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Ende der Müller-Römer-Affäre: Das Umfeld ist schuld!


Zehn Tage hat der 1. FC Köln gebraucht, um die E-Mail-Affäre um Stefan Müller-Römer für beendet zu erklären. Doch die Stellungnahmen des Vorstands und des Mitgliederrates werfen Fragen auf. Sie lesen sich wie die Anklageschriften an das Umfeld des Klubs und wie ein Loblieb auf den ehemaligen Chef des Mitgliederrates, als wäre dieser das Opfer eines Komplotts geworden. Wenn dem aber wirklich so gewesen wäre, hätte der FC dem 52-jährigen den Rücken stärken und ihn im Amt bestätigen müssen. Das ist aber nicht geschehen – aus gutem Grund.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

„Journalismus bedeutet etwas zu bringen, von dem andere wollen, dass es nicht veröffentlicht wird. Alles andere ist PR.“ Dieser Ausspruch, der George Orwell zugeschrieben wird, trifft den Kern dessen, was rund um Stefan Müller-Römer passiert ist. Dem Kölner Stadt-Anzeiger war ein E-Mail-Wechsel zwischen einem hochrangigen Funktionär der Geißböcke und einem FC-Mitglied zugespielt worden, der alle Kriterien berichtenswerter Relevanz erfüllte. Daran kann aus journalistischer Sicht kein Zweifel bestehen. Aus FC-Sicht hingegen schon. Und damit beginnt das Problem, das sich aus den Stellungnahmen des Mitgliederrates und des Vorstands zur Causa Müller-Römer ergibt.

Eine persönliche Entschuldigung gab es nicht

Ausführlich ließ sich der FC darüber aus, dass die Veröffentlichung der E-Mails der eigentliche Skandal gewesen sei, dass es eine konzertierte Hetz-Kampagne gebe, dass die Medien ihre Aufgabe nicht erfüllten und viele Fans sich im Ton vergriffen. Der Vorstand nannte Müller-Römers Aussagen zwar „nicht akzeptabel“ und äußerte damit zumindest Kritik. Der Mitgliederrat hingegen nannte die Formulierungen lediglich „unglücklich“. Eine persönliche Entschuldigung des langjährigen Mitgliederrats-Vorsitzenden im Wortlaut gab es nicht. Stattdessen lobten Mitgliederrat und Vorstand ausführlich die Verdienste des 52-jährigen, ganz so, als hätten alle Versuche nichts gebracht, Müller-Römer von seinem ureigenen Entschluss abzubringen, sich dem Druck des Umfelds zu beugen und als Vorsitzender zurückzutreten.

Doch das Gegenteil war der Fall gewesen. Der Vorstand hatte Müller-Römer mitgeteilt, kein Vertrauen mehr in seine Funktion als Mitgliederrats-Vorsitzender zu haben. Die Mehrheit des Mitgliederrates hatte sich gegen ihren Chef gestellt. Einige Mitgliederräte hatten gar damit gedroht hinzuwerfen, sollte Müller-Römer nicht zumindest dem kleinsten gemeinsamen Nenner einer Einigung zustimmen. Denn nichts anderes ist die beschlossene Lösung, dass der Medienanwalt zwar seinen Vorsitz abgibt und damit nicht mehr dem Gemeinsamen Ausschuss angehört, dem Mitgliederrat aber erhalten bleibt.

Was bleibt, ist ein innerhalb des FC geglätteter Konflikt, der wieder Ruhe in den Klub bringen soll. Die Kölner Medien und das stets vage beschriebene „Umfeld“ mussten dafür einmal mehr als Blitzableiter für die eigentlichen Probleme herhalten. Ob die Personalentscheidung wirklich Ruhe bringt, werden erst die kommenden Monate zeigen. Derweil will der FC gegen Beleidigungen aus den sozialen Netzwerken vorgehen. Das ist das gute Recht der Verantwortlichen und auch ihre Pflicht. Niemand weiß das besser als Medienanwalt Müller-Römer. Wer zu weit geht, geht zu weit. Doch Müller-Römer war eben auch zu weit gegangen. Deswegen musste er seinen Vorsitz abgeben. Und nicht, weil die Medien oder das Umfeld es so wollten.

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