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Eine Vorbereitung hinter verschlossenen Türen


Seit einer Woche läuft die Vorbereitung des 1. FC Köln – und kaum einer bekommt es mit. Zumindest nicht vor Ort. Selbst das erste Testspiel am Dienstagabend gegen die SpVg Porz bewegt kaum jemanden im FC-Umfeld. Die sechs Wochen im Sommer vor einer Saison gehören in der Regel zum stimmungsvollen Hinfiebern auf die nächste Bundesliga-Saison. Doch Corona hüllt all dies in eine nahezu undurchdringliche Blase.

Köln – In Corona-freien Zeiten wäre das Testspiel des 1. FC Köln gegen die SpVg Porz am Dienstagabend (19 Uhr im Franz-Kremer-Stadion) ein Event für mehrere tausend Zuschauer. Im Mai 2019 nach dem Aufstieg der Geißböcke war der FC zuletzt in Porz zu Gast gewesen. Wolfgang Weber und Bernd Cullmann, die beiden FC-Internationalen und Porzer Jungs, waren gefeiert worden. Der FC hatte mit 8:1 gegen den Landesligisten anlässlich dessen 100-jährigen Jubiläums gewonnen. Es war der launige Ausklang einer erfolgreichen Saison vor fast 3000 Fußballfans gewesen. Ein lokales Highlight für viele Kölner, vor allem aus Porz.

Am Dienstag hingegen wird alles anders sein. Der Test wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Das Franz-Kremer-Stadion wird abgeriegelt sein. So wie an den vergangenen Trainingstagen auch. So wie es wohl auch am kommenden Samstag beim Doppel-Test der Geißböcke gegen Lohne und Deutz sein wird. Was für eine einsame Vorbereitung! Es gab kein erstes öffentliches Training, zu dem in den vergangenen Jahren gerne weit über tausend FC-Fans gekommen waren. Es wird keine Saisoneröffnung vor über 30.000 Fans auf den Stadion-Vorwiesen geben. Es wird kein Fan-Treffen im Rahmen des Trainingslagers in Donaueschingen geben. Und es gibt auch keine öffentlichen Trainingseinheiten, zu denen in der Vergangenheit bei gutem Wetter und in den Sommerferien Familien mit ihren Kindern gerne zu Hunderten erschienen waren, um sich Autogramme und Fotos von und mit ihren Idolen zu holen. Die wenigen Fans, die dieser Tage am Geißbockheim eines der neuen Trikots kaufen, müssen ohne Unterschriften der Spieler wieder nach Hause fahren.

Der Spaß bleibt auf der Strecke

Nichts fühlt sich an wie eine Vorbereitung. Auch nicht das bevorstehende Trainingslager. Schon in neun Tagen brechen die Geißböcke nach Donaueschingen auf, und noch immer weiß kein Fan, ob er dort überhaupt willkommen wäre. Noch immer hat das Land Baden-Württemberg keine klaren Regeln für den FC-Tross und die möglichen Begleiter (Fans und Journalisten) bekannt gegeben. Es gilt als sicher, dass die Trainingseinheiten der Geißböcke auf dem Platz in Aasen unter Ausschluss von Fans absolviert werden müssen. Auch die mitreisenden Journalisten können bislang nicht sicher sein, ob sie von den Übungseinheiten unter Markus Gisdol irgendetwas mitbekommen werden. Womöglich sogar zögert das Bundesland die Entscheidung über die Rahmenbedingungen der Trainingseinheiten bewusst hinaus, um Fans nur noch wenig Zeit zu geben, um sich eine Anreise zu überlegen. Der FC jedenfalls hat bereits die Konsequenzen gezogen und sucht Testspiele nicht in Aasen, sondern im Umland, womöglich gar in der Schweiz oder Frankreich, um sich als Gast nicht um die Hygiene-Richtlinien für den jeweiligen Test kümmern zu müssen.

Markus Gisdol sprach in der vergangenen Woche davon, dass eine Vorbereitung auch dazu da sei, eine Aufbruchsstimmung zu kreieren. Der FC-Trainer will seine Spieler für eine neue Aufgabe motivieren, will die FC-Profis zusammenschweißen, um die kommende Saison erfolgreich absolvieren zu können. In der Vergangenheit war dafür der Kontakt zu den Fans essentiell, ein Quell für Optimismus und Vorfreude auf die Bundesliga. Jetzt ist davon nichts zu spüren und keiner weiß, wann Zuschauer zu Trainings oder Testspielen wieder zugelassen werden. Wie schon nach der Saison-Unterbrechung zwischen März und Mai wird die Motivation der Spieler daher aus ihnen selbst kommen müssen. Die Fans werden ihnen wohl noch länger nicht helfen können, nicht helfen dürfen. Selbst das Highlight für die SpVg Porz am Dienstag wird degradiert zu einem humorlosen Testkick hinter verschlossenen Türen. Zwangsläufig, weil die Situation es nicht anders zulässt. Doch der Spaß bleibt dabei auf der Strecke. Spaß, den eine Vorbereitung eigentlich ausmacht und trägt. In Corona-Zeiten gleicht aber nichts mehr dem, wie es mal war.

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