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Offensiv oder defensiv: Behebt Wolf die Sorgen?


Als Marius Wolf zum 1. FC Köln kam, galt er als Verstärkung für die Offensive. Doch weil sich mal wieder ein gähnendes Loch auf der Position des Rechtsverteidigers aufgetan hat, muss Wolf seit Wochen dort aushelfen. Das gelingt ihm mal gut und mal weniger gut – wie zuletzt gegen den FC Augsburg. Die Mannschaft kann es sich ob ihrer kolossalen Probleme in der Offensive eigentlich nicht leisten, Wolf hinten rechts zu verschwenden.

Köln – Horst Heldt weiß, dass der 1. FC Köln ein Offensivproblem hat. Nun muss sich der Sportchef fragen, wie sich dieses beheben lässt. Das letzte Abstiegsjahr 2017/18 hat gezeigt, dass die Geißböcke zwingend Spieler im Kader haben müssen, die Tore schießen können. Mit Andersson und Kainz verletzt, Modeste außer Form und den bislang torungefährlichen Jakobs, Thielmann, Limnios und Drexler lässt sich aktuell aber kein Abstiegskampf gewinnen. Die Frage lautet also nun: Ist es taktisch bedingt oder muss personell nachgelegt werden?

Sicher ist: Marius Wolf wäre eigentlich ein Kandidat für mehr Torgefahr. Zwar zeichnete sich auch der 25-jährige in seiner bisherigen Karriere nicht gerade als Torjäger aus (2017/18 erreichte er mit fünf Saisontoren seinen bisherigen Bestwert). Doch die Spiele im FC-Dress haben gezeigt: Die besten Aktionen hatte Wolf in dieser Saison in der Offensive. Defensiv hilft er zwar seit Wochen aus, doch wirkliche Stabilität verleiht er dem Abwehrverbund nicht. Das ist weniger Wolf anzulasten als den nominellen Rechtsverteidigern: Kingsley Ehizibue scheint auf dem besten Wege den FC im Sommer verlassen zu dürfen, weil er weiterhin zu fehlerhaft agiert. Benno Schmitz fiel nun schon zweimal mehrere Wochen mit einer Verletzung am Sprunggelenk aus, dass er einfach nicht richtig in Tritt kommen will. Nach einer starken Vorbereitung waren die letzten Monate für den 26-jährigen ein herber Rückschritt.

Ist Hector eine Alternative hinten rechts?

Daher Wolf – und zur Tragik der Geißböcke in dieser Saison gehört, dass Wolf aktuell weder Fisch noch Fleisch ist: keine Dauerlösung als Rechtsverteidiger und gleichzeitig seiner größten Stärken in der Offensive beraubt, gerade da, wo es dem FC fehlt. Gleiches gilt übrigens, nur umgekehrt, für Ismail Jakobs auf links. Der 21-jährige würde gerne Linksverteidiger spielen, muss aber den Linksaußen geben, weil Gisdol sonst niemanden im Kader hat, der diese Rolle ausfüllen kann (was man gegen Augsburg gesehen hat). Die Probleme im Kader sind also vielschichtig, ein Transfer alleine würde sie nicht beheben. Allerdings würde ein geschickter Transfer sie erheblich reduzieren. Und vielleicht müsste man am Geißbockheim den Mut haben ein Experiment zu wagen und Jonas Hector, immerhin Ex-DFB-Linksverteidiger und in den Augen der Verantwortlichen der intelligenteste und polyvalenteste Fußballer im Kader, als Rechtsverteidiger ausprobieren. Dann wäre Wolf frei für die Offensive und könnte dort auf seiner angestammten Position etwas in Bewegung setzen.

„Ich versuche der Mannschaft da zu helfen, wo mich der Trainer aufstellt“, sagte Wolf nach der Niederlage gegen Augsburg diplomatisch. „Aber ich fühle mich in der Offensive wohler.“ Das wissen auch Horst Heldt und Markus Gisdol. In einer Viererkette ist Wolf offensiv komplett verschenkt. In einer Dreierkette, die zur Fünferkette werden kann, muss Wolf die gesamte rechte Seite beackern, auch offensiv, und kann sich so zumindest ab und an noch vorne einschalten. Doch seine beste Position wäre in Kölns 4-1-4-1 beziehungsweise 4-3-3 die rechte offensive Außenbahn. Zumindest erscheint es möglich, dass es am nächsten Wochenende beim SC Freiburg dazu kommen wird. „Wir überlegen permanent, wo wir Marius gewinnbringend einsetzen können“, bestätigte Heldt. Dafür aber bräuchte es eine Alternative hinten rechts.

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