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Vier Gründe: Heldt erklärt den bewegungslosen Transfermarkt


„Sehr ruhig ist noch untertrieben.“ Mit diesen Worten hat Horst Heldt im Gespräch mit dem GEISSBLOG.KOELN die aktuelle Lage auf dem internationalen Transfermarkt beschrieben. Der Sportchef des 1. FC Köln befindet sich in einer Warteschleife, aus der sich der Klub wohl erst im August herauswinden wird. Auch in dieser Woche wird es wohl zu keinen weiteren Personalentscheidungen kommen. 

Köln – Horst Heldt hat alle Hände voll zu tun und doch sind ihm die Hände gebunden. Keine Neuzugänge ohne Abgänge, so viel ist längst klar. Das beste Beispiel dafür ist die Personalie Mark Uth. Keine Gespräche bedeutet in diesem Fall einfach nur: nichts Neues. Denn erst einmal laufen die Gespräche nur auf Seiten der Abgänge. „Alle sind noch sehr zurückhaltend“, sagt Heldt auf GBK-Nachfrage. „Dass wir für Birger Verstraete und Niklas Hauptmann frühzeitig Lösungen gefunden haben, war für uns sehr wichtig.“ Jetzt aber müsse sich der FC genauso wie viele andere Klubs aus vier Gründen gedulden.

1. Viele Ligen spielen noch

Die Ligen in zahlreichen anderen Ländern sind noch nicht beendet. „Sportlich stehen noch einige Entscheidungen an“, betont Heldt. Erst wenn alle Vereine wissen, in welchen Ligen sie spielen werden, ob Champions League, Europa League oder gar nicht international, erst wenn die TV-Gelder über die definitiven Platzierungen verteilt sind, werden in vielen internationalen Ligen die Planungen für die nächste Saison so richtig beginnen. Das beste Beispiel aus Kölner Sicht ist die Schweiz: Dort spielt Frederik Sörensen bei den Young Boys Bern, dem aktuellen Tabellenführer mit zwei Punkten Vorsprung bei noch vier ausstehenden Spielen. Erst am letzten Spieltag wird sich wohl die Meisterschaft entscheiden, wenn YB auf den Zweiten aus St. Gallen trifft. Dann wird auch klar sein, ob Bern in die Champions-League-Qualifikation darf oder als Zweiter in der Europa League spielen würde. Nach GBK-Informationen hatte YB eine Kaufoption auf Sörensen, diese ist jedoch abgelaufen. Doch im Falle der Meisterschaft stünden die Chancen eher zugunsten eines Verbleibs des Dänen in Bern, der sich sportlich wie familiär dort wohl fühlt. Bern hätte dann das Geld sich den Innenverteidiger zu leisten. Eine Entscheidung wird aber nicht vor Mitte August fallen.

2. EL- und CL-Endrunde erst im August

Die Europa League und Champions League der Saison 2019/20 werden erst im August zu Ende gespielt. Das heißt: Die internationalen Top-Klubs halten ihre Kader noch zusammen, wollen keine Top-Spieler abgeben, die dann im August nicht mehr zu Verfügung stehen würden. „Viele dieser Vereine werden jetzt noch nicht aktiv werden oder nur wenige Transfers machen“, glaubt Heldt. Erst ab Ende August wird es dann mit noch einem Monat Zeit auf dem Transfermarkt bis zum 5. Oktober so richtig rund gehen. Dann wird alles Geld verteilt sein, insbesondere bei den ganz großen Klubs, die durch ihre großen Transfers häufig erst die internationalen Dominobewegungen auslösen.

3. Gehälter sparen im Juli

Erst ab Ende Juli herrscht bei den Bundesligisten wieder Trainingsbetrieb, so richtig nehmen in Deutschland die Klubs ihre Arbeit aber erst wieder im August auf – so auch der FC. „Im Juli herrscht also noch kein akuter Handlungsbedarf“, sagt Heldt. Dies ist ein wichtiger Faktor in einer Zeit, in der die Gelder knapp sind. Der imaginäre Stichtag ist daher der 1. August. Wenn Vereine erst zu diesem Tag neue Spieler unter Vertrag nehmen, müssen sie auch erst ab August deren Gehälter zahlen. Die Klubs sparen damit also die Juli-Gehälter für Neuzugänge. Der Umkehrschluss gilt allerdings gleichermaßen, denn auf der anderen Seite müssen sie die Juli-Gehälter jener Spieler tragen, die sie eigentlich loswerden wollen, bei denen die aufnehmenden Klubs aber im Juli noch pokern und ebenso auf den August warten. Beim FC sind dies bekanntlich zahlreiche Profis. Daher können es sich die Geißböcke nicht leisten, potentiellen Neuzugängen bereits im Juli ein Gehalt zu zahlen, für das der Klub keine Gegenleistung in Form von Trainings oder Pflichtspielen erhält.

4. Die Zuschauerfrage in der Corona-Krise

Noch ist nicht geklärt, wie sich die Corona-Krise auf die nächste Saison auswirken wird, wie viele Zuschauer ab wann wieder in die Stadien dürfen und zu welchen Bedingungen. Diese Entscheidungen werden gravierende Auswirkungen auf die Finanzplanungen der Klubs haben. Je schneller die Planungen vorankommen und die Klubs die Zusagen der Behörden erhalten, desto eher können die Vereine ihre Budgets für die kommende Saison aktualisieren und wissen, wie viel Geld ihnen für Transfers zur Verfügung stehen wird. Im Kölner Fall wird laut kicker das Fassungsvermögen des RheinEnergieStadions gemäß des DFL-Leitfadens für eine Teil-Öffnung zwischen 14.964 und 21.934 Zuschauern liegen. Ab wann dies gelten wird, wie sich diese Zuschauer tatsächlich über das Stadion verteilen werden und welche Preise sie für die einzelnen Bereiche zahlen müssen, ist noch in Arbeit. Klar ist: Der FC wird um jeden Zuschauer kämpfen in der Hoffnung, die Verluste so gering wie möglich zu halten.

Vier Gründe also, weshalb gerade ein Klub wie der 1. FC Köln sich noch in Geduld üben muss. Der außergewöhnlich ruhige Transfermarkt wird erst im August so richtig ins Rollen kommen.

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