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Zocken auf den Schlussverkauf: Nur zwei Neue bis zum Start?


Passiert zum Ende der Woche tatsächlich was in Sachen Neuzugänge beim 1. FC Köln? Eine Einigung mit dem SC Paderborn wegen Streli Mamba ist jedenfalls in greifbarer Nähe. Wie wichtig dies wäre, zeigt die aktuell angespannte Personalsituation. Doch kann der FC einerseits zeitnah die wichtigsten Lücken füllen und trotzdem andererseits noch Anfang Oktober einen Vorteil nutzen, der derzeit nur zu erahnen ist? Es scheint eine Frage der Geduld, eventuell auch der Leidensfähigkeit zu werden, wann der FC auf dem Transfermarkt zuschlägt.

Köln – Hätte sich Florian Kainz nicht derart schwer am Knie verletzt, hätte es nicht überrascht, wenn der 1. FC Köln bis zum ersten Bundesliga-Spiel versucht hätte nur einen Spieler zu verpflichten: einen Offensivspieler, der eher durch das Zentrum kommt, als hängende oder zweite Spitze, im Zweifel auch als Zehner. Streli Mamba soll dieser jenige sein und werden, womöglich zum Wochenende hin. Doch seit dem Kainz-Ausfall erscheint ein neuer Offensivspieler bis zum Saisonstart nicht mehr genug. Zumindest zwei Spieler für die Positionen hinter dem Stoßstürmer scheinen die Geißböcke dringend zu brauchen, um zumindest im Pokal und an den ersten Spieltagen nicht gänzlich harmlos in der Offensive zu erscheinen.

Über diese zwei akut benötigten Spieler hinaus scheint Horst Heldt jedoch auf Zeit zu spielen. Wie zuletzt durchsickerte, geschieht dies durchaus mit Kalkül. Der Grund: Der 1. FC Köln hat schon erreicht, was sich so manch anderer Klub noch wünscht. Der FC hat seinen Kader bereits erheblich reduziert. Nur noch drei, maximal vier Spieler sollen gehen (Schaub, Sobiech, Queiros und eventuell Sörensen). Der Rest, immerhin elf Spieler, wurde bereits weggeschickt. Zwar teils nur zu schmerzhaften Konditionen, doch das war zu erwarten gewesen – und das werden auch noch zahlreiche andere Klubs in Europa merken, wenn sie einmal zum Ende der Transferperiode kommen und plötzlich unter Zugzwang geraten, weil sie ihre übergroßen Kader verkleinern müssen.

„Loan Army“ Klubs werden Probleme kriegen

Fakt ist: In Europa hat die Corona-Pandemie große Löcher in die Kassen der Klubs gerissen. Vor allem betroffen sind die großen „loan army“ Klubs, vor allem aus England und Italien, wo so mancher Verein 20, 30 oder gar 40 Profis neben dem eigenen Kader zusätzlich auf Leihbasis bei anderen Klubs untergebracht hat – und jedes Jahr im Sommer wieder aufs Neue unterbringen muss. Doch Corona hat zu einer Veränderung in den Kaderplanungen in ganz Europa geführt: Praktisch alle Vereine reduzieren ihre Kadergrößen, oftmals von knapp über 30 Feldspielern auf rund 25. Fünf Spieler Unterschied also – das klingt erst einmal nicht nach viel, doch alleine auf alle Klubs in den sechs Top-Ligen hochgerechnet werden plötzlich rund 500 (!) Spieler weniger benötigt, um die Kader zu füllen. Umgekehrt bedeutet das: Rund 500 Spieler werden in den nächsten Wochen auf den Markt kommen unter dem Druck, sie im Zweifel unbedingt loswerden zu müssen.

Schon vor Monaten hatten Experten vermutet, dass in diesem Sommer zahlreiche Profis arbeitslos werden oder in untere Ligen wechseln könnten, weil zahllose Klubs ihre Spieleretats kürzen und damit ihre Kader verkleinern müssen. Und hier kommt der 1. FC Köln wieder ins Spiel: Die Geißböcke haben, im Gegensatz zu vielen anderen Klubs, ihre Arbeit bereits umfassend getan. Auf den ersten Blick haben die Kölner zwar noch immer zu viele Spieler auf der Payroll, immerhin wollen sie Schaub, Sobiech und Queiros noch abgeben und werden Sörensen nur deshalb noch einmal in der Innenverteidigung ausprobieren, weil der Däne noch keinen anderen Klub gefunden hat (neuesten Gerüchten über ein Interesse des Serie-A-Aufsteigers Spezia Calcio zum Trotz). Doch der FC ist in Sachen Kader-Verkleinerung weiter als viele Konkurrenten.

Kölns Kader lässt Last-Minute-Transfers zu

Zudem beinhaltet der Kölner Kader auf den zweiten Blick zahlreiche Jung-Profis, die erstens wenig Gehalt kosten und zweitens noch in der U19 oder U21 zum Einsatz kommen könnten. Castrop, Cestic, Lemperle, Voloder und selbst Thielmann würden sich kaum lauthals beschweren, sollten sie zwar bei den Profis trainieren, ihre Spielpraxis aber vermehrt im Nachwuchs erhalten. Mit ihnen hat Köln einen entscheidenden Vorteil: Sie sollen bei den Profis weiterentwickelt werden. Gleichzeitig könnte der FC für den kurzfristigen Erfolg andere Spieler auf Leihbasis hinzuholen, ohne den Talenten langfristig die Kaderplätze zu blockieren. Denn spätestens zum Ende der Transferperiode am 5. Oktober, damit rechnen viele Transferexperten, werden Leihgeschäfte für aufnehmende Klubs immer lukrativer, weil die abgebenden Vereine aus Verzweiflung noch größere Teile der Gehälter werden übernehmen müssen als aktuell.

Kurzum: Jene Vereine, die Geduld beweisen und auf den Sommerschlussverkauf warten, können womöglich von deutlich sinkenden Preisen profitieren. Was es dafür braucht, hat Horst Heldt auch öffentlich längst definiert. „Wir werden Geduld und Demut brauchen in dieser Transferperiode.“ Geduld, weil der finanziell angeschlagene FC einerseits keine Bieter-Wettbewerbe bestreiten kann, andererseits aber gegen Ende der Transferperiode in eine bessere Position rücken könnte. Demut, weil die Geißböcke genau deshalb womöglich bis zum Saisonstart erst einmal nur die allernötigsten Transfers tätigen werden, um nach einem Pokal- und zwei Bundesliga-Spieltagen noch den nötigen Platz im Kader und die nötigen finanziellen Mittel zu besitzen für den erwarteten Preissturz auf dem internationalen Transfermarkt. Der FC würde also womöglich einen nicht vollständigen Kader und damit verbundene schwierige erste Spiele zum Saisonstart hinnehmen, wenn man dafür anschließend nach Spielern greifen könnte, die aktuell nicht zu erreichen sind – wie Mark Uth.

Nervosität nimmt zu

Dafür aber müssen der FC und sein Umfeld stressresistent sein. Gerade jetzt, da die Vorbereitung immer holpriger wird. Verletzungen, angeschlagene Spieler, verreiste Nationalspieler, das abgesagte Testspiel gegen Uerdingen – es gibt durchaus gute Gründe nervös zu werden. Doch Nervosität könnte aus Heldts Sicht schädlich sein. Abwarten, geduldig sein und im Zweifel die Faust in der Tasche ballen könnten hingegen die bessere Taktik sein. Vor allem dann, wenn Mamba noch in dieser Woche kommen sollte und auch Robin Hack noch nicht außer Reichweite ist.

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