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Das schleichende Ende für Höger und Clemens


Am Freitagabend stand Marco Höger kurzzeitig im Kader des 1. FC Köln gegen den VfL Wolfsburg. Dann traf das negative Testergebnis von Ellyes Skhiri verspätet ein und Höger wurde wieder gestrichen. Zum siebten Mal in Folge nun schon. Derweil spielt Christian Clemens nur noch für die U21. Die Verträge des kölschen Duos laufen im Sommer 2021 aus. Die Zeichen stehen klar auf Trennung. 

Köln – Erst das gescheiterte Experiment als Rechtsverteidiger gegen Hoffenheim, dann noch ein Einwechslung kurz vor Schluss gegen Mönchengladbach: Das waren die vorerst letzten Bundesliga-Minuten für Marco Höger beim FC. Seit dem 4. Spieltag stand der 31-jährige nicht mehr im Kader, verfolgte alle Spiele der Geißböcke nur noch von zuhause oder der Tribüne. Auch am Samstag wird der Routinier wieder zuschauen müssen, obwohl er am Freitagabend kurzzeitig an einer Nominierung schnuppern durfte.

Der Vizekapitän weiß um seine Rolle, heißt es im Klub. Die Verantwortlichen schätzen den erfahrenen Bundesliga-Haudegen für seine Qualitäten neben dem Platz und im Training. Im Ernstfall jedoch greift Markus Gisdol auf andere Spieler zurück. Ähnliches gilt für Clemens. Der Rechtsaußen hat mit Jan Thielmann, Marius Wolf, Dimitris Limnios, Tim Lemperle und dem verletzten Florian Kainz mehr als genug Konkurrenz. Zwar hatte er sich in der Vorbereitung noch einmal gezeigt. Doch die neuerliche Muskelverletzung zum Saisonstart hat ihn wohl alle Chancen gekostet noch einmal ernsthaft in dieser Saison anzugreifen. Stattdessen spielt er inzwischen regelmäßig für die U21 (fünf Einsätze) und verhilft der jungen Regionalliga-Truppe zu einem neuen Niveau (mit Clemens ist die Zimmermann-Elf noch ungeschlagen).

Höger kam im Sommer 2016 vom FC Schalke 04 und erhielt einen Fünf-Jahres-Vertrag. Auch, um die große Gehaltsdifferenz zwischen seinem Kontrakt bei den Königsblauen und beim FC mit einem zusätzlichen Vertragsjahr auszugleichen. Jenes Jahr, das jetzt begonnen hat. Clemens kam ein halbes Jahr später vom 1. FSV Mainz 05 zurück zum FC, nachdem sich Marcel Risse schwer am Knie verletzt hatte. Die Rückholaktion hatte kurzfristig Sinn gemacht, der Viereinhalb-Jahres-Vertrag jedoch einige im Verein die Nase rümpfen lassen. Doch zu dem damaligen Zeitpunkt ging es den Geißböcken sportlich wie finanziell blendend, ein halbes Jahr später zog man nach Europa ein. Höger als international erfahrener Profi bis hoch zur Champions League sollte eine tragende Säule einnehmen. Bei Clemens hingegen geschah genau das, was die Kritiker des Transfers vorhergesehen hatte: Der verletzungsanfällige Außenbahnspieler fiel immer wieder aus. Adduktoren, Muskelfaser, Syndesmoseband und schließlich der Totalschaden im Knie im April 2019. Clemens verbrachte seit seiner Rückkehr zum FC knapp anderthalb Jahre in der Reha. Eine bittere und schwierige Zeit für das Eigengewächs der Geißböcke.

Nun stehen die beiden gebürtigen Kölner vor dem Aus beim 1. FC Köln. Dass ihre Verträge im Sommer 2021 noch einmal verlängert werden, gilt als ausgeschlossen. Seit Markus Gisdol das Ruder beim FC übernommen hat, spielt Höger praktisch keine Rolle mehr. Schon länger will der FC-Coach einen Umbruch in der Hierarchie herbeiführen, Högers Abschied würde diesen Prozess beschleunigen. Und sportlich spricht der Stammplatz auf der Tribüne ohnehin längst Bände. Gegen Clemens sprechen derweil dessen Verletzungshistorie und die inzwischen übergroße Konkurrenz auf seiner Position. Und so wird sich der FC im Sommer 2021 mit aller Wahrscheinlichkeit von dem Duo trennen. Ein Abschied, der recht leise vonstatten gehen dürfte – ohne Zuschauer und vor allem ohne größere Einsatzzeiten.

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