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Was die FC-Profis von Leon Goretzka lernen können


Die Spieler des 1. FC Köln haben sich in den Urlaub verabschiedet. Wenn sie Anfang August wiederkommen, werden sie auf ein verändertes Athletik-Trainerteam treffen. Für die freie Zeit haben sie individuelle Trainingspläne mitgekommen. Man darf gespannt sein, ob sich einer der FC-Profis Leon Goretzka zum Vorbild genommen hat. Der Bayern-Star hatte seinen Körper in der Corona-Pause transformiert und sein Leistungsniveau dadurch noch einmal deutlich angehoben.

Köln – Dennis Morschel ist nicht mehr Reha-Trainer beim 1. FC Köln. Der 35-jährige wechselt aus dem Athletik-Team der Geißböcke zur neuen Saison zu Borussia Dortmund. Nachdem Morschel 2016 von Preußen Münster in das Kölner Nachwuchsleistungszentrum gewechselt war, war er im Januar 2018 als Nachfolger von Marcel Abanoz zu den FC-Profis gewechselt. Zusammen mit Max Weuthen, der als Athletik-Trainer den Posten von Yann-Benjamin Kugel übernahm, betreute Morschel fortan die Profis. Nun der Abschied zum BVB.

Ein Nachfolger ist bereits gefunden und kommt erneut aus dem eigenen Nachwuchs. Leif Frach übernimmt Morschels Posten. Der studierte Sportwissenschaftler, der auch den B-Trainerschein besitzt, hatte nach seinem Abschluss an der Sporthochschule Köln als Reha-Coach bei Werder Bremen begonnen. Nach zwei Jahren war er zurück nach Köln zum FC gewechselt, um anschließend erneut für den Nachwuchs des SVW zu arbeiten, schließlich als Leiter der Athletik-Abteilung im Werder-Nachwuchs. Von dort aus war er 2018 erneut zurück nach Köln zum FC gewechselt und hatte Morschels und Weuthens Posten im FC-NLZ übernommen. Nun also der Aufstieg zu den FC-Profis unter Markus Gisdol an Weuthens Seite.

Goretzka kann als Vorbild dienen

Noch ohne Frach hatte Weuthen den Trainingsplan für die Sommerpause der Kölner erstellt. Gisdol hatte angedeutet, dass die Spieler nach der langen und kräftezehrenden Saison eine längere Zeit bekämen, um sich zu erholen. Nicht bekannt ist, ob so mancher Spieler jedoch darum gebeten hat, einen straffen Trainingsplan für die Pause zu erhalten. Um einen solchen hatte Leon Goretzka vom FC Bayern im März gebeten, um sich in Abstimmung mit der Physio-Abteilung des Rekordmeisters auf ein kaum vorstellbares Niveau zu trainieren. Als die Saison Ende Mai wieder begann, war Goretzka kaum wiederzuerkennen. Von dem schlaksigen Mittelfeldspieler war nichts mehr zu sehen. Stattdessen hatte sich der Nationalspieler mehrere Kilo Muskelmasse antrainiert, sichtbar an den Armen und den Schultern, vor allem aber – wie auf Instagram zu sehen – am Rücken und der gesamten Rumpfmuskulatur. Aus einem hochgewachsenen, aber schmalen Goretzka wurde ein Mittelfeld-Bulle, weiterhin schnell auf den Beinen, nun aber auch robuster wie kaum ein zweiter Spieler in der Bundesliga. Der Erfolg war auf dem Rasen sofort sichtbar: In den Zweikämpfen am Boden wie in der Luft stärker, noch selbstbewusster und mit schier grenzenlosem Vertrauen in seinen Körper, blühte Goretzka im Saison-Endspurt noch einmal auf und brillierte mit drei Toren und vier Vorlagen im Kampf um die Meisterschaft.

Schnell fragten Experten: Würden nun auch andere Fußballprofis Goretzkas Weg gehen und die Sommerpause nutzen, um sich entsprechend aufzutrainieren? In der Vergangenheit hatten Spieler wie Robert Lewandowski, Cristiano Ronaldo oder Gareth Bale für derartige körperliche Verwandlungen gestanden und sich so in die Weltspitze katapultiert. So weit ist Goretzka noch nicht, doch seine Rolle beim FC Bayern hat sich verändert. Zusammen mit Joshua Kimmich hat er sich an die Spitze der nächsten Generation gesetzt. Wird er somit zum Vorbild für andere Fußballer, auch jene beim 1. FC Köln?

Muskeln und Tempo widersprechen sich nicht

Immer wieder in den vergangenen Jahren gab es Diskussionen beim FC, ob die Spieler körperlich zulegen müssten. Läuferisch, aber auch muskulär. In der Abstiegssaison 2017/18 sprach Stefan Ruthenbeck beispielsweise nach dem Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt fast schon ehrfürchtig über die gegnerische Mannschaft. „Als die Jungs nach dem Spiel ihre Trikots ausgezogen haben, hat man gesehen, was sie so stark macht.“ Der FC war körperlich weit überlegen, Frankfurt hatte damals unter Niko Kovac auch deswegen so großen Erfolg, weil dieser besonderen Wert auf die Arbeit im Kraftbereich gelegt hatte. Längst gelten Ansichten überholt, wonach muskulär besonders ausgeprägte Profis automatisch an Geschwindigkeit verlieren. Ein Blick in andere Sportarten wie Rugby zeigt, dass ein besonders muskulärer Körperbau kein Widerspruch zu Topspeed und Wendigkeit sein muss. Ein Beispiel ist der vom FC Liverpool umworbene Adama Traoré von den Wolverhampton Wanderers. Ein Spieler, der beim FC Barcelona als schmächtiger Jugendlicher über die Außenbahn flitzte und sich dann über die Jahre zum wohl körperlich stärksten Fußball in Europa entwickelte. Ein Kraftpaket, sich auch derart schnellkräftig machte, dass er mit 37 (!) km/h aktuell als der schnellste Fußballer der Welt gilt.

Nur wenige FC-Spieler auf einem ähnlichen Niveau

Leon Goretzka nutzte nun die Coronavirus-Unterbrechung, um sich körperlich derart zu transformieren, dass man sich fragen muss, warum das nicht alle Fußballprofis getan haben oder im Sommer tun werden. Nicht jeder Körper funktioniert und reagiert gleich auf Trainingsreize, nicht jeder Mensch kann muskulär gleiche Ergebnisse erzielen. Doch beim FC gibt es nur wenige Spieler, die in Sachen Robustheit ihren Gegenspielern meist überlegen sind. Jhon Cordoba und Christian Clemens gelten als die beiden größten Kraftpakete. Sebastiaan Bornauw und Rafael Czichos sowie Anthony Modeste stehen ihnen in nicht vielem nach. Doch allzu viele andere FC-Profis könnten sich an Goretzka, aber auch an Joshua Kimmich ein Beispiel nehmen. Auch der 25-jährige Defensivspezialist hat sich in den letzten zwei Jahren körperlich derart weiterentwickelt, dass er trotz seiner überschaubaren Körpergröße (1,76 Meter) bereits in der Innenverteidigung eingesetzt wurde. Spieler wie das Bayern-Duo haben erkannt, dass ihnen ein muskulöserer Körper nicht nur physisch weiterhilft, sondern auch psychologisch. Den Gegner beeindrucken, nicht angreifbar sein, Härte ausstrahlen: Bornauw und Cordoba waren beim FC in der vergangenen Saison auch deshalb die besten Feldspieler, weil sie ihren Gegnern körperlich häufig überlegen waren. Ob ihre Teamkollegen sich dies zu Herzen nehmen? Leon Goretzka hat vorgemacht, dass eine Veränderung kein Wunderwerk ist, sondern in wenigen Wochen herbeigeführt werden kann.

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