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So ambitioniert plante der FC die Zeit nach dem Aufstieg


Der 1. FC Köln steht wie kaum ein zweiter Bundesligist vor großen Herausforderungen. Den FC-Bossen macht eine Kombination zu schaffen aus den Folgen der Corona-Krise und krassen Fehleinschätzungen der Vergangenheit. Dabei wollte der FC mit ambitionierten Zielen zurück in die Bundesliga, wie Unterlagen aus dem Herbst 2018 zeigen, die dem GEISSBLOG.KOELN vorliegen. Daraus geht hervor, dass die damalige sportliche Leitung überzeugt war, nach dem Aufstieg in nur zwei Jahren wieder auf einen einstelligen Tabellenplatz in der Bundesliga vordringen zu können. Diese Ziele sind nun einem erzwungenen Realismus gewichen.

Köln – Es war im Herbst 2018, als der damaligen Sportchef Armin Veh und Finanz-Boss Alexander Wehrle ihre Planungen für die Spielzeiten 2019/20 und 2020/21 für den Fall aufstellten, dass der FC sofort wieder in die Bundesliga zurückkehren würde. Der FC hatte zwar gerade das finanziell erfolgreichste Geschäftsjahr in der Vereinsgeschichte abgeschlossen, war aber trotzdem abgestiegen. Die Saison 2017/18 hatte trotz eines Gewinns von 27,4 Millionen Euro im sportlichen Super-GAU geendet.

Veh und Wehrle sollten den FC daher neu aufbauen. Nur wie? Veh beklagte zwar, dass der Spieleretat in der Bundesliga bei 47 Millionen Euro gelegen habe, die Mannschaft dies aber nicht wert gewesen sei. Dennoch entschied sich der Sportchef gegen einen Umbruch, verlängerte die Verträge mit den Stars und gab zusätzlich als Zweitligist noch 18,3 Millionen Euro für Neuzugänge aus. Diese Neuzugänge, so Veh, sollten den FC nicht nur zum Aufstieg verhelfen, sondern bereits ein Vorgriff auf die kommende Saison sein. „Alle Spieler, die ich jetzt für die Zweite Liga geholt habe, hätte ich auch für die Bundesliga geholt“, sagte der Geschäftsführer Sport im Sommer 2018.

Kölns Saisonziel für 2020/21 sollte Rang 9 sein

Ein inzwischen unter FC-Fans schon legendärer Ausspruch, schließlich besagte dieser einerseits, dass Veh deutlich geringere Investitionen nach dem Bundesliga-Aufstieg für nötig hielt und andererseits davon überzeugt war, mit seinen Sommer-Transfers 2019 (Bader, Czichos, Drexler, Hauptmann, Schaub, Schmitz, Sobiech) die Grundlage für eine erfolgreiche Zeit in der Bundesliga gelegt zu haben. Das zeigte sich auch in den Zielvorgaben, die Veh nach GBK-Informationen für die ersten zwei Jahre nach dem Aufstieg formulierte: Als Aufsteiger wollte der FC nicht etwa nur Platz 15 und damit den alleinigen Klassenerhalt zum Ziel ausrufen, sondern Platz 13. Im zweiten Jahr und damit in der nun folgenden Saison 2020/21 wollte Veh mit dem FC sogar schon zurück in die obere Tabellenhälfte und übernahm Platz 9 in die Zielvorgabe.

Ambitionierte Ziele, die Veh nun in der letzten Folge der FC-Dokumentation 24/7 indirekt bestätigte. „Ich habe die Mannschaft vor der Saison zwischen Platz neun und zwölf eingeschätzt“, sagte Veh und machte damit deutlich, dass er mit dem Aufsteiger nichts mit dem Abstieg hätte zu tun haben wollen. Dafür hatte er entsprechend investiert und nach den 18,3 Mio. Euro im Sommer 2018 noch einmal rund 20 Mio. Euro im Sommer 2019 ausgegeben. Das allerdings bekanntlich auch deswegen, weil er hatte feststellen müssen, dass für die große Mehrheit seiner Zweitliga-Neuzugänge der Sprung in die Bundesliga doch zu groß sein würde.

Wir müssen kritischer sein und reflektieren

Möglich wäre Rang 13 am Ende der abgelaufenen Saison noch gewesen, jedoch verpasste der FC dieses Ziel durch ein schwaches Saisonfinale. Mit Platz 14 schrammte man um einen Platz an der Vorgabe vorbei – deutlicher aber an Vehs Hoffnung zwischen Rang neun und zwölf einlaufen zu können. Auch dies wäre zwischenzeitlich sogar möglich gewesen, doch am Ende ging den Geißböcken die Puste aus. Allerdings dürfte nun aufgrund der Corona-Krise und der großen Herausforderung in der Kadergestaltung das im Herbst 2018 anvisierte Ziel von Rang neun in der Saison 2020/21 als unrealistisch eingestuft werden. Vielmehr werden die Kölner, wie Veh-Nachfolger Horst Heldt betonte, zu einem neuen Realismus gezwungen und einzig den Klassenerhalt mit Rang 15 als Ziel vorgeben. Der FC will nicht noch einmal den Fehler machen, sich von vorne herein in einer Saison zu hohe Ambitionen zu setzen. Das neue Motto soll heißen: Niedrige Ziele kann man einfacher nach oben korrigieren als ambitionierte Ziele nach unten.

Auch Finanz-Boss Wehrle bestätigte, dass man beim FC umdenken und aus der Vergangenheit lernen müsse. „Wir müssen kritischer sein und reflektieren“, gestand der 45-jährige in der letzten Folge der FC-Dokumentation. „Wir haben vor der Saison gesagt, dass wir kein normaler Aufsteiger sind. Das mag von den Rahmendaten zwar richtig gewesen sein, aber wir waren trotzdem als Aufsteiger mit einer Zweitliga-Mannschaft zurück in der Bundesliga.“ Vor diesem Umstand hatte man beim FC im Herbst 2018 noch die Augen verschlossen, für die Zukunft will man es besser machen. Der neue Sportchef Heldt forderte in den vergangenen Wochen bereits mehr Demut am Geißbockheim ein. Kurz vor Ende der Saison sagte der 50-jährige: „Wir sind zwar der 1. FC Köln, aber wir sind verdammt nochmal Aufsteiger. Wenn wir das nicht in den Kopf kriegen, wird es nicht besser. Wir brauchen erst einmal Stabilität und Ruhe.“ Und weiter: „Auch in der nächsten Saison gilt nur der Klassenerhalt und im DFB-Pokal weit kommen. Alles andere darf als Ziel keine Rolle spielen.“ Von Rang 9 als Zielvorgabe haben sich die Geißböcke also auf unbestimmte Zeit verabschiedet.

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