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Wydra, Castrop und Diehl: FC muss seine Toptalente sichern


Der Nachwuchs des 1. FC Köln ist mit Toptalenten gespickt. Die jüngsten Bundesliga-Debüts von fünf Spielern aus den eigenen Reihen sind das beste Exempel dafür. Ein mahnendes Beispiel muss den Geißböcken aber der vorzeitige Abgang von Florian Wirtz nach Leverkusen sein. Der Wechsel von Nachwuchstrainer Markus Daun zu Bayer 04 muss beim die Alarmglocken schrillen lassen. Denn jetzt geht es um die Zukunft jener Spieler, die es Wirtz gleichtun könnten.

Köln –  Laut dem Fußballportal transfermarkt.de hat Florian Wirtz seit Saisonende einen geschätzten Marktwert von zehn Millionen Euro. Der 17-jährige, der in der Hinrunde noch in der B-Junioren-Bundesliga für den 1. FC Köln als Kapitän auf dem Platz stand, hat seinen Marktwert innerhalb eines halben Jahres auf der anderen Rheinseite mal eben in eine zweistellige Millionenhöhe katapultiert. Zum Vergleich: Beim 1. FC Köln werden lediglich die Marktwerte von Sebastiaan Bornauw (elf Millionen) und Jhon Cordoba (zwölf Millionen) höher eingeschätzt als jener von Wirtz. Doch klar ist auch, dass der Spieler den Leverkusenern mit seiner hohen Veranlagung noch eine weitaus höhere Ablösesumme einbringen könnte, sollte er Leverkusen irgendwann verlassen.

Daun-Wechsel nach Leverkusen als Warnung

Dem FC liegt der Verlust von Wirtz noch immer schwer im Magen. Zum einen, wenn die Verantwortlichen mit ansehen müssen, wie sich der Mittelfeldspieler unter dem Bayer-Kreuz zu einem wertvollen Bundesligaspieler entwickelt. Zum anderen, sollten irgendwann hohe Summen für Wirtz auf das Leverkusener Konto fließen. Gleichzeitig werden die Verantwortlichen bei den Geißböcken daraus lernen müssen, ihre Talente in den eigenen Reihen in Zukunft noch früher langfristig mit Verträgen abzusichern. Da muss der Wechsel des ehemaligen U21- und U17-Trainers Markus Daun nach Leverkusen ein zu beachtendes Warnsignal sein. Beim FC hatte man für den Fußballlehrer aus finanziellen Gründen angesichts der Coronakrise keinen Platz mehr. Nun steht der 39-jährigen in der kommenden Saison bei der U15 aus Leverkusen an der Seitenlinie. Die Kölner werden daher nun aufpassen müssen, dass sich Bayer durch die Kontakte von Daun nicht noch weiter unter den Besten im FC-Nachwuchs bedient.

Daun entdeckte Wydra und baute Diehl auf

Denn Toptalente gibt es in der Nachwuchsschmiede am Geißbockheim zuhauf. Daun als ehemaliger U17-Trainer, der die Mannschaft vor dem Corona-bedingten Saisonabbruch zur Staffelmeisterschaft im Westen geführt hatte, kennt sie bestens. So entdeckte der Trainer beispielsweise Philipp Wydra in Österreich höchstpersönlich, lotste ihn nach Köln und entwickelte ihn in der Saison 2019/20 zu einem der besten Spieler in der B-Junioren-Bundesliga. Mit 17 Treffern war der Österreicher in der abgebrochenen Saison gemeinsam mit Emrehan Gedikli aus Leverkusen erfolgreichster Torjäger der Liga. Darüber hinaus formte Daun aus Jens Castrop den dominanten Sechser der Liga und machte ihn nach dem Wirtz-Abgang zum Kapitän. Nachdem Castrop im Meister-Jahr zuvor als jüngerer Jahrgang noch nicht im Vordergrund stand, übertrug Daun dem Junioren-Nationalspieler im vergangenen Jahr mehr Verantwortung. Dieser dankte es seinem Trainer mit starken Leistungen in der U17. Und nicht zuletzt zog der Fußballlehrer Justin Diehl als 15-jährigen aus der U16 in die U17 hoch und machte ihn zum Torjäger. Hinter Wydra war Diehl beim FC mit neun Treffern in zehn Spielen der erfolgreichste Angreifer in der B-Jugend.

Der Erfolg im Nachwuchsbereich der Geißböcke ist daher immer auch ein zweischneidiges Schwert. Neben der Anerkennung ob der guten Arbeit im Junioren-Bereich tobt der Kampf um die eigenen Talente. Auf Wydra sind längst andere Topklubs in Deutschland aufmerksam geworden. Immerhin verfügt der Österreicher beim FC bereits über einen Vertrag bis 2022 und durfte erste Erfahrungen bei den Profis sammeln. Im Testspiel gegen den PEC Zwolle (0:0) bekam der Youngster einige Minuten, um sich zu zeigen. Auch in den von Markus Gisdol anberaumten internen Trainingsspielen kam der Mittelfeldspieler bereits zum Einsatz. Auch U16-Nationalspieler Diehl ist außerhalb Kölns heiß begehrt. Dessen ist man sich auch am Geißbockheim bewusst und führte bereits Gespräche mit dem seit seinem sechsten Lebensjahr beim FC spielenden Angreifer. Der 15-jährige wurde bereits mit seinen Beratern beim FC vorstellig, zeigte dies erst kürzlich auf seinem Instagram-Profil. Genauso wie bei Castrop läuft der Vertrag des Talents beim FC noch bis 2021. Bei beiden streben die Geißböcke mit der Wirtz-Erfahrung im Hinterkopf schnellstmöglich eine Verlängerung an und wollen vermeiden, dass ihnen weitere Toptalente abhanden kommen, ehe sie den Sprung zu den Profis geschafft haben.

Vorstand bestätigt Lehren aus Wirtz-Abgang

Nach dem Saisonende gab der FC-Vorstand bereits zu, dass der Verlust von Wirtz eine der größten Niederlagen der Spielzeit gewesen sei. Gleichzeitig bestätigte das Führungstrio um Präsident Werner Wolf, Maßnahmen getroffen zu haben, um solch schmerzhafte Abgänge in Zukunft zu vermeiden. Dazu zählt, dass die Sicherung der Toptalente bereits zu den Aufgaben der Profiabteilung gehört und nicht mehr nur zu denen des Nachwuchsleistungszentrums. Dabei werden Sport-Geschäftsführer Horst Heldt und Kaderplaner Frank Aehlig früher als bislang in die Vertragsgespräche mit den größten Talenten eingebunden und die Förderung noch enger mit der Lizenzabteilung abgesprochen. Der FC will so aus seinen Fehlern im Umgang mit Wirtz gelernt haben. Bleibt abzuwarten, ob die größten Talente es den Geißböcken mit ihren Unterschriften unter langfristige Verträge mit Profi-Perspektive danken. Und aus FC-Sicht bleibt zu hoffen, dass mit Markus Daun nicht plötzlich der ehemalige Entdecker und Förderer bei den Toptalenten des FC an die Tür klopft und sie ebenfalls nach Leverkusen lockt.

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