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Jakobs tritt auf Euphorie-Bremse: „Man darf es nicht überbewerten“


In der vergangenen Saison war Ismail Jakobs beim 1. FC Köln die Entdeckung der Saison. Und auch in dieser Spielzeit ist der schnelle Flügelspieler aus der ersten Elf der Geißböcke nicht mehr wegzudenken. Während der 21-jährige vor allem in der Defensivarbeit und mit seinen Tempoläufen überzeugt, trifft der Youngster im letzten Drittel zu häufig noch die falsche Entscheidung, wie er selbst zugibt. 

Köln – Nach dem befreienden ersten Saisonsieg und den ersten drei Punkten nach 18 quälend langen Partien könnte man meinen, beim 1. FC Köln würde sich in dieser Woche überschwänglicher Optimismus breit machen. Doch bei den Geißböcken war der überraschende Sieg beim Champions League Teilnehmer aus Dortmund nicht mehr und nicht weniger als der erste Schritt auf einem langen Weg in Richtung Klassenerhalt. „Es fühlt sich natürlich schön an“, sagte Ismail Jakobs am Rande der neuen Trainingswoche, fügte aber gleich hinzu: „Man darf es jetzt nicht überbewerten. Wir bereiten uns ganz normal auf Wolfsburg vor und denken nicht mehr darüber nach, was das für ein toller Sieg war.“

Besondere aber auch schwierige Aufgabe

Entscheidend für den Sieg war am Ende auch die mutige Umstellung von Markus Gisdol auf die Dreier- bzw. Fünferkette und den durchaus alternativlosen Einsatz von Ondrej Duda als falsche Neun. „Wir stehen dadurch ein bisschen stabiler. Wenn wir zwei schnelle Außenbahnspieler haben, ist das auch eine Waffe“, erklärte Jakobs, der selbst als linker Part den Flügel mit über zwölf Kilometern beackerte. „Das ist für mich eine besondere aber auch eine schwierige Aufgabe, weil es dadurch deutlich mehr Arbeit ist. Aber ich spiele die Position gerne.“ In der Offensive hatte der Flügelspieler allerdings gegen Dortmund nicht wie gewohnt Sebastian Andersson zu bedienen, sondern Ondrej Duda, der ansonsten eigentlich als Zehner neben Jakobs zu finden ist. „Es war eine ganz neue Anordnung vorne“, erklärte der Youngster.“ Mit Duda hatten wir einen Spieler vorne drin, der ein bisschen mehr zockt. Deswegen waren wir im Mittelfeld gut besetzen und hatten gute Fußballer drin, mit denen man gut kombinieren kann.“ Trotz des Sieges, der am Ende durch zwei erfolgreiche Ecken gelang, lief offensiv bei den Geißböcken am vergangenen Samstag aber wieder relativ wenig zusammen. Daher sagte Jakobs: „Wir müssen in unseren Aktionen klarer werden, bei Flanken die Box besetzen und auch mutiger sein.“

Er selbst gehört dabei beim FC zu den absoluten Leistungsträgern, soll und will nach seiner Debüt-Saison dieses Jahr auch mehr Verantwortung auf dem Platz übernehmen. Dafür muss das Kölner Eigengewächs aber noch an seinen Abschlüssen im letzten Drittel arbeiten. „Das sehe ich genauso“, sagte Jakobs darauf angesprochen. Gegen den BVB verpasste es der Flügelspieler, einen Fehler der Dortmunder Hintermannschaft eiskalt ausnutzen. Statt mit seinem Tempo an Akanji vorbeizugehen und selbst zum Abschluss zu kommen, versuchte es Jakobs mit einem Querpass auf Duda, der am Ende abgefangen werden konnte. „In dem Moment habe ich gedacht, dass Akanji darauf spekuliert, dass ich es selbst mache. Deswegen habe ich nicht rechts rüber geguckt, sondern wollte ‚No Look‘ zu Duda spielen, der frei vor dem Tor gewesen wäre. Ich habe aber nicht gesehen, dass Akanji spekuliert hat, dass ich rüberspiele“, erinnerte sich der Spieler an die Szene beim BVB, die das frühe 2:0 bedeutet hätte. Dass er in der Offensive häufig noch zu überhastet agiert, daran will Jakobs in Zukunft arbeiten. „Ich bin oft durchgekommen, habe aber die falsche Entscheidung getroffen. Es ist ein Prozess, ich muss mich in diesen Sachen weiterentwickeln. Mit Erfahrung und Spielpraxis wird das aber denke ich kommen.“

Will alles realistisch sehen

Dass an dem Spiel in Dortmund letztendlich auch der Job von Trainer Markus Gisdol hing, war den Spielern dabei durchaus bewusst. Zwar sei die Diskussion um den Übungsleiter in der Kabine kein Thema gewesen, dennoch „war uns allen klar, dass es kritisch für den Trainer werden kann.“ Nach dem Sieg beim BVB dürfte sich Gisdol seines Jobs nun aber wieder relativ sicher sein. Ob es die Mannschaft allerdings wie vor einem Jahr nach dem ebenfalls überraschenden Sieg gegen Leverkusen schafft, eine solch beachtliche Serie hinzulegen, wollte Jakobs noch nicht prognostizieren. „Es wäre schön. Aber letzte Saison haben daran auch nicht wirklich geglaubt. Deswegen will ich nicht zu euphorisch werden, sondern alles realistisch sehen.“ Ganz ausschließen wollte es der 21-jährige letztendlich aber auch nicht: „Wenn wir weiter das Engagement wie in Dortmund an den Tag legen, ist es möglich, dass wir nochmal so eine Serie starten.“

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