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90-Minute-Analyse: Darum funktioniert der Spielaufbau nicht


Auch nach 14 Spieltagen findet der 1. FC Köln offensiv einfach in nicht in die Spur. In den letzten beiden Bundesligaspielen gegen Leipzig und Augsburg blieben die Geißböcke jeweils ohne eigenen Treffer. Das liegt vor allem daran, dass die vorderste Reihe kaum effektiv eingebunden wird. Dieses Problem beginnt bereits bei den Innenverteidigern. 

Köln – Nur 13 Tore hat der 1. FC Köln bislang in 14 Spielen erzielt. Zuletzt blieben die Geißböcke gar drei Mal torlos. Zu Beginn der Saison forderte Trainer Markus Gisdol immer wieder Geduld für seine zu großen Teilen neu formierte Offensivreihe. Doch selbst nach über fünf Monaten seit Beginn der Vorbereitung lässt sich kaum eine Verbesserung feststellen. Zwar hat sich die Abwehrreihe inzwischen merklich stabilisiert und macht es dem Gegner deutlich schwerer, zu gefährlichen Toraktionen zu kommen. Unter dem neuen Defensivgedanken scheint allerdings auch der Spielaufbau gelitten zu haben, wie das Spiel gegen Augsburg deutlich machte.

Innenverteidiger scheuen Pass nach vorne

So fand am vergangenen Samstag kaum ein Ball aus der Dreier-Abwehrreihe um Jorge Meré, Sebastiaan Bornauw oder Rafael Czichos den direkten Weg in die Offensive oder zumindest das Mittelfeld. Meré, seinerseits wohl der spielstärkste Innenverteidiger der Riege, spielte die meisten seiner Pässe auf Sebastiaan Bornauw (31,8 %) und Marius Wolf (22,7 %) und damit mehr als die Hälfte aller Bälle auf seine direkten Nebenmänner. Zwar hatte der Spanier mit einer 85-prozentigen Passquote den höchsten Wert innerhalb der Abwehr, Pässe mit Risiko in die Spitze suchte man aber vergebens. Von den drei Innenverteidigern müsste eigentlich Meré aufgrund seiner technischen Fähigkeiten derjenige sein, der das Spiel von hinten aufbaut. Gegen Augsburg entschied sich Markus Gisdol jedoch wohl auch aufgrund seiner Kopfballstärke Sebastiaan Bornauw ins Abwehrzentrum zu stellen. Als wirklicher Mann für den Spielaufbau konnte sich aber auch dieser nicht hervortun. Vielmehr spielte der Belgier jeden dritten Pass auf Rafael Czichos (33,3 %) und dabei keinen auf Sechser Ellyes Skhiri oder einen der Achter Salih Özcan oder Elvis Rexhbecaj (Klärungsversuche ausgenommen). Die zweitmeisten Pässe des Belgiers gingen dabei entweder auf Timo Horn oder Marius Wolf (jeweils 14,8 %). Rafael Czichos‘ Ziel im Spiel gegen Augsburg wurde ebenfalls deutlich: Fast 41 % seiner Pässe fanden Nebenmann Noah Katterbach und 22,7 % Prozent Sebastiaan Bornauw.

Die Innenverteidiger des FC haben also gegen den FC Augsburg vermehrt versucht die Außenbahnspieler einzubinden. Dadurch, dass die Fuggerstädter dies jedoch recht schnell durchschaut zu haben schienen, gab es über die Seiten kaum ein Durchkommen für den FC. Betrachtet man die vier Torchancen, die sich die Kölner in der Partie herausspielen konnten, fällt auf: Keine einzige Gelegenheit wurde durch eine Kombination durch das Mittelfeld herausgespielt. Die Schuss-Chance von Noah Katterbach in der 35. Minute resultierte aus einem langen Abschlag von Torhüter Timo Horn. Die Kopfball-Chance von Bornauw fand bei der unmittelbar darauffolgenden Ecke statt. Im zweiten Durchgang hatte derweil zwei Mal Marius Wolf das Tor auf dem Fuß. Während seine größte Chance in der 69. Minute aus einem Freistoß entstand, konnte Rafael Czichos zumindest Wolfs Schuss in der 54. Minute mit einem langen Ball auf Jan Thielmann einleiten. Dies blieb jedoch über die gesamten 90 Minuten der einzige öffnende (und vielmehr auch geplante) Pass aus der Innenverteidigung in die Offensive.

Viererkette für die Offensive gewinnbringender?

Das Kölner Mittelfeld um Ellyes Skhiri, Salih Özcan und Elvis Rexhbecaj wurde von der Abwehrreihe kaum eingebunden, sodass dem Trio beinahe über die gesamte Dauer der Partie der Zugriff auf das Spiel fehlte. Aktiv konnte die Mittelfeldreihe daher eigentlich nur werden, wenn sie sich selbst den Ball eroberten. Vielleicht scheuten die Innenverteidiger auch das Risiko eines Fehlpasses und somit einer Kontersituation für den Gegner. Jorge Meré versuchte am Mittwoch eine Erklärung für die mutlose Spielweise gegen Augsburg zu finden, sagte: „Klar müssen die Verteidiger die Angriffe einleiten. Aber manchmal kommen die Pässe wie gegen Augsburg dann nicht an. Wir wollen versuchen, den Ball so lange wie möglich zu halten und dann immer weiter nach vorne zu spielen. Wir wissen aber, dass wir dort Verbesserungsbedarf haben.“ Weiter nach vorne ging es gegen den FCA in den seltensten Fällen, zumeist war der Ball auf Höhe der Mittellinie oder kurz dahinter schon wieder weg.

So dürfte mit dieser Ausrichtung zu überlegen bleiben, ob das System mit einer Dreier-Abwehrreihe zumindest für das offensive Spiel die gewinnbringende ist. Eine effektivere Variante könnte dabei die Viererkette sein, in die sich der zentrale Sechser, im aktuellen Fall also Ellyes Skhiri, zwischen die beiden Innenverteidiger fallen lässt. Nicht nur, dass der Mittelfeldspieler dann von hinten heraus das Spiel aufbauen könnte, gleichzeitig hätte er auch mehr Anspielstationen vor sich. Gegen RB Leipzig versuchte es Markus Gisdol bereits mit dieser Variante, wenn auch eher mit mäßigem offensiven Erfolg. Am bislang erfolgreichsten übte diese Position in 4-4-2 wohl Jonas Hector aus, der aktuell aber wohl nicht in der körperlichen Verfassung für die Startelf zu sein scheint. Offensiv, das weiß man auch am Geißbockheim, liegt aktuell noch viel Arbeit vor dem FC, wenn er in den kommenden Wochen den entscheidenden Schritt aus der Abstiegszone machen will. Und das, so hat das Spiel gegen Augsburg gezeigt, fängt bereits ganz hinten an.

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