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Aehlig weg: Wie sich jetzt die Kaderplanung verändert


Nach dem Spiel des 1. FC Köln bei Eintracht Frankfurt geht die Zeit von Frank Aehlig bei den Geißböcken zu Ende. Die warmen Worte der Verantwortlichen täuschen nicht darüber hinweg, dass der Abschied des 53-jährigen schon länger geplant war. Der FC will und muss sich in seiner Kaderplanung neu aufstellen und darf dabei lange nicht mehr so viele Fehler machen wie zu Aehligs Zeiten.

Köln – Frank Aehlig hatte sich in den vergangenen Monaten vom Kaderplaner zum Corona-Beauftragten beim 1. FC Köln entwickelt. Der einstige Vertraute von Armin Veh hatte alle Hände voll zu tun. Einerseits musste er die administrativen Anforderungen an die Pandemie zusammen mit Lukas Berg meistern. Andererseits musste er Fehler in der Kaderplanung ausmerzen, für die er selbst mitverantwortlich gewesen war. Am Freitag wurde er offiziell verabschiedet. „Wir hatten von Anfang an die große Herausforderung, in der Bundesliga zu bleiben – dazu kam Corona“, sagte Veh-Nachfolger Horst Heldt. „Dabei hat er uns mehr als tatkräftig unterstützt, bei den Transfers im letzten Winter, bei unserem großen Umbruch diesen Sommer und bei all den Themen, die wir seit Beginn der Pandemie bewältigen mussten, um den Lizenzspielerbereich am Laufen zu halten.“

Nur drei Leistungsträger bei 14 Neuzugängen

Darin schwang freilich eine Wahrheit mit, die auch zu Aehligs Amtszeit gehört: Der große Umbruch im vergangenen Sommer war nötig geworden, weil der FC unter dem Leiter der Lizenzspielerabteilung sowie unter Armin Veh in den Transferphasen zuvor zu häufig zu deutlich und zu teuer daneben gelegen hatte. Von den im Sommer 2018 nach dem Abstieg getätigten acht Transfers, die angeblich allesamt auch hätten in der Bundesliga zum FC getätigt worden wären, hat sich nur Rafael Czichos als Bundesliga-tauglich herausgestellt. Von den sechs Transfers im Sommer 2019 sind nur Sebastiaan Bornauw und Ellyes Skhiri zu Leistungsträgern geworden. Drei aus 14 Transfers – eine mangelhafte Bilanz, unnötigerweise verbunden mit teils teuren und langen Verträgen für Spieler, die die Erwartungen nicht erfüllen konnten. Auch deswegen hat der FC aktuell eine „Loan Army“, eine Armada an Leihspielern, die woanders untergebracht werden mussten, um den hohen Spieleretat zu senken, der in keinem Verhältnis zur Leistungsfähigkeit des Kaders steht.

Nun will es Horst Heldt besser und anders machen. Wie der Sportchef unlängst Aehligs Nachfolger Berg charakterisierte, ließ auch Rückschlüsse auf sein Verhältnis zu Aehlig zu. „Wir müssen uns ergänzen“, sagte Heldt über seinen künftigen Assistenten. „Lukas muss nicht auf dem Trainingsplatz stehen und mir sagen, wer gut trainiert hat. Die Kompetenz haben wir beim FC mit dem Trainerteam und mit mir. Ich brauche jemanden, der mich besser macht und in anderen Bereichen unterstützt, damit der Apparat Fußball funktioniert.“ Kurzum: Heldt nimmt die Kaderplanung zusammen mit dem Trainerteam und der neu aufgestellten Scouting-Abteilung selbst in die Hand – und hat dies in den letzten Monaten freilich schon getan. Aehlig war zwar noch dabei, doch die Richtung gab er nicht mehr vor. Anders als unter Armin Veh, der sich als Sportchef als Gesicht nach außen verstand und weniger als Arbeiter an dem, für das er verantwortlich war.

Spieleretat muss sinken

Fakt ist: Die Ära Veh/Aehlig wird als eine der teuersten in die Geschichte des 1. FC Köln eingehen. Zwar schaffte der FC unter dem Duo den Wiederaufstieg in die Bundesliga, und zumindest Aehlig trug dazu bei, dass der FC letztlich nicht sofort wieder runterging. Doch die Kosten des Kölner Spielbetriebs trieb das Duo zusammen mit Alexander Wehrle in schwindelerregende Höhen. Höhen, von denen nun Heldt zusammen mit Wehrle wieder runterkommen muss. Und zwar dringend. Ob Heldt bei diesem Bestreben selbst schon kräftig daneben lag (Limnios und Andersson), wird sich in den nächsten Monaten noch zeigen. Doch klar scheint, dass solche Transfers in den kommenden Spielzeiten zur Ausnahme zählen dürften.

FC konnte auch mit viel Geld nicht umgehen

Ablösefreie Spieler und Spieler auf Leihbasis werden zur Regel gehören, dazu wohl auch der Verkauf von Leistungsträgern, um Millionen-Einnahmen zu generieren. Die Reinvestition dieser Einnahmen in neue Spieler, wie im Sommer 2020 nach dem Verkauf von Jhon Cordoba geschehen, wird es wiederum wohl nicht geben. Selbst für den Fall des Klassenerhalts werden die Geißböcke ihre Finanzlöcher durch Transfereinnahmen flicken müssen. Es sei denn, der Vorstand gäbe der Geschäftsführung das „Go“ für den Verkauf von Anteilen an der KGaA, was unter 25 Prozent ohne die Genehmigung durch die Mitgliederversammlung möglich wäre. Das gilt jedoch als nahezu ausgeschlossen. Schließlich war der Vorstand auf Basis des Versprechens gewählt worden, der FC werde niemals Anteile verkaufen. Ohne Anteilsverkäufe wird es also zu einem deutlichen Einschnitt in der Kaderplanung kommen – weniger Transferausgaben, Zu-Geld-Machen von Leistungsträgern. Was aber auch heilende Kräfte haben könnte. Erstens würde der FC sich immer wieder erneuern müssen, wie es der nächste Gegner der Geißböcke, Eintracht Frankfurt, in den letzten Jahren eindrucksvoll vorgemacht hat. Und zweitens hat der FC in den fetten Jahren bewiesen, auch mit viel Geld nicht verantwortlich umgehen zu können. Insofern macht Not vielleicht auch wieder erfinderisch. Auch das hat Eintracht Frankfurt dem FC vorgemacht.

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