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Heldts Mission für die FC-Zukunft: Mehr Leistung für weniger Geld


Vieles am 1. FC Köln im Sommer 2020 erinnert an den FC aus den Jahren 2012 und 2013. Damals musste eine große Veränderung her. Es folgten Konstanz und Erfolg. Danach wendete sich die Spirale wieder in die andere Richtung. Das Personal-Karussell des Klubs drehte sich wieder derart schnell, dass man mit den Wechseln in der Führungsetage kaum mehr hinterher kam. Nun müssen sich die Geißböcke wieder daran erinnern, wie der Klub damals die Kurve bekommen hatte. Denn auch damals hatte man nur wenig Geld zur Verfügung, doch man setzte es gezielt ein.  

Köln – Horst Heldt hat seine vertragliche Situation geklärt und Klarheit: Der Sportchef des 1. FC Köln besitzt dank eines neuen Vertrags bis 2023 das Vertrauen und die Autorität eines Managers, dem die Zukunft der Geißböcke in die Hände gelegt wurde. Der 50-jährige soll den FC erneuern, manche sprechen gar von reformieren. Denn Heldt muss die Folgen jahrelanger Misswirtschaft ausmerzen und etwas Neues erschaffen, einen Umbruch einleiten, der in Umfang und Schwere an die Sommer 2012 und 2013 erinnert, nur eben nicht in der Zweiten Liga, sondern in der Bundesliga.

Seine Vorgänger haben ihm viel Arbeit hinterlassen. Jörg Schmadtke hatte drei Jahre lang fast alles richtig gemacht, um dann in den letzten Monaten seiner Amtszeit als Sportchef über den Streit mit Peter Stöger nahezu alles wieder einzureißen oder einreißen zu lassen, was man sich aufgebaut hatte. Ihm folgte Armin Veh, von Alexander Wehrle herbeigewünscht, vom damaligen Vorstand blindlings und ohne genauere Prüfung akzeptiert, weil man den eigentlichen Wunschkandidaten – Horst Heldt – nicht bekommen hatte. Veh erwies sich als kolossaler Fehler, der in zwei Jahren am Geißbockheim kein gesteigertes Interesse am Klub entwickelte, sich nach außen als Kommunikator verkaufte, nach innen aber keine Diskussionen zuließ, Kritiker versuchte auszuschließen und im Moment des ersten Gegenwindes wie schon häufiger in seiner Karriere das Weite suchte. Bis dahin hatte er dem Klub aber weitere Probleme in Millionenhöhe für die kommenden Jahre aufgeladen.

50-Millionen-Etat ist kein Zeichen der Stärke, sondern der Not

Probleme, die sein Nachfolger Horst Heldt noch länger wird ausbaden müssen. Rückblickend sagt auch Alexander Wehrle inzwischen, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche Fehler gemacht wurden, auch vertraglicher Natur, die den Klub nun belasten. Gemeinsam mit Heldt müssen die beiden Geschäftsführer diese nun korrigieren. Doch so schnell wird dies nicht gehen. Verträge sind schließlich Verträge, aus denen der FC nicht einfach aussteigen kann. Wer in der Bundesliga aus Verträgen aussteigen will, muss in der Regel sechs- bis siebenstellige Summen zahlen. Gelder, die die Geißböcke nicht haben. Wenn dieser Tage also davon die Rede ist, es sei ein „starkes Signal“, dass der FC am Spieleretat von rund 50 Millionen Euro „festhalten will“ (Bild), so kann von „wollen“ oder „Stärke“ eigentlich keine Rede sein. Der FC hat keine Wahl. Er muss! Denn der Kader ist überteuert und mit reihenweisen Millionenverträgen noch über mehrere Jahre hinweg blockiert.

Vielmehr heißt es intern, dass der Klub am liebsten mit einem deutlich kleineren und vor allem deutlich billigeren Kader in die nächsten Bundesliga-Saison gehen würde – und trotzdem wettbewerbsfähiger sein wolle als aktuell. Weniger Geld für mehr Leistung – das ist also die Aufgabe, die Horst Heldt für diesen Sommer aufgetragen bekommen hat. Alles mit dem Ziel, einfach nur irgendwie in der Bundesliga zu bleiben. Der Klassenerhalt und nichts als der Klassenerhalt zählt. Zu mehr wird es für den FC auf Sicht nicht reichen. Keine Träume von einstelligen Tabellenplätzen oder gar Europa, sondern Klassenkampf pur. So wie es die Mannschaften aus Augsburg und Mainz seit Jahren erfolgreich praktizieren. Nur im Falle des Klassenerhalts wird es Heldt gelingen den FC nachhaltig zu konsolidieren. Teure Verträge müssen in den nächsten zwei Jahren entweder aufgelöst werden oder der Klub muss sie auslaufen lassen. Stattdessen sollen junge, hungrige und vor allem preiswertere Spieler in den Klub kommen oder aus dem Nachwuchs aufsteigen.

FC kassiert 16 Mio. Euro jährlich weniger

Warum der Verbleib in der Bundesliga dafür ein Muss ist, ist kein Rätsel. Ein Blick auf die Tabelle der TV-Gelder gibt die Antwort: Mainz spielt seit elf Jahren und Augsburg seit neun Jahren ununterbrochen in der Bundesliga. Im gleichen Zeitraum musste der FC zweimal in die Zweite Liga. Der jeweilige Abstieg kostete nicht nur in dem einen Jahr der Zweitklassigkeit einen zweistelligen Millionenbetrag, sondern auch auf die nächsten Jahre hinweg viele Millionen Euro mehr. In der Saison 2017/18 belegte Köln in der TV-Gelder-Tabelle durch den Europa-Erfolg zwar Rang neun. Durch den Abstieg und anschließenden Wiederaufstieg fiel der FC in dieser Wertung aber wieder auf Rang 15 zurück. Der Unterschied zum neunten Platz? 16 Millionen Euro – pro Jahr! Auf diesen neunten Rang wird Köln auf Jahre hin nicht wieder zurückkehren. Zu weit hat der Abstieg die Geißböcke zurückgeworfen. So wird der FC in naher Zukunft jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag weniger verdienen als es möglich gewesen wäre, hätte man diesen Abstieg damals verhindert. Sorgen, die Klubs wie Mainz und Augsburg nicht haben, weshalb ihnen deutlich mehr Geld zur Verfügung steht als den Geißböcken.

Der FC muss wieder lernen aus wenig viel zu machen

Kölns Devise lautet daher: Erneuerung durch Konstanz, Konstanz durch Erneuerung. Der Klub wird sich nur dann strukturell neu aufstellen können, wenn er sich wieder in der Bundesliga etabliert. Für eine sportliche Beständigkeit braucht es aber einen personellen Umbruch. Diesen soll Sportchef Heldt herbeiführen und der Mannschaft ein neues Gesicht verleihen. Viel Geld steht ihm dafür nicht zur Verfügung. Doch der 1. FC Köln hat in den letzten Jahren mit viel Geld schon genügend viele falsche Entscheidungen getroffen. Es ist an der Zeit, aus wenig wieder viel zu machen.

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