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„Gisdol gab mir das Gefühl extrem gebraucht zu werden“


Als letzter Neuzugang ist Marius Wolf in diesem Sommer zum 1. FC Köln gestoßen. Der Rechtsaußen hat sich in der Mannschaft und der Stadt jedoch bereits gut eingefunden und hofft, die Geißböcke zum Klassenerhalt führen zu können. Im GBK-Interview sprach der 25-jährige über seine Ziele, das fehlende Selbstvertrauen und Trainer Markus Gisdol. 

Das Interview führte Sonja Eich

GBK: Herr Wolf, Sie konnten den Sessionsauftakt am 11.11. nicht auf traditionelle Weise in Köln erleben. Hat man Sie in der Kabine zumindest schon in die Kölsche Musik eingeführt?

MARIUS WOLF: „Das hätte ich auf jeden Fall gerne mitgemacht. Aus Erzählungen weiß ich, dass es nicht so schlecht sein muss (lacht). Ich hoffe, dass ich es nächstes Jahr oder irgendwann anders einmal erleben darf. Karnevalsmusik lief in der Kabine bisher noch nicht. Ich glaube, dafür ist momentan einfach nicht die richtige Stimmung.“

War das Unentschieden gegen Bremen für den Kopf schwieriger zu verarbeiten als gegen Stuttgart oder Frankfurt, weil der Matchplan eigentlich aufgegangen war und die Mannschaft zum ersten Mal in dieser Saison in Führung lag?

Für mich persönlich nicht. Ob wir zurückliegen oder führen, ist für mich nicht entscheidend. Wenn man führt, ist es natürlich leichter. Aber in den Spielen zuvor waren wir immer so stabil im Kopf, dass wir zurückkommen konnten und sogar hätten gewinnen können. Das zeigt die Moral der Mannschaft.

Wie kommen aus Ihrer Sicht die vielen individuellen Fehler zu Stande? Liegt es am fehlenden Selbstvertrauen?

Ja, einerseits schon. Andererseits muss man auch sagen, dass es häufig unglückliche Situationen waren. Der Elfmeter zum Beispiel, den ich gegen die Bayern verursacht habe, war aus meiner Sicht und auch nach dem Regelwerk keiner. Man kann das nicht ändern, aber man sollte auch nicht immer darauf zurückschauen. Vielleicht haben wir in der Rückrunde dieselben Situationen, die für uns dann entschieden werden.

Wir müssen in Ballbesitz ruhiger werden

Wie versuchen Sie sich das fehlende Selbstvertrauen zurückzuholen?

Gegen Bayern haben wir einiges mitgenommen, weil wir sehr gut gespielt haben und unser Plan komplett aufgegangen ist. Generell funktioniert es nur als Mannschaft und wir älteren Spieler versuchen gerade die jüngeren zu unterstützen und zu zeigen, dass es keine negativen Gedanken braucht.

Offensiv hakt es aktuell aber noch sichtlich.

Wir müssen in Ballbesitz ruhiger werden. Die Chancen, die wir uns durch die Defensivaktionen erarbeiten, müssen wir klarer und konzentrierter ausspielen. Wir erarbeiten uns und gewinnen die Bälle, auf die wir spekulieren. Die Umschaltsituationen müssen wir dann ganz klar besser ausspielen. Aber das kommt mit der Zeit, wenn die Abstimmung noch besser wird. Es sind viele Spieler sehr spät und in einer schwierigen Situation dazu gekommen, sodass es etwas länger dauert, sich zu finden.

Sie haben zuletzt als Rechtsverteidiger gespielt. War das vor Ihrem Wechsel zum FC bereits so abgesprochen oder waren Sie ursprünglich für die Offensive eingeplant?

Ich persönlich spiele lieber offensiv. Aber ich habe damit kein Problem, das habe ich dem Trainer auch gesagt. Da, wo ich der Mannschaft am meisten im Spiel helfen kann, spiele ich. Für mich ändert sich ja auch nicht viel. Ich spiele das ja nicht zum ersten Mal.

Kurz nach Ihrem Wechsel haben Sie gesagt, dass die guten Gespräche mit Markus Gisdol ausschlaggebend für ihre Entscheidung für den FC gewesen seien. Können Sie das erklären?

Er hat mir das Gefühl gegeben, dass ich extrem gebraucht werde und ein entscheidender Faktor sein kann. Es ist für jeden Spieler wichtig, geschätzt zu werden. Mit dem Selbstvertrauen, das dir die Leute geben, kannst du ganz anders spielen. In Dortmund habe ich gesehen, dass es aktuell schwierig für mich sein würde. Ich wollte Fußball spielen und Köln ist für mich in Deutschland ein großer Name. Auf diese Aufgabe habe ich total Lust. Es ist keine einfache Aufgabe, aber im Leben sind viele Sachen nicht einfach.

Das sieht dann keiner und alle fragen sich: Was machen die da?

Sie waren letzte Saison an Hertha BSC ausgeliehen und haben dort vier Trainer miterlebt. Was macht so etwas mit einer Mannschaft?

Man hat gesehen, was das mit einer Mannschaft macht. Wenn man nicht gut spielt, kriegt nicht nur der Trainer, sondern auch die Mannschaft Feuer. Meiner Meinung nach ist Hertha ein schlafender Riese, wo die Veränderungen eher aus dem Umfeld kommen müssten.

Wann würden Sie als Spieler sagen, ist ein Trainerwechsel notwendig?

Das ist schwierig zu sagen. Man hat als Spieler ein ganz anderes Gefühl als zum Beispiel ein Fan. Man weiß, wie man unter der Woche trainiert und arbeitet, was die Fans natürlich nicht mitbekommen. Am Wochenende bekommt man das dann vielleicht nicht auf die Kette. Das versteht man dann selber nicht, weil es unter der Woche super lief. Das sieht dann aber keiner und alle fragen sich: Was machen die da?

Manchmal heißt es dann, dass Mannschaften gegen den Trainer spielen würden. Gibt es so etwas überhaupt?

Das habe ich in meiner Karriere noch nicht erlebt. Dass ein Trainer nicht jeden Spieler zufriedenstellen kann, ist normal. Es kann auch nicht jeder Lehrer jeden Schüler zufriedenstellen.

Beim 1. FC Köln geht man nun bewusst einen anderen Weg und stellt sich trotz der langen Sieglosserie hinter Markus Gisdol. Auch Ihr Mannschaftskollege Timo Horn hat den Trainer kürzlich in Schutz und das Team in die Pflicht genommen. Wie sprechen Sie untereinander solche Dinge an? 

Es die Aufgabe von uns älteren Spielern, die jüngeren an die Hand zu nehmen und so gleichzeitig den Trainer zu unterstützen, weil er seine Arbeit gut macht. Wir müssen die Verantwortung auf unsere Schultern nehmen.

Markus Gisdol macht das sehr gut

Was zeichnet Markus Gisdol denn aus?

Wie er mit den Spielern und den Verantwortlichen umgeht. Jeder hat das Gefühl, dazuzugehören. Das ist wichtig, weil in dieser eng getakteten Saison durch Corona jeder gebraucht wird. Es können immer Verletzungen dazugekommen, da kann die Aufstellung in jedem Spiel anders aussehen. Ich finde, er macht das sehr gut.

Der FC ist trotz ihrer erst 25 Jahre bereits ihre sechste Profi-Station. Haben Sie nicht das Bedürfnis, irgendwann einmal sesshaft zu werden und vielleicht länger bei einem Verein zu bleiben?

Das wurde ich jetzt schon so häufig gefragt (lacht). Einerseits ja. Aber andererseits ist es einfach das Geschäft. Ich komme damit gut zurecht. Es ist im Fußball normal, dass man nicht weiß, wo man nächstes Jahr ist. Für mich ist das nicht tragisch, ich kann mich schnell einfinden, komme schnell zurecht und mit jedem gut klar.

Wann würden Sie sagen, dass es eine gute Saison für Sie war?

Wenn wir nicht abgestiegen sind. Dann habe ich meinen Teil dazu beigetragen und bin glücklich, dass ich dem Verein helfen und mich sowohl auf als auch neben dem Platz entwickeln konnte. Ich will hier in eine Führungsrolle wachsen. Das ist absolut mein Ziel.

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