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Der Meyer-Coup: Wie der Ex-Schalker dem FC helfen soll


Mit der Verpflichtung von Max Meyer hat der 1. FC Köln am Mittwoch noch ein Ass aus dem Ärmel gezogen. Nach Emmanuel Dennis kam eine zweite Verstärkung in diesem Winter zu den Geißböcken, mit der man nicht gerechnet hatte. Der 25-jährige machte den Wechsel selbst erst möglich, auch weil ihm mit Blick auf seine Karriere wohl keine andere Wahl blieb. Das ist die große Chance für den FC, der auf ganz neue Möglichkeiten hofft.

Köln – Keine Frage: Weder Emmanuel Dennis noch Max Meyer wären unter normalen Umständen beim 1. FC Köln gelandet. Weder sportlich noch finanziell. Doch Dennis fiel in Brügge in ein Leistungsloch und will in Köln dort wieder rauskommen. Und Meyer? Der hatte sich mit seinem Wechsel 2018 zu Crystal Palace komplett verrannt und sucht nun nach einem Ausweg aus einer Karriere, die, gelinde gesagt, arg ins Stocken geraten ist.

Meyer spielt beim 1. FC Köln für den Bruchteils seines Gehalts aus England. Bei den Eagles soll er dem Vernehmen nach rund zehn Millionen Euro im Jahr verdient haben. Das sind rund 190.000 Euro pro Woche. Beim FC kassiert er nach GBK-Informationen rund 250.000 Euro und damit nur unwesentlich mehr als diesen fürstlichen Wochenlohn – allerdings nicht pro Woche, sondern für fünf Monate. Kein Problem für Meyer, um dessen finanzielles Wohlergehen sich niemand sorgen muss. Der 25-jährige hat sich bei Palace seinen bis Sommer 2021 laufenden Vertrag bei Auflösung nahezu komplett auszahlen lassen. Ihm wird es also an nichts fehlen. Woran es ihm hingegen sehr wohl fehlt, ist Spielpraxis. Und die will er sich beim FC holen, genauso wie Dennis.

Meyer erhöht Druck auf das Kölner Mittelfeld

Zwei Spieler, deren Können und Marktwert eigentlich oberhalb des Machbaren für den 1. FC Köln gelegen hätten, wollen in den nächsten Monaten alles daran setzen, ihre Karrieren wieder in Schwung zu bringen. Für diesen Schritt haben sie sich den 1. FC Köln ausgesucht. Für die Geißböcke birgt diese Konstellation fraglos mehr Chance als Risiko. Während Dennis in der Offensive für mehr Torgefahr sorgen soll, kommt Meyer mit Qualitäten, an denen es vielen FC-Spielern mangelt: Kreativität und Ballkontrolle.

Keine Frage: Auf den ersten Blick kommt Meyer für Positionen, die zumindest quantitativ zahlreich besetzt sind. Im Mittelfeld-Zentrum tummeln sich Ondrej Duda, Jonas Hector, Marco Höger, Salih Özcan, Elvis Rexhbecaj und Ellyes Skhiri sowie zuletzt auch Dominick Drexler. Höger ist längst chancenlos, doch das restliche Quintett teilte sich die Spielzeit zuletzt artig auf. Einzig Skhiri ist gesetzt, selbst Hector ist nicht unumstritten nach seinen mehrheitlich schwachen Auftritten der letzten Wochen. Özcan und Rexhbecaj harmonierten im Dezember gut mit Skhiri, verloren zuletzt aber nach den Augsburg- und Freiburg-Pleiten an Ansehen. Und Duda? Der wird je nach System ohnehin weiter vorne gebraucht. Der Slowake gilt neben Meyer als derjenige, der dem FC in den nächsten Wochen neuen fußballerischen Glanz verleihen soll.

Vom Bundesliga-Star in den Mickey Mouse Cup

Meyer ist aber nicht auf eine Position oder nur auf das Zentrum beschränkt. Bei Crystal Palace fand Meyer zwar nie seinen Platz, spielte am häufigen aber im linken Mittelfeld. Auf Schalke hatte Meyer zuvor vom Sechser bis zum Mittelstürmer alles gespielt. Überhaupt ruhen die Hoffnungen beim FC auf jenem Meyer, den man noch aus seiner Schalke-Zeit in Erinnerung hat. Damals, bis ins Frühjahr 2018 hinein, galt er als herausragender Bundesliga-Spieler. Im Alter von gerade einmal 22 Jahren hatte er bereits 192 (!) Pflichtspiele für den FC Schalke 04 absolviert, dabei 22 Tore erzielt und 23 weitere vorbereitet. Meyer blieb nicht der quirlige Offensivspieler, sondern zeigte unter Domenico Tedesco dank überraschender Defensivqualitäten auch die Anlagen eines strategischen Sechsers.

Bekanntlich wurde die Saison 2017/18 aber nicht zum Sprungbrett zu einem internationalen Topklub, sondern zum Absturz bei Crystal Palace. Nur deswegen konnte der FC den mittlerweile 25-jährigen verpflichten. Das letzte Liga-Spiel liegt ein halbes Jahr zurück, es war im Juli 2020, damals noch in der alten Premier-League-Saison. Das letzte Pflichtspiel für die erste Mannschaft bestritt Meyer im September im EFL Cup (ehemals League Cup), der – weil deutlich weniger bedeutend als der FA-Cup – in England auch als „Mickey Mouse Cup“ verschrien ist. Kurzum: Dort spielen häufig jene Spieler eines Klubs, die in den wirklich wichtigen Partien keine Rolle spielen. Wie zum Beweis trug Meyer letztmals das Eagles-Trikot im Dezember für die zweite Mannschaft im Duell gegen die U23 des FC Fulham.

Meyers Qualitäten sollen den Unterschied ausmachen

Nun also die Rückkehr nach Deutschland: Sollte Meyer seine Form und Spielfreude wiederfinden, dürfte er im Kölner Mittelfeld schnell ohne Konkurrenz sein. Kein einziger FC-Spieler im Zentrum hat sich in dieser Saison bislang derart hervorgetan, dass er auf einen Stammplatz pochen könnte. Meyer muss zwar erst noch beweisen, wozu er noch immer in der Lage ist. Doch der 25-jährige galt läuferisch zu Bundesliga-Zeiten als Pferdelunge und konnte auch mal über 13 Kilometer in 90 Minuten zurücklegen. Und spielerisch soll der Rechtsfuß keine Alternative zu Ondrej Duda sein, sondern mit diesem gemeinsam auf dem Platz stehen, um die fußballerische Qualität zu erhöhen. Es wird von der Grundformation abhängen, die Trainer Markus Gisdol wählen wird, auf welcher Position sich Meyer einfügen wird. Doch eines scheint klar: Der FC hat mit Meyer ein Signal gesetzt, dass es in den verbliebenen 16 Spielen in der Bundesliga nicht mehr nur darum gehen soll, sich die Punkte für den Klassenerhalt zu ermauern, sondern auch zu erspielen.

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