Spielzeit umgehört, hätte wohl jeder Anhänger diese Endplatzierung unterschrieben. Mit fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang erreichte der FC sein Ziel Klassenerhalt mit bloßem Blick auf die Tabelle sogar souverän. Nach dem letzten Saisonsieg gegen den SC Paderborn sagte Gisdol zwar, dass 32 Punkte noch nicht für den Klassenerhalt reichen würden. Doch da hatte sich der Trainer getäuscht, denn Werder Bremen beendete die Spielzeit mit 31 Zählern auf dem Relegationsplatz. Der FC hätte also seine Saison mit der Corona-Unterbrechung beenden können und wäre trotzdem nicht abgestiegen. Böse Zungen behaupten gar, so mancher Spieler hatte die Saison tatsächlich bereits beendet. Und so wirft die Saison am Geißbockheim viele Fragen auf: Wie gut ist die Mannschaft wirklich? Welches Gesicht ist das wahre? Wie konnte es sein, dass der FC im Frühjahr derart über seinen Verhältnissen spielte? Und vor allem: Warum konnte sich der FC ohne Zuschauer nicht mehr motivieren und dümpelte unmotiviert und ziellos durch das Saisonfinale? Die Verantwortlichen sind längst aufgefordert, jeden Stein umzudrehen, um Antworten zu finden. Denn fest steht: Nicht nur wäre mit der Ausgangslage von 32 Punkten und Platz zehn nach 25 Spieltagen wesentlich mehr möglich gewesen als Platz 14. Vor allem gilt der FC nun schon wieder als einer der ersten Abstiegskandidaten für die kommende Saison. Für die Sommerpause, vor allem aber für die Transferarbeit des Horst Heldt alles andere als eine ideale Voraussetzung.

Spiel der Saison: Der 2:0-Derbysieg über Bayer 04 Leverkusen am 15. Spieltag wird in der Rückbetrachtung des FC wohl als entscheidendes Spiel der Saison gelten. Zwar betitelte Markus Gisdol die einen Spieltag zuvor erlebte 0:2-Pleite bei Union Berlin als lehrreichstes Spiel. Doch mit dem folgenden Erfolg gegen die Werkself leitete der FC den Turnaround ein. Ein Derbysieg als Grundstein für den Klassenerhalt – wenigstens das wird die FC-Fans freuen. Darüber hinaus hatten sie in den rheinischen Duellen nichts zu lachen. Zwei Niederlagen gegen Gladbach, je eine Niederlage gegen Düsseldorf und Leverkusen und jenes wahnwitzige 2:2 gegen die Fortuna, das in der Nachbetrachtung womöglich der wichtigste Punktgewinn in der Coronaphase war, jedoch auch eine der schlechtesten Leistungen der Kölner.

Moment der Saison: Der Schlusspfiff nach dem letzten Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. Durch das 1:1-Unentschieden machten die Geißböcke den nach den ersten 14 Saisonspielen kaum mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt am 33. Spieltag auch rechnerisch perfekt gemacht. Mit einer Laola-Welle vor der leeren Südkurve bedankten sich die FC-Spieler symbolisch für die Unterstützung ihrer Fans, deren Abwesenheit in Corona-Zeiten wohl kaum einer Mannschaft so sehr geschadet hat wie dem FC.

Zitat der Saison: „Mein Kölsch ist nicht das beste. Erst nach zwei oder drei Kölsch wird es besser.“ (Mark Uth)

Gegensatz der Saison: Braucht es für die Auf-und-ab-Saison-der Geißböcke noch eine Statistik? Bitte sehr! Während der FC mit seiner Offensive um die internationalen Plätze hätte mitspielen können, zeigte sich die Defensive auf Zweitliga-Niveau. 51 erzielte Tore in der Bundesliga schafften die Kölner in den letzten 20 Jahren nur einmal – in der Europa-Saison unter Peter Stöger 2016/17. Besser waren die Geißböcke zuletzt mit 59 Toren in der Saison 2000/01. Hinten präsentierte sich der FC dagegen mit 69 Gegentoren so anfällig wie ansonsten nur in vier der sechs Abstiegsjahre. 2017/18, als es zuletzt in die Zweite Liga runter ging, kassierte der FC sogar nur ein Gegentor mehr. In der Saison 1984/85 schaffte der FC mit einer ähnlich schwachen Bilanz von 66 Gegentreffern zwar ebenfalls den Klassenerhalt, erzielte damals aber auch 69 eigene Tore und wurde mit dieser Bilanz am Ende sogar Tabellen-Dritter. In 2019/20 kassierte einzig Schlusslicht Paderborn (74) noch mehr Gegentreffer als der FC. Doch auch 69 Gegentore sind im Schnitt mehr als zwei Treffer pro Spiel gegen sich. Dass der FC damit überhaupt die Klasse halten konnte, lag einzig an der Effizienz vor dem gegnerischen Kasten.

Erkenntnis der Saison: Die Abwehrsorgen müssen genauso im Mittelpunkt der Aufarbeitungen von Markus Gisdol und Horst Heldt stehen wie der Erhalt oder die Ausweitung der Torgefährlichkeit. Der FC darf nicht den Fehler wie 2017 machen und glauben, dass sich die Torgefahr automatisch auf mehrere Schultern verteilen wird. Vor allem aber gilt es das Kölner Scheunentor zu schließen. Ansonsten geht der FC im zweiten Bundesliga-Jahr nach dem Wiederaufstieg schnurstracks wieder in Liga zwei.

28 Kommentare
  1. Max Moor says:

    Sehr gut geschrieben Herr Merten , Top. Das muss Gerd auch sehen ! Es geht nicht so wie er immer schreibt , Cordoba verkaufen und auf den anderen Schultern verteilen gibt noch lange keine Torgefahr. Das heißt , den Besten Torjäger kannst nicht einfach verkaufen wenn sonst kaum gute hast die Tore schießen können . Und 200 Gegentore in 3 Jahren sind auch viel zu viEl . Der Sommer war der Beste Torwart + Neuer , Horn war für mich Schlusslicht , Die Abwehr und das Mittelfeld auch ! Nur der Sturm ist gut beim FC . Es gibs viel Arbeit und ich Denke auch das viele FC Spieler keinen Bock mehr hatten nach Corona / Covid19 !!! So schlecht dann zu Spielen ohne Besserung ist für mich Arbeitsverweigerung ! Die können auch 34 x Verlieren und mir würde es nicht stören , wenn man sehen könnte das die alles gegeben haben , haben die aber nicht . Es spielten immer die Gegner und z.B.der Schmitz stand nur dumm rum statt zum Ball , die meisten FC Spieler sahen sehr alt aus aufn Platz als wären die schon Deutscher Meister .. ich verstehe das einfach nicht .Warum spielen die Gegner wie ums Überleben und Köln schaut nur zu und ergibt sich des Schicksals ! ! ! Scheiße , verdammte Scheiße. Das kotzt mich Heute noch an ! Cordoba War der einzigste der mir gefallen hat und Bornauw, kurz noch Jacobs und Uth das wars dann schon

    • Gerd1948 says:

      Was muß ich sehen? Ich sehe ,dass es verschiedene Arten gibt Fußball zu spielen mit aber auch ohne Cordoba, wenn er wechselwillig ist. Natürlich muss die Last der Torerzielung möglichst auf mehreren Schultern verteilt sein. Sonst ist es nämlich , wie jetzt zum Schluss, dass man einfach nen Cordoba zudeckt.Wenn das doch so ist ie du sagst, dass nur der Sturm gut ist, ist doch klar, das man damit nicht weit kommt in der Tabelle. Geht man Stand jetzt aber davon aus, dass Cordoba bleibt ist ein Uth erst mal nicht zu verpflichten. Denn wenn Cordoba bleibt, braucht er entweder einen 10er hinter sich oder einen Halbstürmer wie es Osako damals war. Ich sehe nicht, dass wir so jemanden im Kader hätten, also heisst es verkaufen, verkaufen ,verkaufen. Entweder Cordoba oder 2 andere.

  2. Hennes48 says:

    Frau Eich hat es nochmal sehr gut und sachlich zusammengefasst.
    Es haben nun so viele verschiedene Menschen nahezu den gleichen Hauptnenner zum FC benannt.
    Man kann nur inständig hoffen, dass Horst Heldt dies auch wirklich erkannt hat!
    Ohne einschneidende, gravierende Kaderveränderung ist der FC nicht wettbewerbsfähig!
    Und das fängt bereits direkt beim Torwart hinten an…

    • Frank Buschmann says:

      Das haben alle erkannt, auch HH.
      Leider stehen wir wieder mal mit leeren Taschen da und einen aufgeblähten Kader mit Spielern, die Ihre langfristigen, gut dotierten Verträge zur nOt auf der Tribüne absitzen.
      Der FC sollte sich auch 2 Transfers beschränken, die die Mannschaft gezielt verstärken.
      Alles andere dürfte Träumerei sein.

  3. Matthias says:

    Ich glaube nicht, dass die vielen kassierten Tore nur der Abwehr anzulasten sind. Der Express veröffentlicht heute eine interessante Statistik, wonach unsere Mannschaft die laufschwächste Mannschaft der Liga war. dadurch bedingt, haben die Gegner es viel zu oft geschafft, Überzahl im Mittelfeld zu schaffen und in Überzahl auf die Abwehrleute zu zu laufen. Das konnte man in fast allen Spielen sehen, sobald man etwas Fussballsachverstand hat. In der hochphase der Saison sah das eine Zeitlangeitlang anders aus, aber warum nur da? wenn eine Mannschaft schon nicht überragend spielen kann, dann muss sie extrem viel arbeiten, und das muss für die neue Saison sichergestellt werden. ich will gar nicht sagen, dass die fehlenden Kilometer an der fehlenden laufbereitschaft oder der Kondition liegen, ich denke eher, dass zu viele Spieler sich passiv im Spiel verhalten und dadurch erst gar nicht viel laufen müssen.
    Ihr Verantwortlichen, es gibt viel zu tun, packt es bitte gründlich an und dann wünsche ich uns allen eine bessere Saison 2020/21.

    • Ziesi says:

      So ist es. Entweder bin ich mit einem unfassbaren Talent gesegnet, dann brauche ich als Fußballer nicht außergewöhnlich viel laufen, ackern und fighten. Dann spiele ich aber auch bei nem Verein, der tabellarisch etwas höher angesiedelt ist. Oder ich bin nicht mit diesem außergewöhnlichen Talent gesegnet, dann muss ich alles durch bedingungslosen Einsatz ausgleichen. Dann spiele ich im Gegenzug bei den Vereinen weiter hinten. Schlimm wird es dann, wenn ich glaube, zur erstgenannten Gruppe zu gehören und dadurch die Notwendigkeiten der zweitgenannten außer Acht lasse. Und in diesem Jahr hatte es den Anschein, dass ich dann beim 1. FC Köln lande. Wie schon beim Leon-Goretzka-Artikel geschrieben: man kann nur hoffen, dass die FC-Spieler erkennen, dass der berühmte Tick mehr gegenüber den anderen Teams letztlich belohnt wird. Etwas mehr trainieren, etwas professioneller verhalten, etwas mehr Extraschichten, etwas mehr Laufarbeit im Spiel,… und in der Summe wird es eine tolle Saison 2020/21.

  4. Max Moor says:

    @@ Hesback 2020 @ Deutscher Meister 8 × hintereinander. . Die Kinder kennen Heute keinen anderen ! ! ! , Deutscher Pokalsieger **** sind halt die Besten ! Geld schießt Tore ..wie der hübsche Marcel Reif immer sagt ;-)

  5. Frank Buschmann says:

    Ich freue mich jetzt schon auf den 10 und 11 Saisonrückblick vom Geißblog.
    Frau Eich, das ist eigentlich alles schon x-mal gesagt und geschrieben worden.
    Keine neuen Erkenntnisse.
    Ich kann verstehen, das ein werbefinanziertes Portal Klicks braucht, aber doch nicht so .

    • Gerd1948 says:

      Kommen aber jetzt aus dem Nichts keine neuen Themen auf. Die Alternative wäre nichts zu veröffentlichen. Es war hier übrigens schon immer so, dass alles wie im wahren Leben 7x durchgekaut wird bevor man es schluckt. Da dreht man sich natürlich im Kreis. Das einzigste was man in den nächsten 3 Wochen schreiben kann ist das spekulieren über mögliche Transfers, selbst aber das ist ja schon beantwortet mit „Gewinnern oder Verlierern der Saison“.

  6. Max Moor says:

    Gerd , wie werden sehen was passiert im Sommer , wenn Cordoba nicht verlängern sollte ist das Thema eh durch . Ich wollte auch nur damit sagen das unser Sturm Qualität hat die für Bundesliga reicht aber die ganzen anderen Positionen sind viel zu schwach besetzt . Wie kann es sein das der neue Shkiri der 3.Beste Läufer der Liga ist und dann auf Platz 41. Hector und wo sind Schmitz , Höger usw…. Timo Horn müsste bei den Torhütern normal auch ganz unten sein denn gehalten hat er nicht gut .Die Abwehr und das Mittelfeld war kaum oder nie vorhanden , kein System ist zu erkennen ! Umschaltspiel etc. Immer nur nach hinten , Fehlpässe .. sinnlos nach vorne gedrösche zum Gegner. .. Easy dann von Außen völlig frei und kommt dann mit ganz schwachen Flanken .. Dann von 150 Ecken kommt nur eine zum Spieler …auch Negativ Wert der Liga

    • Gerd1948 says:

      dann müsste man Kainz immer spielen lassen, der kann Standards, ansonsten trainieren trainieren trainieren. A und O des Fußballs, Spiel ohne Ball, die sinnfreien Befreiungsschläge müssen weg, es sei denn man hat nen Boateng, der immer weiss wie der gute Mitspieler läuft. Heisst, wenn Czichos oder Bornauw am Ball sind muss vorne einer auf außen Gas geben. Auch Skhiri und Hector sind ja zum Schluss etwas weniger gelaufen, also stimmt die Fitness sehr sehr sehr wahrscheinlich insgesamt nicht. Heldt kümmert sich um nen überschaubaren Trainingsplatz und Gisdol darum ,dass der Rasen auch bei jedem Training brennt. Die Einstellung zum Spiel fängt unter der Woche beim Training an. Du kannst nicht erst Samstag um 15:30 Uhr den Schalter umlegen.Urlaub ist Urlaub, Arbeit ist Arbeit, aber dann muss sich jeder zeigen wollen, auch Höger,Schmitz, Risse, Clemens u.a. die hinten dran sind. Ansonsten raus aus dem 20er Kader

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